Pensionierung: Warum Zuversicht eine Budgetrechnung nicht ersetzt
Eine neue Befragung zeigt Optimismus und finanzielle Zweifel zugleich. So lässt sich die persönliche Einkommenslücke konkreter einordnen.

Die Schweizer Bevölkerung blickt laut einer neuen Befragung grundsätzlich positiv auf die Pensionierung. Gleichzeitig bestehen Zweifel daran, ob das Geld für den gewohnten Lebensstandard reichen wird. Moneycab berichtet über den «Ruhestandsmonitor 2026» von BNP Paribas Asset Management Alts.
Die Befragten erwarten demnach im Durchschnitt, dass ihre Altersvorsorge 58 Prozent des letzten Einkommens abdecken werde. Das ist eine Einschätzung der Teilnehmenden. Es handelt sich weder um eine garantierte Ersatzquote noch um eine persönliche Rentenberechnung.
Warum Einkommen und Ausgaben getrennt werden müssen
Eine Prozentzahl des früheren Lohns sagt noch nicht, ob ein Haushalt gut auskommt. Nach der Pensionierung können sich Ausgaben verändern, etwa für den Arbeitsweg. Andere bleiben bestehen oder entwickeln sich anders als erwartet.
Sinnvoller ist deshalb eine Rechnung in Franken: Welche regelmässigen Einnahmen sind voraussichtlich verfügbar? Welche laufenden Ausgaben bleiben? Welche grösseren einmaligen Kosten stehen bevor? Erst die Differenz zeigt, ob und in welchem Umfang zusätzliches Vermögen benötigt wird.
Ein einfaches Beispiel für die Lücke
Angenommen, ein Haushalt plant mit monatlichen Ausgaben von 5000 Franken und regelmässigen Einnahmen von 4200 Franken. Die rechnerische Differenz beträgt 800 Franken pro Monat beziehungsweise 9600 Franken im Jahr.
Das ist nur ein Budgetbeispiel. Steuern, Preisveränderungen, Schwankungen von Anlagen und unregelmässige Ausgaben sind darin noch nicht gelöst. Gerade deshalb sollte man die Lücke nicht bloss mit einer optimistischen Renditeannahme schliessen. Zuerst muss klar sein, welche Beträge verlässlich und welche unsicher sind.
Weniger ausgeben ist eine konkrete Entscheidung
Die Studie berichtet von Sparabsichten bei verschiedenen Konsumbereichen und vom Gedanken, im Alter ins Ausland zu ziehen. Solche Absichten sollten im persönlichen Budget überprüfbar werden: Welche Ausgabe entfällt wirklich, ab wann und mit welchen Gegenkosten?
Ein Umzug verändert beispielsweise mehr als die Wohnkosten. Er betrifft auch Alltag, Nähe zu Angehörigen und die Organisation der Versorgung. Eine pauschale Annahme, dass ein anderes Land automatisch alle finanziellen Fragen löst, reicht deshalb nicht.
Die nützlichste nächste Handlung
Stelle aktuelle Vorsorgeunterlagen und tatsächliche Haushaltsausgaben nebeneinander. Rechne zusätzlich eine ungünstigere Variante mit höheren Ausgaben oder geringerem verfügbarem Kapital. So zeigt sich, welche Entscheidungen besonders empfindlich auf Annahmen reagieren.
Die Befragung liefert einen Anlass für diese Arbeit, aber keine individuelle Antwort. Zuversicht ist dann belastbarer, wenn man weiss, welche Einnahmen sie tragen und welche Risiken noch offen sind.
Quellen und Stand
Recherchestand: 16. September 2026. Zahlen und Verfahrensstände beziehen sich auf die jeweils genannten Erhebungs- und Meldedaten.