Politik

Mercosur: Weshalb beim Freihandel jetzt die Landwirtschaft im Zentrum steht

Das Mercosur-Abkommen bewegt das Parlament. Was Exportfirmen erwarten, warum die Landwirtschaft Unterstützung verlangt und was noch nicht entschieden ist.

Das Bundeshaus in Bern, Archivaufnahme.
Das Bundeshaus in Bern, Archivaufnahme. Foto: August Geyler · CC BY-SA 4.0.

Beim Freihandelsabkommen mit den Mercosur-Staaten geht es längst nicht mehr nur um Zölle. In der Schweiz dreht sich die politische Auseinandersetzung auch darum, wie die Landwirtschaft mit zusätzlichem Konkurrenzdruck umgehen soll – und welche Unterstützung dafür gerechtfertigt wäre.

Nach der jüngsten Beratung im Ständerat steht eine Unterstützung von 517 Millionen Franken im Raum. SRF berichtet, dass davon 480 Millionen als rückzahlbare Investitionskredite vorgesehen sind. Diese Unterscheidung ist entscheidend: Die Gesamtsumme lässt sich nicht einfach als Geschenk an die Bauern beschreiben.

Welches Abkommen überhaupt gemeint ist

Verhandelt haben die EFTA-Staaten mit Brasilien, Argentinien, Paraguay und Uruguay. Zur EFTA gehören neben der Schweiz Norwegen, Island und Liechtenstein. Das Abkommen wurde im September 2025 unterzeichnet; die parlamentarische Behandlung ist ein weiterer Schritt auf dem Weg zu einer möglichen Anwendung.

Das SECO nennt für Schweizer Unternehmen einen besseren Marktzugang als zentrales Ziel. Nach Ablauf der vorgesehenen Übergangsfristen sollen rund 96 Prozent der Schweizer Exporte in die beteiligten Mercosur-Staaten vollständig von Zöllen befreit sein. Das ist eine Aussage über die vereinbarten Bedingungen, keine Zusicherung, dass jedes Unternehmen automatisch mehr verkauft.

Ein niedrigerer Zoll kann einen Preisnachteil verringern. Ob daraus ein Auftrag entsteht, hängt daneben etwa von Nachfrage, Wechselkursen, Vertrieb und Wettbewerb ab. Die wirtschaftliche Chance ist real; ihr Umfang bleibt je nach Branche unterschiedlich.

Warum die Bauern eine andere Rechnung machen

Für exportierende Industriebetriebe steht der Zugang zu Absatzmärkten im Vordergrund. Landwirtschaftliche Betriebe beurteilen dasselbe Abkommen auch danach, welche Produkte unter günstigeren Bedingungen in die Schweiz gelangen könnten. Beide Perspektiven können innerhalb derselben Volkswirtschaft nebeneinander bestehen.

Das SECO verweist bei sensiblen Agrarprodukten auf begrenzte Zollkontingente. Die politische Debatte handelt trotzdem davon, ob betroffene Betriebe genügend Spielraum haben, sich anzupassen. Investitionskredite und direkte Zahlungen wirken dabei unterschiedlich: Ein Kredit muss zurückbezahlt werden, kann aber die Finanzierung einer Umstellung erleichtern.

Wer die vorgeschlagene Unterstützung bewertet, sollte deshalb drei Fragen trennen: Wie hoch ist der Kreditrahmen? Welche Ausgaben trägt der Staat endgültig? Und nach welchen Bedingungen könnten einzelne Betriebe Zugang erhalten? Eine einzige grosse Zahl beantwortet das nicht.

Nachhaltigkeit entscheidet sich auch nach der Unterschrift

Das Abkommen enthält Bestimmungen zu Handel und nachhaltiger Entwicklung. Das SECO hat zudem Umwelt- und Sozialwirkungen untersuchen lassen. Solche Regeln und Studien sind wichtige Grundlagen, ersetzen aber nicht die spätere Umsetzung und Kontrolle.

Für eine faire Beurteilung lohnt sich deshalb der Blick auf überprüfbare Verpflichtungen: Welche Informationen werden erhoben, wer kontrolliert die Einhaltung und was geschieht bei Konflikten? Weder die Existenz eines Nachhaltigkeitskapitels noch seine grundsätzliche Ablehnung beantwortet diese Vollzugsfragen bereits.

Was für Haushalte heute gilt

Aus den aktuellen Beratungen folgt keine sofortige Änderung im Einkaufskorb. Ein parlamentarischer Zwischenstand ist kein Datum, ab dem bestimmte Waren garantiert günstiger werden. Auch sinkende Einfuhrkosten müssten sich erst entlang der Lieferkette auswirken.

Als Nächstes zählt, wie die noch offenen politischen Fragen gelöst werden. Wer die Entwicklung verfolgt, sollte das eigentliche Handelsabkommen und die Schweizer Begleitmassnahmen auseinanderhalten. Sie hängen politisch zusammen, sind aber unterschiedliche Entscheidungen – mit unterschiedlichen Kosten und Folgen.


Quellen und Stand

Stand: 15. September 2026.