Alltag

Notvorrat, Stromausfall und Schutzraum: Was Haushalte in der Schweiz brauchen

Neun Liter Wasser pro Person, Essen für rund eine Woche und ein funktionierender Notfallplan: So bereiten sich Haushalte ohne Panik auf Versorgungsstörungen vor.

Historisches US-Zivilschutzpaket mit Hygieneartikeln
Joe Mabel / Wikimedia Commons · CC BY 4.0; Ausschnitt und WebP-Konvertierung · Lizenz

Stromausfall, Strommangellage und Schutzraumalarm sind verschiedene Ereignisse. Dieser Schweizer Haushaltsplan erklärt Mindestvorrat, sichere Beleuchtung und Kochregeln, Informationskanäle, Schutzraumzuweisung und die regelmässige Rotation der Vorräte.

Ein Stromausfall, eine unterbrochene Versorgung und ein Schutzraumalarm sind drei verschiedene Situationen. Sie verlangen nicht dieselbe Reaktion. Der Schweizer Notvorrat soll einen Haushalt für eine vorübergehende Störung handlungsfähig machen; er ist kein Signal, bei jeder Warnung in den Schutzraum zu gehen. Wer Wasser, Lebensmittel, Licht, Radio und Medikamente geordnet bereithält, gewinnt im Ereignis vor allem eines: Zeit.

Die Bundesstellen empfehlen neun Liter Wasser pro Person als Mindestvorrat für drei Tage und Lebensmittel für ungefähr eine Woche. Der Vorrat wird an Haushalt, Gesundheit, Babys und Haustiere angepasst. Er muss weder teuer noch exotisch sein: Am zuverlässigsten sind Produkte, die ohnehin gegessen und laufend ersetzt werden.

Die Grundmenge für einen Haushalt

HaushaltTrinkwasser-MindestvorratLebensmittelZusätzlich individuell
1 Person9 LiterRund 7 TageMedikamente, Hygiene, Bargeld
2 Personen18 LiterRund 14 Personen-TageBedarf beider Personen
4 Personen36 LiterRund 28 Personen-TageKinder-, Pflege- und Tierbedarf

Neun Liter entsprechen drei Litern pro Person und Tag für Trinken und eine begrenzte Essenszubereitung. Bei Hitze, Krankheit, Schwangerschaft oder hohem körperlichem Bedarf reicht das möglicherweise nicht. Wasser für Körperpflege und Toilettenspülung kommt noch hinzu, soweit Platz und Situation es erlauben. Trinkwasser wird kühl, dunkel und in geeigneten, verschlossenen Behältern gelagert; Herstellerangaben zum Wechsel sind zu beachten.

Der Lebensmittelvorrat sollte ohne Kühlung haltbar und mit wenig Wasser zubereitbar sein. Geeignet sind beispielsweise Reis oder Teigwaren nur dann, wenn auch Kochmöglichkeit und Wasser vorhanden sind. Praktischer für die ersten Stunden sind verzehrfertige Konserven, Knäckebrot, Nüsse, haltbare Milch, Aufstriche und Produkte für spezielle Ernährungsbedürfnisse. Ein manueller Dosenöffner gehört dazu.

Was neben Essen und Wasser oft fehlt

  • persönliche Medikamente und eine aktuelle Medikamentenliste;
  • Taschenlampen oder Stirnlampen samt Ersatzbatterien;
  • batterie- oder kurbelbetriebenes Radio;
  • geladene Powerbanks und passende Kabel;
  • Hygieneartikel, Abfallsäcke, Toilettenpapier und Desinfektionsmittel;
  • kleine Bargeldreserve in brauchbaren Stückelungen;
  • Futter, Wasser, Medikamente und Transportmöglichkeit für Haustiere;
  • Kopien wichtiger Kontakte und der persönliche Alertswiss-Notfallplan.

Bargeld kann bei ausgefallenen Zahlungsterminals helfen, garantiert aber nicht, dass Geschäfte geöffnet sind. Powerbanks verlängern die Erreichbarkeit, ersetzen jedoch kein Informationskonzept. Ein UKW/DAB-Radio mit Batterien kann wichtig werden, wenn Internet und Mobilfunk überlastet sind. Prüfen Sie einmal pro Halbjahr, ob Batterien, Radio und Leuchten tatsächlich funktionieren.

Stromausfall: die ersten 15 Minuten

Zuerst feststellen, ob nur die eigene Wohnung betroffen ist. Sicherungen prüfen, ohne an beschädigten Anlagen zu arbeiten. Ist die Umgebung dunkel, empfindliche Geräte ausschalten oder ausstecken. Lassen Sie eine Lampe eingeschaltet, damit die Rückkehr des Stroms erkennbar wird. Kühlschrank und Gefrierschrank bleiben geschlossen; jede Öffnung verkürzt die Kältehaltung.

Informieren Sie sich über Alertswiss, Radio sowie Mitteilungen von Gemeinde und Netzbetreiber. Mobilfunknetze sparsam nutzen: kurze Textnachrichten benötigen häufig weniger Kapazität als lange Gespräche oder Videos. Prüfen Sie, ob Nachbarinnen, ältere Menschen oder Personen mit elektrisch betriebenen medizinischen Hilfsmitteln Unterstützung benötigen, ohne sich selbst zu gefährden.

Kerzen erhöhen das Brandrisiko. Batterieleuchten sind vorzuziehen. Campingkocher, Grills, Generatoren und andere Verbrennungsgeräte dürfen nicht in Wohnung, Keller, Garage oder geschlossenen Räumen betrieben werden: Kohlenmonoxid ist unsichtbar und lebensgefährlich. Ein Generator steht nur gemäss Herstellerangaben im Freien und mit sicherem Abstand zu Öffnungen.

Wenn der Strom zurückkommt

Alertswiss empfiehlt, ausgeschaltete Geräte nicht alle gleichzeitig wieder einzuschalten. Nehmen Sie sie schrittweise in Betrieb, damit das Netz und die Hausinstallation nicht unnötig belastet werden. Kontrollieren Sie Herd, Bügeleisen und andere Wärmegeräte besonders sorgfältig. Prüfen Sie Uhren, Router, Heizung und medizinische Geräte.

Bei gekühlten Lebensmitteln entscheidet nicht der Geruch allein. Dauer, Temperatur und Produktart sind relevant. Im Zweifel gelten die Hinweise der Lebensmittelbehörden; empfindliche Produkte werden entsorgt, wenn eine sichere Kühlung nicht gewährleistet war. Notieren Sie bei einem längeren Ausfall Beginn und geschätztes Ende, damit die Beurteilung nicht vom Gedächtnis abhängt.

Strommangellage ist nicht dasselbe wie ein Blackout

Eine Strommangellage bedeutet, dass über längere Zeit zu wenig Energie verfügbar ist. Der Bund kann in Stufen zu Sparappellen, Einschränkungen oder zeitweisen Netzabschaltungen greifen. Ein Blackout ist ein ungeplanter, grossflächiger Netzausfall. Für Haushalte überschneiden sich einige Vorbereitungen, doch offizielle Informationen und zeitlicher Horizont unterscheiden sich.

Bei angekündigten Abschaltungen werden Geräte rechtzeitig geladen, Aufzüge gemieden und notwendige medizinische Versorgung mit Fachstellen geplant. Wer auf Heimbeatmung, Kühlmedikamente oder elektrische Mobilitätshilfen angewiesen ist, braucht vor dem Ereignis einen individuellen Notfallplan mit Leistungserbringer, Arzt und Stromversorger. Ein allgemeiner Notvorrat ersetzt diese Planung nicht.

Schutzraum: erst auf behördliche Anweisung

Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz erklärt, dass Schutzräume der Bevölkerung im Bedarfsfall zugewiesen werden. Die Behörden informieren, wenn die sicherheitspolitische Lage dies erfordert. Man muss nicht bei jedem Stromausfall den nächstgelegenen Schutzraum suchen. Die Gemeinde oder der Kanton ist die richtige Stelle für Fragen zur Zuweisung.

Schutzräume werden im Ereignisfall bereitgestellt. Das BABS nennt dafür eine Frist von fünf Tagen, wenn es die Lage erfordert. Private Schutzräume können im Alltag anderweitig genutzt werden, müssen aber entsprechend den Vorschriften räumbar bleiben. Eine vermeintlich offene Tür oder ein Schutzraumsymbol ist keine Einladung, ohne Anweisung einzutreten.

Bei einem allgemeinen Alarm gelten die Verhaltensanweisungen von Alertswiss und Radio. Der persönliche Notfallplan sollte deshalb Treffpunkte, Kontaktpersonen, Medikamente, Dokumente und Aufgaben enthalten. Familien legen fest, wer Kinder abholt, wer Tiere versorgt und wie man sich verständigt, falls das Mobilfunknetz ausfällt.

Vorrat rotieren statt vergessen

Ein Notlager funktioniert, wenn es Teil des normalen Haushalts ist. Schreiben Sie Monat und Jahr auf Wasser, Batterien und Medikamente. Stellen Sie neu gekaufte Produkte nach hinten und verbrauchen Sie ältere zuerst. Zweimal jährlich wird inventarisiert, idealerweise beim Wechsel auf Sommer- und Winterzeit.

PrüfpunktIntervallAktion
Wasser und LebensmittelAlle 6 MonateDatum prüfen, rotieren, Haushaltsgrösse anpassen
MedikamenteNach individuellem BedarfReserve und Haltbarkeit mit Apotheke/Arzt klären
Radio, Lampen, PowerbanksAlle 6 MonateFunktionstest, laden, Batterien ersetzen
Notfallplan und KontakteJährlich oder nach UmzugTreffpunkte, Schule, Pflege und Gemeinde aktualisieren

Ein Wochenende als Praxistest

Der beste Test ist eine freiwillige Übung ohne Netzstrom für einige Stunden. Der Hauptschalter muss dafür nicht manipuliert werden. Kochen Sie eine Mahlzeit ausschliesslich aus dem Vorrat, nutzen Sie Batterielicht, hören Sie Radio und prüfen Sie, ob alle Kabel vorhanden sind. Notieren Sie fehlende Dinge. Der Test zeigt meist praktische Lücken: kein Dosenöffner, zu wenig Wasser, leere Powerbank oder Medikamente nur im elektronischen Dossier.

Ein guter Notvorrat ist unspektakulär. Er hält den Haushalt drei Tage mit Trinkwasser und ungefähr eine Woche mit Essen handlungsfähig, ohne Hamsterkäufe und ohne falsche Sicherheit. Bei einem Ereignis gelten aktuelle behördliche Anweisungen. Vorbereitung bedeutet nicht, jede Krise vorherzusagen, sondern die ersten Stunden ruhig und informiert überbrücken zu können.

Besondere Wohnsituationen einplanen

In einem Mehrfamilienhaus hängen Haustür, Garage, Gegensprechanlage, Lift und Wasserpumpen möglicherweise vom Strom ab. Hausverwaltungen sollten erklären können, wie Notöffnung und Zutritt funktionieren. Bewahren Sie einen mechanischen Schlüssel erreichbar auf und nutzen Sie den Lift bei angekündigten Unterbrüchen nicht. Wer in einem oberen Stock wohnt, plant, wie Wasser, Kinderwagen oder Mobilitätshilfen ohne Lift bewegt werden.

In einer Wohnung mit Gas, Cheminée oder Holzofen gelten die Betriebs- und Lüftungsvorschriften auch während eines Ausfalls. Ein vermeintlich improvisierter Abzug macht ein Verbrennungsgerät nicht innenraumtauglich. Rauch- und Kohlenmonoxidmelder werden regelmässig getestet. Bei Mietobjekten dürfen technische Anlagen nicht eigenmächtig umgebaut oder Generatoren ans Hausnetz angeschlossen werden.

Haushalte mit Kleinkindern halten passende Nahrung, Windeln und eine sichere Zubereitungsmöglichkeit bereit. Menschen mit Hör- oder Sehbehinderung benötigen zugängliche Warnkanäle. Wer pflegebedürftig ist, hinterlegt bei einer Vertrauensperson einen aktuellen Plan mit Medikamenten, Hilfsmitteln, Kontakten und Zugang zur Wohnung. Dieser individuelle Teil ist wichtiger als eine möglichst lange allgemeine Einkaufsliste.

Nach Umzug wird der Notfallplan neu geschrieben: Gemeindeinformationen, Schutzraumzuständigkeit, Treffpunkt, Netzbetreiber und Nachbarschaft ändern sich. So bleibt der Vorrat nicht nur vollständig, sondern im konkreten Gebäude tatsächlich nutzbar.

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Quellen