Rechtsextremes Treffen in der Waadt: Was die RTS-Recherche zeigt
Ein Treffen im Juli erhält durch veröffentlichte Videos neue Aufmerksamkeit. Berichtete Vorwürfe, Behördenreaktionen und rechtliche Prüfung getrennt erklärt.

Eine Recherche von RTS, die SRF nun auf Deutsch aufgreift, beschäftigt sich mit einem rechtsextremen Treffen in der Waadt. Die Veranstaltung fand nach dem Bericht bereits Mitte Juli statt. Neu im Fokus stehen veröffentlichte Aufnahmen und die Reaktionen darauf.
Eingeladen hatte die Gruppierung «Résistance helvétique». Zu den Rednern gehörten französische Rechtsextreme, darunter Vincent Reynouard und Jérôme Bourbon. SRF beschreibt offen antisemitische Aussagen.
Der Zeitpunkt ist Teil der Einordnung
Die lokale Behörde verhinderte laut Recherche zunächst die Nutzung eines vorgesehenen Saals in La Chaux. Das Treffen fand anschliessend an einem anderen Ort bei Saint-Cierges statt. Videos der Beiträge wurden später online verbreitet.
Veranstaltung, Veröffentlichung und journalistische Berichterstattung sind damit unterschiedliche Ereignisse. Wer sie zu einem einzigen «heutigen Treffen» zusammenzieht, würde die Chronologie verfälschen.
Was die Behörden dazu sagen
Nach Angaben im SRF-Bericht hat die Eidgenössische Kommission gegen Rassismus die Videos auf Anfrage von RTS beurteilt. Sie sieht bei bestimmten Aussagen möglichen Prüfbedarf unter der Rassismusstrafnorm. Die Waadtländer Staatsanwaltschaft hatte dem Bericht zufolge bislang kein Verfahren wegen dieses Treffens eröffnet.
Eine fachliche Einschätzung zu möglichen Straftatbeständen ist kein Urteil. Ebenso bedeutet das Fehlen eines eröffneten Verfahrens nicht automatisch, dass jede Äusserung rechtmässig war. Diese beiden Grenzen sollten in der öffentlichen Debatte erhalten bleiben.
Warum Reichweite nicht mit Zustimmung gleichzusetzen ist
Der Bericht nennt eine erhöhte Aufmerksamkeit für veröffentlichte Redebeiträge. Aufrufzahlen können zeigen, dass Inhalte verbreitet werden. Sie sagen jedoch nicht, wie viele Menschen ihnen zustimmen oder weshalb sie angeklickt wurden.
Für die Bewertung solcher Netzwerke sind deshalb neben Reichweite auch Organisation, Kontakte und konkrete Aktivitäten relevant. Eine hohe Zahl allein ersetzt diese Analyse nicht.
Berichten, ohne Propaganda zu vervielfachen
Journalistische Aufklärung kann über Akteure, Ablauf und behördliche Reaktionen informieren, ohne menschenfeindliche Parolen erneut als aufmerksamkeitsstarke Zitate auszuspielen. Entscheidend ist die überprüfbare Beschreibung des Geschehens.
Offen bleibt, ob die zuständigen Behörden aus den veröffentlichten Aufnahmen weitere Schritte ableiten. Massgeblich wären dafür konkrete Ermittlungen und Entscheide, nicht allein die öffentliche Empörung über das Treffen.
Quellen und Stand
Recherchestand: 16. September 2026. Zahlen und Verfahrensstände beziehen sich auf die jeweils genannten Erhebungs- und Meldedaten.