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Tablets erst ab der fünften Klasse? Was die Baselbieter Initiative verlangt

Eine Baselbieter Initiative will digitale Geräte in den ersten vier Primarschuljahren ausschliessen. Was gefordert wird und was Eltern jetzt fragen können.

Digitaler Arbeitsplatz mit Tablet und Computern. Symbolbild, keine Aufnahme aus einer Baselbieter Schule.
Digitaler Arbeitsplatz mit Tablet und Computern. Symbolbild, keine Aufnahme aus einer Baselbieter Schule. Foto: FirmBee · CC0.

Keine Laptops, Tablets oder Handys in den ersten vier Primarschuljahren: Das verlangt eine Volksinitiative der Starken Schule beider Basel im Kanton Basel-Landschaft. Sie bringt eine Grundsatzfrage auf die politische Bühne, die viele Eltern aus dem Alltag kennen: Wann hilft ein Bildschirm beim Lernen, und wann steht er ihm im Weg?

Der Verband meldete am 11. September, dass die Initiative zustande gekommen sei. Von 2’538 eingereichten Unterschriften wurden demnach 2’294 als gültig anerkannt. Das ist ein Schritt im politischen Verfahren, noch keine neue Regel für die Klassenzimmer.

Was die Initiative konkret ändern möchte

Nach der von Bajour beschriebenen Forderung sollen in den ersten vier Primarschuljahren keine digitalen Geräte im Unterricht eingesetzt werden. Auch die persönliche Ausstattung der Kinder mit solchen Geräten soll entfallen. Ab der fünften Klasse wäre ein punktueller Einsatz schuleigener Geräte in wenigen Lektionen vorgesehen.

Es geht damit um mehr als ein Handyverbot in der Pause. Die Initiative betrifft digitale Arbeitsmittel im Unterricht selbst. Wer über die Vorlage diskutiert, sollte diese beiden Ebenen auseinanderhalten: private Ablenkung durch ein Smartphone und didaktisch geplante Arbeit mit einem Schulgerät.

Die bessere Frage lautet: Was wird damit gelernt?

Ein Gerät allein beschreibt noch keine Unterrichtsmethode. Ein Kind kann damit einen vorgegebenen Film ansehen, eine eigene Aufnahme auswerten oder eine Aufgabe bearbeiten. Ebenso sagt ein Arbeitsblatt allein wenig darüber aus, ob eine Aufgabe verständlich erklärt und sinnvoll begleitet wird.

Für eine sachliche Diskussion hilft deshalb der Blick auf die konkrete Tätigkeit. Welches Lernziel wird verfolgt? Warum wird dafür ein digitales Mittel gewählt? Wie lange dauert der Einsatz, und was geschieht anschliessend mit dem Ergebnis? Diese Fragen sind genauer als ein pauschales «modern» oder «schädlich».

Sie ersetzen die politische Abwägung über Altersgrenzen nicht. Sie machen aber sichtbar, welche Praktiken eine Regel tatsächlich verändern würde.

Warum einzelne Studien keine ganze Schulpolitik erledigen

Die Initianten berufen sich auf Kritik am schwedischen Digitalisierungsprogramm. Bajour weist zugleich darauf hin, dass diese wissenschaftlich diskutiert wird. Daraus lässt sich kein einfacher Beweis ableiten, jedes digitale Gerät verschlechtere unter allen Bedingungen die Leistung jedes Kindes.

Bei Forschungsbefunden lohnt sich immer der Blick auf Alter, Aufgabe und untersuchte Nutzungsform. Ergebnisse zum Lesen längerer Texte beantworten nicht automatisch jede Frage zu anderen Lernaktivitäten. Ebenso ist die private Bildschirmnutzung zu Hause nicht dasselbe wie ein zeitlich begrenzter, begleiteter Unterrichtseinsatz.

Was Eltern heute sinnvoll fragen können

Am Elternabend lässt sich die Debatte konkret machen: In welchen Fächern werden Geräte eingesetzt? Welche analogen Übungen bleiben verbindlich? Wie wird verhindert, dass Technikprobleme Lernzeit verdrängen? Und an wen kann man sich wenden, wenn ein Kind mit dem digitalen Teil Mühe hat?

Auch die Erwartung für zu Hause sollte klar sein. Muss das Kind ein eigenes Gerät verwenden oder wird Material bereitgestellt? Welche Aufgaben lassen sich ohne Bildschirm erledigen? Solche Informationen helfen Familien unmittelbar, unabhängig vom späteren Ausgang der Initiative.

Noch kein schweizweites Verbot

Die Vorlage betrifft Basel-Landschaft. Aus ihrem Zustandekommen folgt weder ein sofortiges kantonales Verbot noch eine Änderung in anderen Kantonen. Für den weiteren Verlauf sind die offiziellen politischen Schritte und der konkrete Initiativtext massgebend.

Die Diskussion kann trotzdem über den Kanton hinaus nützlich sein. Sie zwingt Schulen und Politik, den Zweck digitaler Mittel zu erklären. Entscheidend sollte am Ende sein, welche Regel guten Unterricht ermöglicht – und wie sich dieser Anspruch im tatsächlichen Schulalltag überprüfen lässt.


Quellen und Stand

Stand: 15. September 2026.