Konsum

Ricardo-Gebühren: Was dir nach einem Verkauf wirklich bleibt

Wie viel bleibt von CHF 100, 250 oder 4’000 Verkaufspreis? Mit datierten Gebühren, drei Rechnungen und dem entscheidenden Detail zur Obergrenze.

Flache 2D-Illustration mit Paket, Rechner und Münzen zur Berechnung der Ricardo-Gebühren.

Ricardo verrechnet beim Verkauf je nach Produkttyp 8 bis 12 Prozent Erfolgsprovision, mindestens CHF 0.10 und höchstens CHF 290. Für deinen tatsächlichen Erlös zählen zusätzlich Rabatte, allfällige Boosts, Porto und Verpackung. «Verkaufspreis minus zehn Prozent» ist deshalb keine zuverlässige Universalrechnung.

Diese Übersicht wurde am 15. September 2026 anhand der Ricardo-Hilfe geprüft. Massgebend für dein konkretes Angebot bleibt die vor dem Veröffentlichen im Einstellformular ausgewiesene Provision. Gebühren können sich ändern; speichere die Anzeige für dein Inserat zusammen mit den übrigen Verkaufsunterlagen.

Welche Gebühren gibt es?

KostenartStand 15. September 2026
Gewöhnliches Inserat erstellenIn der Regel kostenlos. Fahrzeugangebote bilden eine wichtige Ausnahme.
ErfolgsprovisionProdukttypabhängig 8–12 Prozent; Mindestbetrag CHF 0.10, Obergrenze CHF 290.
Fahrzeuginserat ab CHF 3’000Für die erfassten Fahrzeugtypen fällt eine Einstellgebühr an; bei erfolgreichem Verkauf über Ricardo wird sie zurückerstattet.
Optionaler BoostZusätzliche kostenpflichtige Werbung. Preis im Verkaufsformular; grundsätzlich auch ohne Verkauf geschuldet.
Versand und VerpackungEigene Abwicklungskosten. Vereinbarte Versandvergütung und tatsächliche Ausgaben getrennt verbuchen.

Warum der Produkttyp wichtiger ist als eine Faustregel

In Ricardos detaillierter Liste stehen beispielsweise Katzenbaum und Käfig mit 8 Prozent, Jukebox mit 10 Prozent sowie Jacke, Kaffeemaschine und Kamera mit 12 Prozent. Die Bandbreite bedeutet also nicht, dass du den Satz frei wählen kannst. Deklariere den Gegenstand korrekt und kontrolliere die Einordnung im Formular.

Bei einem ungewöhnlichen Artikel lohnt es sich, die Zuordnung vor dem Start zu klären. Der Titel allein muss nicht eindeutig sein: Ein Zubehörteil kann einem anderen Produkttyp zugeordnet sein als das Hauptgerät. Ein alter Artikel aus einem Forum oder eine Gebührenrechnung eines Bekannten ersetzt die aktuelle Anzeige deines eigenen Angebots nicht.

Fiktiver Vergleich bei CHF 500 Verkaufspreis: Ohne Rabatt wären 8 Prozent CHF 40, 10 Prozent CHF 50 und 12 Prozent CHF 60. Der Unterschied zwischen den beiden Enden beträgt CHF 20. Das ist relevant für deine Kalkulation, aber kein Grund, einen falschen Produkttyp anzugeben.

So berechnest du deinen Nettoerlös

Verkaufspreis + erhaltene Versandvergütung − Erfolgsprovision − Boosts − tatsächliches Porto − Verpackung = Erlös nach Verkaufskosten.

Dieser Erlös ist noch kein Gewinn. Wenn du wissen willst, ob ein gewerblicher Weiterverkauf rentabel ist, fehlen unter anderem Einkaufspreis und weitere Geschäftskosten. Für einen privaten Verkauf aus deinem Haushalt beantwortet die Formel dagegen die praktische Frage: Wie viel bleibt nach der Abwicklung von der Zahlung übrig?

Die folgenden drei Fälle sind eigene Rechenbeispiele mit frei gewählten Verkaufspreisen und Versandkosten. Sie sind weder aktuelle Inserate noch Portotarife. Es wird kein Boost gebucht. Rabatte werden nur dort berücksichtigt, wo sie ausdrücklich genannt sind.

Beispiel 1: Jacke für CHF 100 ohne Rabatt

Eine Jacke wird für CHF 100 verkauft. Der Satz beträgt im Beispiel 12 Prozent. Die kaufende Person bezahlt zusätzlich CHF 8.50 für den Versand. Dein tatsächliches Porto beträgt ebenfalls CHF 8.50, die Verpackung CHF 1.50.

  • Erfolgsprovision: CHF 100 × 12 % = CHF 12.
  • Eingang einschliesslich Versand: CHF 108.50.
  • Erlös: CHF 108.50 − CHF 12 − CHF 8.50 − CHF 1.50 = CHF 86.50.

Das Porto ist in diesem Fall kostenneutral, die Verpackung nicht. Wer nur die CHF 100 und die Provision betrachtet, überschätzt den verbleibenden Betrag um CHF 1.50. Mehrere kleine Verkäufe machen solche Abwicklungskosten schnell spürbar.

Beispiel 2: Katzenbaum für CHF 250 mit Abholung

Ein Katzenbaum erzielt CHF 250 und wird abgeholt. Der zugrunde gelegte Produkttyp hat 8 Prozent Provision. Es handelt sich um eine Auktion mit Startgebot CHF 1; angenommen wird nur der dafür geltende Rabatt von 10 Prozent auf die Provision.

  • Grundprovision: CHF 250 × 8 % = CHF 20.
  • Rabatt: CHF 20 × 10 % = CHF 2.
  • Endgültige Provision: CHF 18.
  • Erlös ohne weitere Abwicklungskosten: CHF 250 − CHF 18 = CHF 232.

Die zehn Prozent Rabatt beziehen sich auf CHF 20 Gebühren, nicht auf den Verkaufspreis von CHF 250. Deine Ersparnis beträgt CHF 2 und nicht CHF 25. Ein Startpreis von einem Franken kann allerdings auch zu einem tiefen Zuschlag führen. Setze ihn nur, wenn du das Auktionsrisiko akzeptierst – nicht allein wegen eines kleinen Gebührenrabatts.

Beispiel 3: Kamera für CHF 4’000 und die Obergrenze

Eine Kamera wird für CHF 4’000 zur Abholung verkauft. Bei 12 Prozent ergibt sich zunächst eine Provision von CHF 480. Angenommen, ein qualifizierender Rabatt von 10 Prozent gilt:

  • Grundprovision: CHF 4’000 × 12 % = CHF 480.
  • Nach Rabatt: CHF 480 − CHF 48 = CHF 432.
  • Anwendung der Obergrenze: CHF 290.
  • Erlös ohne weitere Kosten: CHF 4’000 − CHF 290 = CHF 3’710.

Du darfst nicht zuerst auf CHF 290 begrenzen und danach zehn Prozent abziehen. Ricardo wendet Rabatte vor Mindestbetrag und Obergrenze an. In diesem Beispiel verändert der Rabatt die effektive Gebühr daher nicht: Sie bleibt bei CHF 290.

Welche Rabatte solltest du kontrollieren?

Seit 1. April 2026 nennt Ricardo unter anderem je zehn Prozent Rabatt für eine Auktion ab höchstens CHF 1, für einen Kauf mit Käuferschutz+ bei aktiviertem Ricardo Plus sowie für jeden fünften Verkauf. Es zählt nicht allein die Aktivierung von Ricardo Plus; die betreffende Kaufabwicklung muss die Bedingungen erfüllen.

Mehrere qualifizierende Rabatte können zusammenkommen. Der Rabatt für jeden fünften Verkauf ist allerdings nicht mit dem besonderen Rabatt für hohes Verkaufsvolumen kombinierbar. Aktionen können weitere Bedingungen haben. Prüfe deshalb die ausgewiesene Endgebühr und rechne nicht mit Rabatten, die dein konkreter Verkauf noch gar nicht erfüllt.

Boosts: Auch ein unverkaufter Artikel kann Geld kosten

Ein Boost ist Werbung, keine Erfolgsprovision. Er wird grundsätzlich mit Veröffentlichung des Angebots fällig und gilt für die betreffende Angebotsdauer. Bei Reaktivierung kann er erneut berechnet werden, wenn er nicht entfernt wurde; das betrifft auch automatische Reaktivierungen. Ein ausbleibender Verkauf führt nicht automatisch zu einer Erstattung.

Für deine Entscheidung hilft eine einfache eigene Zusatzrechnung: Würde ein optionales Werbepaket in deinem Formular CHF 9 kosten, müsste es den erzielten Preis bei einer Provision von 12 Prozent um mehr als rund CHF 10.23 erhöhen, um sich allein über den Mehrerlös zu tragen – CHF 9 ÷ 0.88. Das ist keine Aussage darüber, ob Werbung diesen Effekt erzielt. Es zeigt nur, dass zusätzliche Gebühren aus zusätzlichem Erlös bezahlt werden müssen.

Sonderfall Fahrzeuge

Seit 12. Januar 2026 gilt für bestimmte Fahrzeugangebote eine rückerstattbare Einstellgebühr. Die veröffentlichte Tabelle beginnt bei CHF 3’000 Angebotspreis mit CHF 24.90; danach folgen je nach Preisstufe CHF 34.90, CHF 45.90 und CHF 55.90. Bei einer Auktion mit Sofortkaufoption ist laut Ricardo der Startpreis relevant.

Wird das Fahrzeug erfolgreich auf Ricardo verkauft, wird diese Gebühr grundsätzlich vollständig zurückvergütet; die Erfolgsprovision bleibt separat bestehen. Ein Verkauf auf einer anderen Plattform löst diese Rückerstattung nicht aus. Für bestimmte lange erfolglose Inserate gibt es eine an Bedingungen geknüpfte Ausnahme. Lies deshalb die Fahrzeugregel, statt «Inserieren kostenlos» pauschal auf ein Auto zu übertragen.

Vor dem Veröffentlichen und nach dem Verkauf

  1. Produkttyp korrekt wählen und angezeigten Provisionssatz sichern.
  2. Prüfen, ob ein Boost ausgewählt ist und bei Reaktivierung erneut anfällt.
  3. Verpackung und Versand realistisch kalkulieren und sauber vereinbaren.
  4. Startpreis so wählen, dass du einen entsprechenden Zuschlag tragen kannst.
  5. Nach dem Verkauf Provision, Rabatte und Zahlung mit der Rechnung abgleichen.
  6. Bei gescheiterter Abwicklung das offizielle Verfahren zur Gebührenstornierung nutzen; eine ausbleibende Zahlung löscht die Rechnung nicht von selbst.

Am einfachsten führst du eine kleine Verkaufsübersicht mit fünf Spalten: Artikel, Verkaufspreis, Gebühren, Abwicklungskosten und verbleibender Betrag. So erkennst du nicht nur, was ein einzelner Verkauf bringt, sondern auch, welche günstigen Artikel du besser gemeinsam abgibst oder abholen lässt.

Quellen und Gebührenstand

Geprüft am 15. September 2026. Berechnungen: eigene Beispiele auf Basis der genannten Tarife. Verbindlich ist die für dein Angebot ausgewiesene Gebühr.