Schweiz

Marsch fürs Läbe in Zürich: Was die Bischofskonferenz unterstützt – und was nicht

Die Bischofskonferenz ist am Marsch fürs Läbe nicht offiziell vertreten. Ihre Stellungnahme setzt Lebensschutz in einen breiteren Zusammenhang.

Zürcher Limmatquai. Archivbild der Veranstaltungsstadt; keine Aufnahme des Marschs.
Zürcher Limmatquai. Archivbild der Veranstaltungsstadt; keine Aufnahme des Marschs. Foto: Andrew Bossi · CC BY-SA 2.5.

Am 19. September findet in Zürich der 16. «Marsch fürs Läbe» statt. Die Schweizer Bischofskonferenz hat dazu eine Stellungnahme veröffentlicht, die eine wichtige Unterscheidung macht: Sie unterstützt das Anliegen des Lebensschutzes, ist am Anlass aber nicht offiziell vertreten. Aus der Teilnahme katholischer Gruppierungen lässt sich deshalb keine offizielle Delegation der Bischofskonferenz ableiten.

In ihrer Mitteilung vom 16. September beschreibt die Konferenz Lebensschutz als Aufgabe, die über die Auseinandersetzung um Schwangerschaftsabbrüche hinausgeht. Für die Einordnung des Anlasses ist das wesentlich: Eine konkrete Demonstration, ihre Trägerschaft und die umfassendere kirchliche Position sind nicht identisch.

Wer hinter dem Anlass steht

Nach Darstellung der Bischofskonferenz wird der Marsch von christlichen Bewegungen getragen, darunter katholische Gruppierungen und evangelische Freikirchen. Die Bischöfe selbst treten nicht als offizielle Vertretung am Marsch auf. Dieser institutionelle Unterschied geht in kurzen Schlagzeilen leicht verloren.

Er beantwortet allerdings nicht, welche persönliche Haltung jeder einzelne Teilnehmende hat. Ebenso wenig lässt sich aus dem Anlass auf die Meinung sämtlicher Katholikinnen und Katholiken schliessen. Eine Stellungnahme einer kirchlichen Leitung ist eine dokumentierte Position dieser Institution, keine Bevölkerungsumfrage.

Ein weiter gefasster Begriff von Lebensschutz

Die Bischofskonferenz hält an der katholischen Ablehnung von Abtreibungen fest. Zugleich spricht sie schwierige Lebenssituationen von Frauen und den Bedarf an Begleitung an. Sie verbindet ihre Position mit sozialen Voraussetzungen wie Wohnen, Ernährung, Gesundheitsversorgung und Bildung. Auch Krieg, Gewalt, die Situation von Migranten sowie der Umgang mit älteren Menschen und Menschen mit Behinderungen gehören in ihrer Darstellung zum Thema.

Das ist eine ethische und religiöse Argumentation. Sie sollte als solche gelesen werden. Aus ihr folgt weder eine neue gesetzliche Regelung noch eine medizinische Aussage über einen individuellen Schwangerschaftsverlauf.

Warum Unterstützung konkret werden muss

Für eine Person in einer schwierigen Schwangerschaft sind allgemeine Bekenntnisse nur begrenzt hilfreich. Praktisch zählen andere Fragen: Wer hört ergebnisoffen zu? Welche finanziellen oder sozialen Hilfen sind erreichbar? Wer erklärt die medizinischen Möglichkeiten verständlich? Und welche Unterstützung gibt es unabhängig davon, wie sich die betroffene Person entscheidet?

Diese Fragen lassen sich getrennt von der politischen Haltung zu einer Demonstration beantworten. Wer Hilfe sucht, muss sich weder einer Kampagne anschliessen noch zuerst eine öffentliche Position beziehen. Auch ein Partner, eine Angehörige oder eine Vertrauensperson kann sich über Beratungswege informieren, ohne die Entscheidung an sich zu ziehen.

Wo unabhängige Beratung zu finden ist

Das Fachstellenverzeichnis von Sexuelle Gesundheit Schweiz ermöglicht die Suche nach Ort und Beratungsthema. Anerkannte Schwangerschaftsberatungsstellen bieten kostenlose und vertrauliche Gespräche an. Das Angebot umfasst je nach Stelle medizinische, rechtliche, finanzielle und soziale Fragen; bei medizinischen Leistungen können separate Kosten entstehen.

  • Beim ersten Kontakt: Frage nach Schwangerschaftskonfliktberatung und danach, ob die Stelle zu allen Optionen berät.
  • Bei finanziellen Sorgen: Bitte um eine konkrete Übersicht der für deine Situation möglichen Leistungen.
  • Bei Sprachbarrieren: Kläre, welche Sprachen oder Dolmetschangebote verfügbar sind.
  • Bei Zeitdruck: Sage ausdrücklich, dass du einen zeitnahen Termin brauchst. Warte damit nicht auf eine politische Veranstaltung.

Die Stellungnahme der Bischofskonferenz setzt einen Akzent in einer kontroversen Debatte. Für Leserinnen und Leser ist die zentrale Nachricht klar begrenzt: Unterstützung für ein kirchliches Anliegen bedeutet hier keine offizielle Teilnahme am Marsch. Persönliche Beratung bleibt eine eigene, vertrauliche Angelegenheit.


Quellen und Stand

Stand: 16. September 2026.