Arbeit

Schweizer Lohnabrechnung: Vom Brutto- zum Nettolohn

Welche Abzüge sind gesetzlich festgelegt, welche individuell? Eine vollständige Musterabrechnung zeigt, wie aus 7’500 Franken brutto die Auszahlung entsteht.

Flache Illustration einer Lohnabrechnung und eines Taschenrechners auf violettem Hintergrund.

Auf der Schweizer Lohnabrechnung wird aus dem Bruttolohn nach den Sozialversicherungs- und weiteren vereinbarten Abzügen der Nettolohn. Der tatsächliche Bankeingang kann davon abweichen, etwa durch Quellensteuer, Spesen oder einen Vorschuss. Prüfe deshalb jede Position und ihre Berechnungsbasis, nicht nur die letzte Zahl.

Dieser Leitfaden zeigt eine vollständig durchgerechnete Musterabrechnung. Er trennt gesetzliche Beiträge von individuellen Versicherungsprämien und von Ausgaben, die du erst nach der Lohnauszahlung selbst bezahlst.

Stand: 15. September 2026. Die gesetzlichen Werte und die Beispielrechnung beziehen sich auf 2026. Individuelle Abzüge sind ausdrücklich als Annahmen gekennzeichnet.

Lohnabrechnung und Lohnausweis sind verschiedene Dokumente

Die Lohnabrechnung erklärt die Abrechnung einer bestimmten Lohnperiode. Darin erkennst du beispielsweise einen Monatslohn, zusätzliche Stunden, Zulagen, Versicherungsabzüge und Korrekturen. Der Lohnausweis fasst dagegen die für die Steuererklärung relevanten Arbeitgeberleistungen eines Kalenderjahres zusammen.

Bewahre beide auf. Der jährliche Lohnausweis ersetzt die monatlichen Unterlagen nicht, wenn du einen einzelnen Abzug nachvollziehen willst. Umgekehrt ist die Summe der Bankeingänge nicht automatisch der steuerliche Nettolohn. Die Jahreskontrolle behandelt unser Beitrag Lohnausweis verstehen: Ziffern und Abgleich.

Welche Abzüge sind fest – welche nicht?

PositionKontrollgrundlage für 2026
AHV / IV / EOArbeitnehmeranteil zusammen 5,3 Prozent auf dem massgebenden Lohn im normalen beitragspflichtigen Arbeitsverhältnis.
Arbeitslosenversicherung, ALVArbeitnehmeranteil 1,1 Prozent bis zum versicherten Höchstlohn von 148’200 Franken jährlich.
Pensionskasse, PK / BVGIndividuell nach versichertem Lohn, Alter und Vorsorgeplan; kein einheitlicher Prozentsatz auf jeden Bruttolohn.
Nichtberufsunfall, NBUPrämiensatz und Kostenübernahme gemäss Versicherung und Arbeitsverhältnis.
Krankentaggeld, KTGAbzug und Aufteilung anhand der konkreten Regelung prüfen; kein allgemeiner fixer Schweizer Arbeitnehmerabzug.
QuellensteuerNur bei Quellensteuerpflicht; Berechnung hängt insbesondere von Kanton, Tarif und persönlicher Situation ab.

Für AHV, IV und EO trägt der Arbeitgeber zusätzlich seinen Anteil. Diesen Arbeitgeberanteil darfst du nicht nochmals als Arbeitnehmerabzug auf deine Rechnung setzen. Eine Abrechnung kann Arbeitgeberbeiträge informativ ausweisen; entscheidend ist, welche Beträge tatsächlich von deinem Lohn abgezogen wurden.

Musterabrechnung: 7’500 Franken brutto

Fiktiver gewöhnlicher Monat: Eine angestellte Person erhält 7’500 Franken Geldlohn. Kein Bonus, keine Sachleistungen und kein Vorschuss fallen an. Sie liegt mit ihrem Jahreseinkommen unter der ALV-Grenze. Für PK, NBU und KTG verwenden wir ausdrücklich angenommene Beträge. Die Quellensteuer von 500 Franken ist ebenfalls nur eine Rechenannahme, keine Auskunft zu einem Tarif.

ZeileBerechnungBetrag
BruttolohnVertraglicher Monatslohn7’500.00 CHF
AHV / IV / EO7’500 × 5,3 %−397.50 CHF
ALV7’500 × 1,1 %−82.50 CHF
PensionskasseAngenommener Monatsbeitrag−350.00 CHF
NBUAngenommene Prämie 1 %−75.00 CHF
KTGAngenommener Arbeitnehmeranteil 0,4 %−30.00 CHF
ZwischensummeNach diesen fünf Abzügen6’565.00 CHF
QuellensteuerNur angenommener Betrag−500.00 CHF
Erstattete GeschäftsspesenZusätzliche Auszahlung+120.00 CHF
Banküberweisung6’565 − 500 + 1206’185.00 CHF

Die Sozial- und Versicherungsabzüge ergeben im Beispiel 935 Franken. Die Spesen erhöhen zwar den Bankeingang, sind aber kein zusätzlicher frei verdienter Lohn: Sie ersetzen eine bereits getragene Geschäftsausgabe. Ohne Quellensteuerabzug ergäbe sich bei sonst gleichen Annahmen eine Auszahlung von 6’685 Franken. Dann muss die persönliche Steuerzahlung ausserhalb der Lohnabrechnung budgetiert werden.

Warum die Pensionskasse nicht mit einem Pauschalsatz aufgeht

Der beitragspflichtige Lohn in der beruflichen Vorsorge kann sich vom gesamten Bruttolohn unterscheiden. Zudem können Vorsorgepläne über die gesetzlichen Mindestleistungen hinausgehen. Eine jüngere Kollegin, eine andere Lohnhöhe oder ein anderes Unternehmen ergeben deshalb nicht zwangsläufig denselben PK-Abzug.

Lege deinen Vorsorgeausweis und die Informationen zum Plan daneben. Frage nach dem versicherten Jahreslohn und dem Arbeitnehmerbeitrag. Multipliziere den monatlichen Abzug nicht blind mit dreizehn: Manche Pläne verteilen die Jahresbeiträge auf zwölf Monate, auch wenn dreizehn Monatslöhne ausbezahlt werden. Die tatsächliche Verteilung muss der Arbeitgeber erklären können.

Unfallversicherung und Krankenkasse auseinanderhalten

Bei mindestens acht Stunden pro Woche beim gleichen Arbeitgeber besteht grundsätzlich auch Versicherung gegen Nichtberufsunfälle über diesen Arbeitgeber. Die NBU-Prämie kann vom Lohn abgezogen werden; der Arbeitgeber kann sie auch übernehmen. Die Berufsunfallprämie trägt der Arbeitgeber. Bei einem Pensumswechsel ist deshalb nicht nur die Lohnhöhe, sondern auch die Deckung zu prüfen.

Die gewöhnliche Krankenkassenprämie ist damit nicht bezahlt. Sie wird normalerweise separat an deine Krankenkasse überwiesen. Auch Franchise und Selbstbehalt verschwinden nicht durch einen NBU- oder KTG-Abzug. KTG betrifft die Absicherung eines Erwerbsausfalls bei Krankheit und ist nicht die Rechnung für deine medizinische Grundversicherung.

13. Monatslohn, Bonus und variable Monate

7’500 Franken bei dreizehn vertraglichen Monatslöhnen ergeben 97’500 Franken Jahresbrutto. Bei zwölf Auszahlungen wären es 90’000 Franken. Dieser Unterschied gehört bereits in den Vergleich zweier Stellenangebote. Teile nicht einfach den Dezember-Nettoeingang durch zwei und übertrage das Resultat auf alle Monate.

Ein zusätzlicher Monatslohn kann Sozialabzüge und Quellensteuerberechnung verändern. Bei einem Stellenwechsel oder einer Pensumsänderung kommt die anteilige Berechnung hinzu. Den Anspruch und mehrere Beispiele erklärt 13. Monatslohn: Anspruch und Pro-rata-Berechnung.

Bei Stundenlohn kontrollierst du Stundenanzahl, Ansatz und gesondert ausgewiesene Zuschläge. Bei unbezahltem Urlaub oder rückwirkenden Korrekturen muss der Abrechnungszeitraum klar sein. Eine niedrigere Auszahlung kann korrekt sein; sie muss sich aber aus den einzelnen Zeilen erklären lassen.

Die Lohnabrechnung systematisch prüfen

  1. Periode: Stimmt der Monat, und sind rückwirkende Korrekturen bezeichnet?
  2. Brutto: Stimmen Pensum, Stunden, Zulagen und vertragliche Sonderzahlungen?
  3. Bemessungsgrundlage: Auf welchen Betrag wird jeder Prozentsatz angewendet?
  4. Individuelle Abzüge: Stimmen PK, NBU und KTG mit den geltenden Unterlagen überein?
  5. Auszahlung: Lassen sich Spesen, Quellensteuer und Vorschüsse bis zum Bankeingang nachvollziehen?
  6. Jahresvergleich: Sind aussergewöhnliche Monate und Änderungen separat erklärt?

Bei hohem oder schwankendem Lohn kann die Begrenzung einzelner Versicherungsbeiträge zusätzliche Abstimmungen erfordern. Dass AHV und ALV nicht auf demselben Jahresbetrag enden, ist deshalb nicht automatisch ein Fehler. Frage nach der kumulierten Berechnungsbasis, statt für jede Versicherungsart denselben Höchstlohn anzunehmen.

So fragst du bei einer Abweichung nach

Guten Tag. Auf meiner Lohnabrechnung für [Monat] möchte ich die Position [Bezeichnung] nachvollziehen. Aus [Vertrag/Abrechnung] ergibt sich für mich die Basis [Betrag], verwendet wurde offenbar [Betrag]. Bitte erläutert mir Berechnungsgrundlage, Satz und einen allfälligen Korrekturzeitraum. Falls eine Berichtigung nötig ist, bitte ich um die aktualisierte Abrechnung.

Füge die betroffene Seite und deine kurze Rechnung bei. Eine konkrete Differenz lässt sich schneller prüfen als ein Vergleich mit dem Nettolohn einer anderen Person. Bewahre die Antwort zusammen mit der Abrechnung auf, insbesondere wenn die Korrektur erst im Folgemonat erscheint.

Was vom Nettolohn noch weggeht

Für dein Haushaltsbudget kommen zur Auszahlung noch Krankenkasse, Steuern ohne Quellenabzug, Miete, Versicherungen und unregelmässige Rechnungen. Reserviere diese Beträge, bevor du den Rest als frei verfügbar ansiehst. Eine hohe Auszahlung im Bonusmonat kann sonst ein falsches Bild deines gewöhnlichen finanziellen Spielraums erzeugen.

Der beste Kontrollwert ist daher nicht ein allgemeiner «Nettofaktor», sondern deine abgestimmte Jahresübersicht. Trage normale Monate, Sonderzahlungen und Korrekturen getrennt ein. So siehst du zugleich, ob eine einzelne Abrechnung stimmt und ob dein Budget auf einer belastbaren Grundlage steht.

Quellen und Berechnungsgrundlagen