Arbeit

Zwischenzeugnis verlangen: Gute Anlässe und eine sachliche Anfrage

Zwischenzeugnis in der Schweiz verlangen: passende Anlässe, kopierbare E-Mail-Muster und eine Checkliste für Aufgaben, Beurteilung und Korrekturen.

Flache Illustration von Zeugnis, Briefumschlag und Aktentasche.

Eine neue Vorgesetzte übernimmt das Team, deine Aufgaben verändern sich oder du möchtest deine bisherige Arbeit dokumentieren: Für ein Zwischenzeugnis gibt es viele vernünftige Anlässe. Du musst damit nicht warten, bis du kündigst. Und du musst eine sachliche Anfrage nicht als geheime Bewerbung erklären.

Die kurze Antwort: In einem privatrechtlichen Arbeitsverhältnis kannst du nach Artikel 330a OR jederzeit ein Zeugnis verlangen. Während der laufenden Anstellung ist das ein Zwischenzeugnis. Es soll deine bisherige Tätigkeit sowie Leistung und Verhalten beurteilen. Eine blosse Arbeitsbestätigung enthält dagegen nur Art und Dauer der Beschäftigung.

Stand: 15. September 2026. Der Beitrag bezieht sich auf privatrechtliche Anstellungen in der Schweiz. Bei öffentlich-rechtlichen Arbeitsverhältnissen sind die anwendbaren Personalvorschriften zusätzlich zu prüfen.

Zwischenzeugnis oder Arbeitsbestätigung?

Die Begriffe sind nicht austauschbar. Wer beim HR «eine Bestätigung» bestellt, erhält unter Umständen genau das: einen kurzen Nachweis über die Anstellung. Für eine spätere Bewerbung oder zur Dokumentation eines längeren Aufgabenabschnitts möchtest du möglicherweise eine qualifizierte Beurteilung.

DokumentWofür es gedacht ist
ZwischenzeugnisBeschreibt und beurteilt die bisherige Arbeit während einer noch laufenden Anstellung.
ArbeitsbestätigungBestätigt Art und Dauer der Anstellung, ohne Leistungs- und Verhaltensbeurteilung.
SchlusszeugnisDokumentiert die Beschäftigung nach ihrem Ende und beurteilt den relevanten Gesamtzeitraum.

Schreibe deshalb ausdrücklich, welches Dokument du brauchst. Eine präzise Anfrage spart eine zweite Runde und verhindert, dass du erst Wochen später bemerkst, dass die gewünschte Beurteilung fehlt.

Wann ist ein Zwischenzeugnis besonders sinnvoll?

Ein praktischer Zeitpunkt ist dann, wenn sich die Person oder Organisation verändert, die deine Arbeit aus eigener Erfahrung kennt. Eine Führungskraft kann deine Leistungen vor ihrem Weggang oft konkreter beurteilen als eine Nachfolgeperson, die dich erst seit wenigen Wochen erlebt.

  • Vorgesetztenwechsel: Der bisherige Verantwortungsbereich lässt sich noch mit der zuständigen Führungskraft besprechen.
  • Interner Stellenwechsel: Die frühere Funktion wird festgehalten, bevor neue Aufgaben hinzukommen.
  • Reorganisation: Teamnamen, Zuständigkeiten und Prozesse werden neu geordnet.
  • Längere Anstellung: Ein dokumentierter Zwischenstand ergänzt deine eigenen Unterlagen.
  • Konkrete Bewerbung: Du möchtest eine aktuelle Beurteilung deiner laufenden Tätigkeit verwenden.

Diese Anlässe erklären den Nutzen, sie sind keine abschliessende Liste zulässiger Gründe. Für den gesetzlichen Anspruch brauchst du nicht erst einen besonders dramatischen Vorfall. Gleichzeitig ist es organisatorisch sinnvoll, eine Anfrage mit einem verständlichen Anlass und einer realistischen zeitlichen Vorstellung zu verbinden.

Muss ich sagen, dass ich mich bewerbe?

Du musst in einer normalen Zeugnisanfrage nicht ungefragt deine Bewerbungspläne offenlegen. Formuliere knapp und wahrheitsgemäss. «Ich möchte meine bisherige Tätigkeit dokumentieren» ist ein sachlicher Zweck. Erfinde keinen angeblich bevorstehenden internen Wechsel, um die Anfrage zu rechtfertigen.

Wenn du einen realen Anlass nennen möchtest, genügt häufig ein Satz. Ein langer Rechtfertigungstext mit Versicherungen, dass du bestimmt nicht kündigen wirst, kann mehr Fragen auslösen als eine normale Bitte. Ein Zwischenzeugnis zu verlangen ist zunächst eine Anfrage nach einem Dokument über die bisherige Arbeit.

E-Mail-Muster: neutral und direkt

Das folgende Muster ist eine selbst formulierte Anfrage. Ersetze die eckigen Klammern und passe die Anrede an euren üblichen Umgang an.

Betreff: Bitte um ein qualifiziertes Zwischenzeugnis

Guten Tag [Name]

Ich möchte meine bisherige Tätigkeit bei [Unternehmen] dokumentieren und bitte um ein qualifiziertes Zwischenzeugnis mit Aufgabenbeschreibung sowie Beurteilung von Leistung und Verhalten.

Für meine Planung wäre eine Zustellung bis [Datum] hilfreich. Bitte gib mir kurz Bescheid, ob dieser Termin möglich ist. Eine Übersicht meiner Funktionen und wesentlichen Aufgaben stelle ich bei Bedarf gerne zusammen.

Vielen Dank und freundliche Grüsse
[Name]

Der vorgeschlagene Termin ist eine organisatorische Bitte, keine Behauptung einer gesetzlichen Standardfrist. Eine starre, für jedes Zwischenzeugnis geltende Frist von beispielsweise 14 Tagen solltest du nicht voraussetzen. Umfang, Abläufe und konkrete Umstände spielen für eine angemessene Bearbeitung eine Rolle.

Variante bei einem Vorgesetztenwechsel

Anlässlich des bevorstehenden Führungswechsels möchte ich meine bisherige Tätigkeit im Team festhalten. Ich bitte deshalb um ein qualifiziertes Zwischenzeugnis für den bisherigen Beschäftigungszeitraum. Es wäre hilfreich, wenn die aktuelle Führungskraft ihre Beurteilung noch einbringen könnte.

Variante bei einem internen Funktionswechsel

Da ich per [Datum] die Funktion wechsle, möchte ich meinen bisherigen Aufgabenbereich dokumentieren lassen. Bitte erstellt mir ein qualifiziertes Zwischenzeugnis, das meine bisherige Funktion, die wesentlichen Aufgaben sowie Leistung und Verhalten berücksichtigt.

Welche Angaben du zur Vorbereitung sammeln solltest

Du musst deinem Arbeitgeber nicht die gesamte Beurteilung vorschreiben. Du kannst aber helfen, Fakten richtig zusammenzutragen. Gerade nach mehreren internen Veränderungen sind Stellenbeschreibungen manchmal veraltet. Eine kurze, überprüfbare Übersicht ist nützlicher als eine lange Liste selbst vergebener Bestnoten.

KontrollpunktDeine Notiz
Beschäftigungsbeginn und FunktionenEintrittsdatum, Funktionsbezeichnungen und Zeiträume festhalten.
HauptaufgabenDie fünf bis sieben prägenden Tätigkeiten nach Bedeutung ordnen.
VerantwortungZum Beispiel fachliche Führung, Projektverantwortung oder Betreuung eines Kundenbereichs konkret benennen.
VeränderungenNeue Zuständigkeiten mit Datum oder nachvollziehbarem Zeitraum ergänzen.
BelegeStellenbeschreibung, Zielvereinbarungen und dokumentierte Feedbacks bereithalten.

Achte darauf, vertrauliche Kundenangaben oder interne Kennzahlen nicht unnötig in ein später extern verwendetes Zeugnis zu übernehmen. Beschreibe die Art der Verantwortung so konkret wie möglich, ohne Geschäftsgeheimnisse offenzulegen.

Das erhaltene Zwischenzeugnis in fünf Schritten prüfen

  1. Personalien und Zeitraum: Stimmen Name, Eintritt und der erfasste Stand?
  2. Funktion und Aufgaben: Wird die tatsächliche Arbeit erkennbar oder steht dort eine alte, viel schmalere Stellenbeschreibung?
  3. Beurteilung: Werden Leistung und Verhalten nachvollziehbar behandelt?
  4. Gesamtbild: Passen die Aussagen zusammen, oder widersprechen sich Beschreibung und Bewertung?
  5. Form: Ist das Dokument sprachlich sauber, datiert und rechtsgültig unterzeichnet?

Ein Zeugnis muss wahr sein und soll wohlwollend formuliert werden. Wohlwollen verpflichtet den Arbeitgeber aber nicht dazu, nachweisbare Probleme zu verschweigen oder eine erfundene Spitzenleistung zu bestätigen. Umgekehrt gehören belanglose einzelne Vorfälle nicht automatisch als prägende Negativbewertung in die Gesamtbeurteilung.

Keine Geheimcode-Tabelle ersetzt das Lesen

Im Internet werden einzelne Formulierungen häufig wie feste Schulnoten übersetzt. Das ist für eine konkrete Prüfung zu grob. Entscheidend sind verständliche Aussagen, ihr Zusammenhang und ihre sachliche Richtigkeit. Die SECO erläutert, dass Zeugniscodes nicht zulässig sind. Suche deshalb nicht nur nach einem vermeintlich magischen Wort wie «stets».

Prüfe lieber, ob eine wichtige Funktion fehlt, ob ein Satz doppeldeutig wirkt oder ob eine Bewertung im Widerspruch zu dokumentierten Rückmeldungen steht. Eine nachvollziehbare Beanstandung lässt sich besser bearbeiten als der pauschale Vorwurf, das Zeugnis enthalte einen geheimen Code.

So verlangst du eine Korrektur

Ordne deine Rückmeldung nach konkreten Stellen. Trenne überprüfbare Fakten von einer abweichenden Einschätzung. «Ich leitete das Projekt von März bis August» ist eine andere Art von Aussage als «Meine Leistung verdient eine bessere Bewertung». Für beide brauchst du eine verständliche Begründung.

Vielen Dank für das Zwischenzeugnis. Ich habe zwei Punkte festgestellt, die ich gerne prüfen lassen möchte:

1. Im Aufgabenabschnitt fehlt meine Verantwortung für [Aufgabe] seit [Datum]. Als Grundlage kann ich [Stellenbeschreibung/Projektauftrag] beilegen.

2. Die Formulierung [betroffene Stelle] ist für mich nicht eindeutig. Gemeint sein sollte aus meiner Sicht [sachliche Beschreibung]. Könnten wir diesen Punkt gemeinsam klären?

Bitte stellt mir nach der Prüfung eine bereinigte Fassung zu.

Speichere Anfrage, Antwort und Dokumentversionen. Ändere das ausgestellte Zeugnis nicht eigenmächtig, um die korrigierte Version anschliessend als Arbeitgeberdokument zu verwenden. Eine verbindliche Korrektur muss vom Aussteller kommen.

Was tun, wenn keine Reaktion kommt?

Frage zunächst nach dem Bearbeitungsstand und einem konkreten Termin. Verweise auf die ursprüngliche Anfrage und darauf, welches Dokument du benötigst. Bleibt die Sache ungelöst, kannst du den Anspruch schriftlich festhalten und dich zum weiteren Vorgehen beraten lassen, etwa bei einer zuständigen arbeitsrechtlichen Beratungsstelle oder deiner Rechtsschutzversicherung.

Für eine solche Beratung hilft ein geordneter Verlauf: Datum der Anfrage, vereinbarte Termine, vorhandene Antworten und die konkret strittigen Punkte. Das macht aus einem allgemeinen Unbehagen eine prüfbare Frage. Ein Zwischenzeugnis soll deine Arbeit verständlich dokumentieren – genau daran sollte sich auch die Diskussion über seine Korrektur orientieren.

Quelle und rechtliche Grundlage