Schweiz

Trockenheit: Bund plant 71,5 Millionen Franken zusätzliche Hilfe

Die historische Trockenheit setzt Wäldern und Bauernhöfen zu. Der Bundesrat plant 17,5 Millionen Franken mehr für den Wald und will zusätzlich 54 Millionen für zinslose Betriebshilfedarlehen in der Landwirtschaft bereitstellen.

Ausgetrocknete Wiesen und Wälder am Jura bei Küttigen im August 2026
Arkelin (Aktuelle Aufnahme aus dem Dürresommer 2026; lokales Motiv und nicht repräsentativ für jede Region.) · CC BY 4.0 · Lizenz

So wenig Niederschlag wie im Sommerhalbjahr 2026 wurde in der Schweiz bis Mitte August seit Messbeginn noch nie registriert. Der Bundesrat reagiert mit zusätzlichen Mitteln für Wald und Landwirtschaft. Für Waldmassnahmen sollen 2027 weitere 17,5 Millionen Franken beantragt werden. Landwirtschaftsbetriebe mit trockenheitsbedingten Liquiditätsproblemen sollen über einen um 54 Millionen Franken aufgestockten Fonds zinslose Darlehen erhalten können. Ein Teil der Hilfe ist noch vom Parlament abhängig, und weitere Massnahmen werden bis Ende Oktober geprüft.

Das Wichtigste

  • Der Bundesrat will den Waldkredit 2027 um 17,5 Millionen Franken erhöhen; das Parlament muss zustimmen.
  • Für zinslose Betriebshilfedarlehen an Landwirtschaftsbetriebe sind zusätzlich 54 Millionen Franken vorgesehen.
  • Besonders betroffen sind Wälder, Futterversorgung, Alpweiden, Kulturen und Gewässer.
  • Bundesstellen prüfen bis Ende Oktober weitere Schritte für Gesundheit, Landwirtschaft und Bevölkerungsschutz.

Wälder und Gewässer unter Druck

Die Trockenheit reicht weit über einzelne heisse Tage hinaus. Laut Bundesamt für Umwelt herrscht seit dem Frühling vor allem im Mittelland ein ausgeprägtes Niederschlagsdefizit, begleitet von überdurchschnittlichen Temperaturen. Mitte August war die Waldbrandgefahr fast landesweit hoch oder sehr hoch. Viele Flüsse auf der Alpennordseite führten aussergewöhnlich wenig Wasser.

An knapp einem Drittel der betrachteten Messstationen lagen die Abflüsse so tief, dass vergleichbare Werte statistisch höchstens etwa alle 30 Jahre auftreten. Auch mehrere Seen erreichten extrem niedrige Pegel. Kurze Gewitter können die Oberfläche vorübergehend entlasten, beheben aber kein monatelanges Defizit. Dafür wäre gemäss BAFU länger anhaltender, grossflächiger Niederschlag nötig.

Für Wälder bedeutet die Kombination aus Hitze und Wassermangel zusätzlichen Stress. Geschwächte Bäume sind anfälliger für Schäden, und in trockenen Beständen steigt das Brandrisiko. Der Bundesrat will deshalb im Voranschlag 2027 beim Waldkredit 17,5 Millionen Franken zusätzlich beantragen. Ab 2028 soll das Umweltdepartement ermächtigt werden, bei anhaltendem Bedarf jährlich einen entsprechenden Zusatzkredit vorzusehen. Die Ausgabe für 2027 ist damit politisch angekündigt, aber noch nicht parlamentarisch bewilligt.

Zinslose Darlehen für Bauernhöfe

In der Landwirtschaft führt die Trockenheit zu Futterknappheit, tieferen Erträgen und Problemen auf Alpen. Betriebe können dadurch kurzfristig in Liquiditätsschwierigkeiten geraten, obwohl ihre wirtschaftliche Grundlage grundsätzlich intakt ist. Der Bund will die verfügbaren Mittel für zinslose Betriebshilfedarlehen einmalig um 54 Millionen Franken erhöhen.

Ein Darlehen ist keine pauschale Entschädigung. Es muss beantragt werden und dient dazu, einen finanziellen Engpass zu überbrücken. Die konkrete Prüfung erfolgt im bestehenden Vollzug. Das Instrument richtet sich damit an Betriebe, die wegen der Dürre Rechnungen oder notwendige Betriebsausgaben nicht rechtzeitig aus eigenen Mitteln decken können.

Weitere Entlastungen sind bereits in Kraft. Das Bundesamt für Landwirtschaft hält fest, dass Direktzahlungen trotz bestimmter trockenheitsbedingt nicht erfüllbarer Anforderungen vollständig ausgerichtet werden können. Kantone dürfen Zahlungen vorziehen. Für Heu wurden die Importzölle per 1. August aufgehoben, und für Futtermais gelten vom 15. August bis Ende Oktober reduzierte Grenzabgaben. Biobetriebe dürfen seit dem 24. August unter Bedingungen bis zu 20 Prozent konventionelles Futter zukaufen.

Weitere Entscheide folgen im Herbst

Die Soforthilfe löst die strukturellen Fragen nicht. UVEK, WBF, EDI und VBS sollen bis Ende Oktober weitere Massnahmen prüfen. Dazu gehören landesweite Hitzekarten, ein Worst-Case-Szenario, gesundheitliche Vorkehrungen und Verbesserungen bei der Dürreplattform. Für die Landwirtschaft ist ein runder Tisch vorgesehen. Im Herbst will der Bund die Lage insgesamt neu beurteilen.

Für Kantone und Gemeinden bleibt die Situation regional sehr unterschiedlich. Einschränkungen bei Wasserentnahmen, Feuerverboten oder der Nutzung von Waldwegen können lokal angeordnet werden. Bevölkerung und Betriebe sollten deshalb neben den Informationen des Bundes auch die Mitteilungen ihres Kantons und ihrer Gemeinde beachten.

Die angekündigten 71,5 Millionen Franken setzen sich aus zwei verschiedenen Instrumenten zusammen: 17,5 Millionen für den Waldkredit und 54 Millionen für den Fonds der Betriebshilfe. Sie dürfen nicht als ein einziger frei verfügbarer Katastrophentopf verstanden werden. Beim Waldkredit steht zudem der parlamentarische Entscheid aus.

Für Privatpersonen folgt aus dem Bundesratsentscheid keine automatische Auszahlung. Die 54 Millionen richten sich über bestehende Betriebshilfeinstrumente an Landwirtschaftsbetriebe; die Waldmittel finanzieren Massnahmen im jeweiligen Vollzug. Betroffene müssen deshalb die zuständige kantonale Stelle und die konkreten Voraussetzungen prüfen.

Der Sommer 2026 zeigt, wie schnell sich Trockenheit gleichzeitig auf Natur, Ernährung, Gesundheit und Infrastruktur auswirkt. Ob die beschlossenen und geplanten Hilfen ausreichen, hängt vom weiteren Wetter, dem Schadensausmass und der Umsetzung in den Kantonen ab. Dieser Stand entspricht den Mitteilungen von Bund und Fachämtern bis zum 27. August 2026.

Quellen