Alltag

Wie viel Notgroschen brauchst du in der Schweiz wirklich?

9’000, 20’000 oder 40’000 Franken? Berechne deinen Notgroschen mit drei Haushaltsbeispielen und trenne Notfälle von Steuern und anderen Rückstellungen.

Rosa Sparschwein und ein Schlüssel auf dunklem Untergrund
Symbolbild für eine finanzielle Reserve: Sparschwein mit Schlüssel. Foto: Konstantin Evdokimov · Unsplash-Lizenz. Gedreht und auf 16:9 zugeschnitten.

40'000 Franken liegen auf einem Konto, das nach Angaben seines Besitzers keinen Zins abwirft. Ist das vernünftig oder zu vorsichtig? Diese Frage aus einem Schweizer Finanzforum trifft ein verbreitetes Dilemma: Geld soll langfristig arbeiten, aber eine unerwartete Rechnung lässt sich nicht mit einer langfristigen Hoffnung bezahlen.

Für einen Notgroschen gibt es deshalb keine Summe, die für alle Haushalte stimmt. Entscheidend sind deine notwendigen Ausgaben, die Verlässlichkeit deiner Einnahmen und die Zeit, die du im Problemfall überbrücken musst. 40'000 Franken können eine grosse Reserve sein oder bei hohen Verpflichtungen weniger weit reichen, als die Zahl zunächst vermuten lässt.

Rechne mit Ausgaben, nicht mit deinem Monatslohn

Ein Notgroschen soll vor allem verhindern, dass eine Störung sofort eine zweite auslöst: Erst fällt Einkommen aus, dann wird eine Rechnung überzogen, danach brauchst du einen teuren Kredit. Seine Aufgabe ist, dir Zeit und Handlungsspielraum zu geben.

Beginne daher mit den Ausgaben, die du nicht kurzfristig streichen kannst. Dazu gehören typischerweise Wohnen, Krankenkassenprämien, ein realistischer Grundbedarf, notwendige Mobilität und laufende vertragliche Verpflichtungen. Wer Kinder betreut, muss auch die dafür unvermeidbaren Kosten berücksichtigen.

Eine Reise oder ein neues Sofa gehört nicht automatisch in diese Rechnung. Umgekehrt solltest du nicht mit einem theoretischen Minimalbudget kalkulieren, das im Ernstfall niemand im Haushalt durchhalten könnte. Ein nachvollziehbarer Betrag aus deinen tatsächlichen Kontoauszügen ist hilfreicher als eine besonders ehrgeizige Sparfantasie.

Drei Beispiele statt einer angeblich richtigen Zahl

Die folgenden Zahlen sind Rechenmodelle, keine amtlichen Durchschnittswerte und keine individuelle Empfehlung. Sie zeigen, wie unterschiedlich derselbe Begriff ausfallen kann.

Eine alleinlebende Person kommt in ihrem eigenen Budget auf 3'000 Franken notwendige monatliche Ausgaben. Sie möchte zunächst drei Monate abdecken. Daraus ergibt sich ein Ziel von 9'000 Franken. Ob dieser Zeitraum genügt, hängt unter anderem von der Einkommenssituation und absehbaren Verpflichtungen ab.

Eine Familie berechnet 5'000 Franken unvermeidbare Monatsausgaben und entscheidet sich für vier Monate Spielraum. Das ergibt 20'000 Franken. Zwei Einkommen erhöhen nicht automatisch die Sicherheit gleich stark: Arbeiten beide beim selben Arbeitgeber oder in einer ähnlich betroffenen Branche, können Risiken zusammenfallen.

Eine selbstständig erwerbende Person benötigt privat 3'500 Franken pro Monat und setzt wegen schwankender Einnahmen sechs Monate an. Das ergibt 21'000 Franken für den privaten Haushalt. Betriebliche Fixkosten, Steuern und geschuldete Sozialversicherungsbeiträge müssen zusätzlich sauber geplant sein; sie verschwinden nicht in dieser privaten Reserve.

Der Nutzen dieser Beispiele liegt im Rechenweg. Du kannst jede Zahl austauschen und sofort erkennen, welche Annahme deinen Zielbetrag verändert. Ein höherer Monatsbedarf oder ein längerer Überbrückungszeitraum wirkt stärker als die Frage, ob eine beliebige Internettabelle drei oder sechs Monatslöhne nennt.

Steuern sind meistens kein Notfall

Bekannte jährliche Rechnungen sollten eine eigene Rückstellung bekommen. Dazu können Steuern, Versicherungsrechnungen oder bereits absehbare grössere Ausgaben gehören. Wenn du dafür denselben Kontostand als Notgroschen zählst, wirkt deine Absicherung grösser, als sie tatsächlich ist.

Ein einfaches Beispiel: Auf dem Sparkonto liegen 15'000 Franken, davon werden voraussichtlich 6'000 Franken für bekannte Rechnungen gebraucht. Für Unerwartetes stehen dann nicht 15'000, sondern 9'000 Franken zur Verfügung. Die Bezeichnungen deiner Konten ändern diese Rechnung nicht.

Budgetberatung Schweiz empfiehlt, auch unregelmässige Ausgaben im Budget zu berücksichtigen und Rücklagen schrittweise aufzubauen. Praktisch kannst du dafür getrennte Unterkonten oder eine einfache Übersicht verwenden. Wichtig ist die Trennung im Kopf und in der Rechnung, nicht eine möglichst komplizierte Banking-Struktur.

Die Krankenkasse verlangt einen eigenen Realitätscheck

Wer eine hohe Franchise gewählt hat, sollte mögliche Gesundheitsausgaben bewusst einplanen. Nach den Angaben des Bundesamts für Gesundheit liegt die ordentliche Franchise für Erwachsene bei 300 Franken; Wahlfranchisen reichen bis 2'500 Franken. Dazu kommt grundsätzlich ein Selbstbehalt, üblicherweise bis 700 Franken im Jahr für Erwachsene.

Bei 2'500 Franken Franchise und 700 Franken gewöhnlichem Selbstbehalt ergeben sich rechnerisch 3'200 Franken. Das ist aber keine absolute Obergrenze sämtlicher Gesundheitsausgaben. Beispielsweise können Spitalbeiträge, nicht gedeckte Leistungen und besondere Regeln beim Selbstbehalt für bestimmte Medikamente hinzukommen.

Für dein Budget heisst das: Prüfe deine konkrete Versicherungssituation. Rechne eine Gesundheitsreserve nicht doppelt, wenn du sie bereits separat bereitgelegt hast. Und verwechsle eine tiefe monatliche Prämie nicht mit dem Versprechen, dass im Krankheitsfall kaum Liquidität nötig wäre.

Warum die Reserve schnell verfügbar sein muss

Ein Notgroschen sollte seinen Zweck auch an einem ungünstigen Tag erfüllen. Aktien können gerade dann im Minus stehen, wenn du verkaufen musst. Gebundene Vorsorgegelder stehen nicht beliebig für laufende Rechnungen zur Verfügung. Beides kann für andere Ziele sinnvoll sein, ersetzt aber keine frei verfügbare Reserve.

Prüfe bei einem Konto Rückzugslimiten, Kündigungsfristen und allfällige Gebühren. Ein attraktiver Zins nützt wenig, wenn der benötigte Betrag nicht rechtzeitig verfügbar ist. Für Rechnungen in Franken vermeidet eine Reserve in Franken ausserdem ein zusätzliches Wechselkursrisiko.

Die schweizerische Einlagensicherung schützt gedeckte Einlagen grundsätzlich bis 100'000 Franken pro Kunde und Bank. Mehrere Konten bei derselben Bank vervielfachen diese Grenze nicht. Einlagenschutz bedeutet zudem nicht, dass bei einer Bankstörung jeder Zahlungsauftrag unterbruchsfrei funktioniert. Sicherheit und tägliche Verfügbarkeit sind unterschiedliche Fragen.

Was wäre bei einem Stellenverlust?

Überlege nicht nur, ob du grundsätzlich abgesichert bist, sondern wann tatsächlich Geld eingehen würde. Bei Arbeitslosigkeit hängen Ansprüche und Abläufe von deiner Situation ab. Die offizielle Plattform arbeit.swiss empfiehlt, bereits nach einer Kündigung aktiv zu werden und die nötigen Schritte früh einzuleiten.

Baue dein Budget deshalb nicht auf die ungeprüfte Annahme, ab dem nächsten Monat werde ein bisheriges Einkommen automatisch vollständig ersetzt. Ein realistischer Überbrückungsplan berücksichtigt Bearbeitungswege, persönliche Anspruchsvoraussetzungen und Ausgaben, die unverändert weiterlaufen.

Dasselbe gilt für Selbstständigkeit, eine längere Krankheit oder einen notwendigen Umzug. Du musst nicht jedes denkbare Unglück gleichzeitig finanzieren. Es reicht, die Risiken zu betrachten, die deinen Haushalt plausibel treffen können, und dafür einen bewussten Spielraum festzulegen.

So entsteht eine Reserve, wenn noch kaum Geld übrig bleibt

Ein Ziel von 20'000 Franken kann entmutigen, wenn am Monatsende wenig bleibt. Beginne dann mit einer ersten überschaubaren Stufe, beispielsweise 500 oder 1'000 Franken. Danach folgt ein Monat notwendiger Ausgaben. Die Reihenfolge macht den nächsten Schritt sichtbar, ohne das langfristige Ziel zu verschweigen.

Ein regelmässiger Betrag hilft beim Aufbau: 90 Franken monatlich ergeben in zwölf Monaten 1'080 Franken, ohne Zinsen gerechnet. Entscheidend ist, dass der Betrag zu deinem tatsächlichen Budget passt. Eine Sparrate, die du anschliessend mit einem überzogenen Konto finanzierst, schafft keine Stabilität.

Wenn Rechnungen bereits liegen bleiben, lohnt sich frühe Budget- oder Schuldenberatung. Budgetberatung Schweiz rät bei Engpässen dazu, die Situation zu ordnen und Gläubiger rechtzeitig zu kontaktieren. Ein leerer Notgroschen ist dann nicht das einzige Problem, und ein pauschaler Spartipp reicht nicht aus.

Wann sind 40'000 Franken zu viel?

Die Antwort steht am Ende deiner eigenen Rechnung. Ziehe bekannte Verpflichtungen ab, bestimme deinen notwendigen Monatsbedarf und lege einen nachvollziehbaren Zeitraum fest. Prüfe den Betrag erneut, wenn sich Familie, Wohnsituation oder Erwerb verändern.

Liegt danach deutlich mehr Geld bereit als für deine begründete Reserve nötig, kannst du den Überschuss getrennt für andere Ziele betrachten. Dafür gelten wiederum ein eigener Zeithorizont und eine eigene Risikobeurteilung. Die Notfallreserve muss nicht gleichzeitig deine gesamte Vermögensstrategie sein.

Ein guter Notgroschen ist weder eine Mutprobe beim Investieren noch ein Wettbewerb um den höchsten Kontostand. Er ist eine konkrete Antwort auf die Frage: Wie lange kann mein Haushalt vernünftig handeln, wenn etwas anders läuft als geplant?


Quellen und Stand

Stand: 15. September 2026.