Politik

Weniger Schweizer Statistiken: Welche Daten künftig fehlen werden

Der Bund streicht und reduziert statistische Erhebungen. Welche Bereiche betroffen sind und worauf du beim Vergleichen älterer Zahlen achten solltest.

Gebäude des Bundesamts für Statistik in Neuenburg, Archivaufnahme.
Gebäude des Bundesamts für Statistik in Neuenburg, Archivaufnahme. Foto: Hadi · CC0.

Die Schweiz spart auch an ihrem Zahlenwissen. Der Bundesrat hat am 9. September Änderungen beschlossen, mit denen das Bundesamt für Statistik seine Ausgaben senken soll. Einige Erhebungen fallen weg, andere werden seltener durchgeführt. Für die Öffentlichkeit bedeutet das: Bestimmte Entwicklungen werden künftig weniger regelmässig sichtbar.

Es geht nicht darum, dass die amtliche Statistik insgesamt eingestellt würde. Betroffen sind konkrete Erhebungen und ihr Rhythmus. Gerade diese Details entscheiden darüber, welche Vergleiche in einigen Jahren noch möglich sein werden.

Was der Bund verändert

Laut der amtlichen Mitteilung werden unter anderem die Bibliotheksstatistik und zusätzliche landwirtschaftliche Erhebungen aufgehoben. Bei verschiedenen Statistiken zu Bau, Umwelt und Bodennutzung werden die Abstände zwischen den Erhebungen grösser.

Hintergrund ist ein strukturelles Defizit des BFS von rund 20 Millionen Franken im Jahr 2025. Mit den getroffenen Massnahmen wurde das Budget 2025 ausgeglichen. Daneben arbeitet der Bund an weiteren Anpassungen, bei denen bereits vorhandene Registerdaten eine Rolle spielen sollen.

Für die Einordnung ist wichtig, zwischen einer gestrichenen Erhebung und gelöschten historischen Daten zu unterscheiden. Die Ankündigung einer Einstellung bedeutet nicht automatisch, dass frühere Veröffentlichungen verschwinden. Sie bedeutet zunächst, dass die bisherige Reihe nicht in derselben Form weitergeführt wird.

Warum der Erhebungsrhythmus zählt

Stell dir eine Gemeinde vor, die beurteilen möchte, ob ein Angebot stärker genutzt wird. Mit jährlichen, vergleichbaren Daten lässt sich eine Veränderung zeitnah einordnen. Liegen zwischen zwei Messungen mehrere Jahre, bleibt länger offen, wann der Wandel eingesetzt hat und ob ein einzelnes Jahr eine Ausnahme war.

Das ist kein Argument dafür, jede denkbare Zahl ständig neu zu erheben. Es beschreibt den Preis längerer Abstände: weniger Aufwand auf der einen Seite, weniger zeitliche Auflösung auf der anderen. Welche Seite stärker wiegt, hängt davon ab, wofür eine Statistik gebraucht wird.

Besonders schwierig werden Vergleiche, wenn gleichzeitig Methode, Definition oder erfasste Gruppe wechseln. Eine neue Zahl kann dann präzise sein und trotzdem nicht direkt zur alten passen. Ein scheinbarer Sprung wäre womöglich teilweise ein Messwechsel statt eine reale Veränderung.

Registerdaten können helfen – aber nicht jede Frage beantworten

Bereits vorhandene Verwaltungsdaten erneut zu nutzen, kann zusätzliche Befragungen vermeiden. Entscheidend ist dabei, ob die vorhandenen Angaben tatsächlich die gewünschte Frage beantworten. Eine administrative Kategorie und eine gesellschaftlich interessante Entwicklung sind nicht zwangsläufig dasselbe.

Ein einfaches Beispiel: Die Zahl registrierter Einrichtungen sagt allein noch wenig darüber aus, wie intensiv sie genutzt werden. Für die Qualität einer Ersatzlösung zählt deshalb nicht nur, dass Daten vorhanden sind. Relevant sind auch Definitionen, Vollständigkeit und die Vergleichbarkeit über die Zeit.

Vier Fragen beim nächsten Zahlenvergleich

Wer einen Bericht, eine politische Behauptung oder eine Grafik beurteilt, sollte zuerst das Erhebungsjahr suchen. Das Veröffentlichungsdatum kann deutlich später liegen. Danach lohnt sich der Blick darauf, welche Personen oder Einrichtungen erfasst wurden und ob die Methodik unverändert blieb.

Schliesslich ist zu prüfen, ob eine fehlende neue Zahl tatsächlich eine stabile Entwicklung bedeutet. Oft heisst sie schlicht: Es wurde noch nicht wieder gemessen. Diese Unterscheidung wird bei selteneren Erhebungen wichtiger.

Die Sparmassnahmen sind damit auch eine Entscheidung darüber, wie genau die Schweiz sich selbst beobachten will. Ihr Nutzen lässt sich in eingesparten Mitteln ausdrücken. Welche Erkenntnisse dadurch später fehlen, zeigt sich meist erst mit Abstand.


Quellen und Stand

Stand: 15. September 2026.