Klima

Mehr Schatten in Zürich: Stadt will Baumkronenfläche verdoppeln

Zürich plant mehr Baumkronen über öffentlichen Strassen. Weshalb der Platz für Wurzeln ebenso wichtig ist wie die Zahl neu gepflanzter Bäume.

Bäume an der Zürcher Bahnhofstrasse.
Bäume an der Zürcher Bahnhofstrasse. Bildquelle: ZVG / Tsüri.

Zürich will bis 2050 deutlich mehr Schatten auf seinen öffentlichen Strassen schaffen. Nach einem Bericht von Tsüri soll die Baumkronenfläche dort von 12.5 auf 25 Prozent wachsen. Grundlage ist ein neues Strassenbaumkonzept.

Der genaue Begriff ist wichtig: Gemeint ist die von Kronen überdeckte Fläche, nicht einfach eine Verdoppelung der Zahl der Baumstämme. Ein grosser, gesunder Baum kann mehr Schatten liefern als mehrere frisch gepflanzte kleine Bäume.

Die Wirkung entsteht erst mit dem Wachstum

Zürichs übergeordnete Fachplanung Stadtbäume verfolgt ebenfalls das Ziel einer grösseren Kronenfläche. Stadtweit und im Strassenraum gelten dabei unterschiedliche Ausgangswerte. Diese dürfen nicht vermischt werden.

Für einen heissen Schulweg oder eine Haltestelle zählt letztlich, wo der Schatten tatsächlich ankommt. Eine Pflanzung an einem geeigneten Standort kann deshalb für den Alltag wichtiger sein als eine hohe Gesamtzahl ohne räumliche Prioritäten.

Unter der Strasse beginnt die Planung

Bäume brauchen nicht nur Platz über dem Trottoir, sondern auch im Boden. Leitungen, verdichtete Flächen und andere Nutzungen erschweren geeignete Standorte. Der Kanton Zürich weist darauf hin, dass gerade Strassenbäume unter engem Wurzelraum, Hitze und unerwünschten Stoffeinträgen leiden können.

Daraus folgt eine praktische Konsequenz: Eine Baumgrube allein ist noch kein langfristig funktionierender Standort. Wurzelraum, Wasserverfügbarkeit und Unterhalt müssen mitgeplant werden. Sonst bleibt die erwartete grosse Krone ein Versprechen, das der Baum nicht erfüllen kann.

Wo der Nutzen besonders gross wäre

Der Bericht nennt unter anderem Zürich-West, Aussersihl, Altstetten und Oerlikon als Gebiete mit Aufholbedarf. Die Auswahl hitzebelasteter Räume verbindet Klimaanpassung mit einer Alltagsfrage: Wo halten sich Menschen auf, die dem heissen Asphalt nicht einfach ausweichen können?

Schattige Verbindungen zwischen Wohnort, Einkauf, Schule und öffentlichem Verkehr können ein zusammenhängendes Netz bilden. Ein isolierter Baum verbessert einen Punkt; eine gut geplante Folge von Standorten kann einen ganzen Weg angenehmer machen.

Woran sich die Umsetzung messen lässt

Sinnvolle Kennzahlen sind nicht nur neu gepflanzte Bäume. Ebenso relevant sind überlebende Jungbäume, erhaltene ältere Bestände und die Entwicklung der tatsächlichen Kronenfläche.

Das Zieljahr 2050 macht die Aufgabe langfristig. Für die nächsten Jahre wird entscheidend sein, ob konkrete Strassenprojekte die nötigen Bedingungen schaffen und bestehende wertvolle Bäume erhalten bleiben. Der angekündigte Schatten entsteht durch konsequente Umsetzung über viele Jahre.

Quellen und Stand

Recherchestand: 16. September 2026. Zahlen und Verfahrensstände beziehen sich auf die jeweils genannten Erhebungs- und Meldedaten.