Vier Milliarden Überschuss – trotzdem steigen die Staatsschulden
Bund, Kantone, Gemeinden und Sozialversicherungen dürften 2025 zusammen rund vier Milliarden Franken Überschuss erzielt haben. Gleichzeitig stieg die Bruttoschuld voraussichtlich auf 353,2 Milliarden Franken. Das ist kein automatischer Widerspruch.

Die öffentlichen Haushalte der Schweiz schliessen das Jahr 2025 voraussichtlich mit schwarzen Zahlen ab. Laut der am 27. August veröffentlichten Finanzstatistik der Eidgenössischen Finanzverwaltung (EFV) beträgt der Finanzierungsüberschuss des Gesamtstaats rund vier Milliarden Franken. Trotzdem dürfte die Bruttoschuld nach der Definition des Internationalen Währungsfonds um 5,4 Milliarden auf 353,2 Milliarden Franken gestiegen sein. Um die beiden Zahlen richtig zu verstehen, muss man zwischen einem Ergebnis innerhalb eines Jahres und dem gesamten Schuldenbestand unterscheiden.
Das Wichtigste
- Der Gesamtstaat dürfte 2025 einen Finanzierungsüberschuss von rund vier Milliarden Franken erzielt haben.
- Die Bruttoschuld nach IWF-Definition stieg voraussichtlich um 5,4 Milliarden auf 353,2 Milliarden Franken.
- Die Schuldenquote liegt gemäss EFV bei 40,7 Prozent des Bruttoinlandprodukts.
- Die Angaben für 2025 sind noch nicht in allen Teilen definitiv und können revidiert werden.
Was der Überschuss umfasst
Die Finanzstatistik betrachtet nicht nur den Bundeshaushalt. Zum Gesamtstaat gehören Bund, Kantone, Gemeinden und öffentliche Sozialversicherungen. Werden deren Einnahmen und Ausgaben nach der verwendeten Statistikmethode zusammengeführt, ergibt sich für 2025 voraussichtlich ein Finanzierungsüberschuss von rund vier Milliarden Franken. Das heisst vereinfacht: Über das betrachtete Jahr lagen die erfassten Einnahmen über den Ausgaben.
Die Zahl ist eine aktualisierte Schätzung. Im März hatte die EFV für 2025 noch einen Überschuss von 5,1 Milliarden Franken erwartet. Die neue Zahl liegt damit rund 1,1 Milliarden tiefer. Aus der kurzen Mitteilung vom August lässt sich jedoch nicht ableiten, welcher einzelne Faktor die Revision verursacht hat. Eine Veränderung der Schätzung ist bei nachlaufenden Daten von Kantonen, Gemeinden und Sozialversicherungen nicht ungewöhnlich.
Für das Verständnis ist zudem wichtig, welche Darstellung verwendet wird. Die EFV führt eine nationale Finanzstatistik nach dem harmonisierten Rechnungslegungsmodell und eine internationale Darstellung nach den Regeln des Internationalen Währungsfonds. Je nach Fragestellung unterscheiden sich Abgrenzung, Bewertung und Vergleichbarkeit.
Warum Schulden trotz Überschuss steigen können
Ein Jahresüberschuss und ein höherer Bruttoschuldenstand schliessen sich nicht aus. Der Überschuss ist eine Stromgrösse: Er misst Einnahmen und Ausgaben während einer Periode. Die Bruttoschuld ist eine Bestandsgrösse zu einem Stichtag. Sie umfasst nach IWF-Definition einen breiten Kreis finanzieller Verpflichtungen und wird teilweise zu Marktwerten bewertet.
Der Schuldenstand kann sich deshalb auch durch Transaktionen oder Bewertungen verändern, die nicht eins zu eins im Finanzierungsergebnis erscheinen. Ebenso kann eine staatliche Einheit Mittel aufnehmen und gleichzeitig liquide Vermögenswerte halten. Die EFV-Mitteilung nennt für den konkreten Anstieg von 5,4 Milliarden keine vollständige Ursachenzerlegung. Es wäre daher zu weitgehend, ihn allein einer bestimmten Ausgabe oder Staatsebene zuzuschreiben.
Die erwarteten 353,2 Milliarden Franken entsprechen 40,7 Prozent des Bruttoinlandprodukts. Diese Quote setzt den Schuldenbestand ins Verhältnis zur Wirtschaftsleistung und erleichtert Vergleiche über die Zeit. Auch sie kann sich aus zwei Richtungen verändern: durch den Schuldenstand im Zähler oder durch das nominale Bruttoinlandprodukt im Nenner.
Was die Zahlen für die Finanzpolitik bedeuten
Ein Überschuss verschafft dem Staat grundsätzlich Spielraum. Er bedeutet aber nicht automatisch, dass alle Haushalte gut dastehen. Bund, Kantone, Gemeinden und Sozialversicherungen können sehr unterschiedliche Ergebnisse ausweisen. Ein positiver Gesamtwert kann Defizite einzelner Ebenen verdecken, wenn andere Ebenen höhere Überschüsse erzielen.
Für politische Entscheide sind deshalb die Detailtabellen wichtiger als die Schlagzeile. Sie zeigen, wo Einnahmen wachsen, welche Ausgaben zunehmen und wie sich Investitionen entwickeln. Aus einem einzelnen Jahr lässt sich zudem kein dauerhafter Trend ableiten. Konjunktur, Steuereinnahmen, Ausschüttungen und ausserordentliche Ausgaben können das Ergebnis stark beeinflussen.
Die EFV aktualisiert ihre Finanzstatistik regelmässig. Gemäss ihrer Methodendokumentation werden im Frühling provisorische und im Sommer definitive Daten veröffentlicht, wobei jüngere Jahre zunächst auf Schätzungen beruhen können. Die Werte für 2025 sollten deshalb als derzeit bestmöglicher Stand gelesen werden, nicht als unveränderliche Schlussabrechnung.
Auch ein internationaler Vergleich erfordert dieselbe Definition. Die IWF-Bruttoschuld ist nicht identisch mit anderen in der Schweiz verwendeten Schuldenkennzahlen. Wer Werte aus verschiedenen Publikationen vergleicht, muss daher prüfen, ob dieselben Staatseinheiten, Bewertungsregeln und Zeitpunkte enthalten sind. Sonst entsteht ein scheinbarer Unterschied, der lediglich aus der Methode stammt.
Unterm Strich lautet die Botschaft: Die öffentlichen Haushalte erzielten 2025 voraussichtlich einen Überschuss, während die breiter definierte Bruttoschuld zunahm. Beide Aussagen können gleichzeitig korrekt sein. Für eine Bewertung der langfristigen Tragfähigkeit braucht es mehrere Jahre, die Verteilung auf die Staatsebenen und den Blick auf Vermögen, Zinsen und künftige Verpflichtungen.