Verkehr ’45: Was die Ostschweizer Kantone jetzt verlangen
Die Ostschweiz fordert bessere Anschlüsse, kleinere Bahnprojekte und andere Strassenprioritäten. Was ihre Stellungnahme zu Verkehr ’45 bedeutet.

Die Ostschweizer Regierungskonferenz verlangt Nachbesserungen am Verkehrsprogramm «Verkehr ’45». In ihrer am 16. September veröffentlichten Stellungnahme kritisiert sie, dass die Planung von Bahn und Strasse noch zu wenig aufeinander abgestimmt sei. Die Forderungen gehen im Rahmen der Vernehmlassung an den Bund.
Es handelt sich um die Position der beteiligten Kantone, nicht um bereits zugesagte Bauprojekte. Für Reisende und Pendelnde zeigt sie aber, welche Engpässe die Region politisch stärker gewichten möchte.
Der Knoten Zürich–Winterthur steht im Zentrum
Bei der Bahn verlangt die Konferenz ein verbindliches Konzept für attraktive Fernverkehrsverbindungen zwischen Zürich und Winterthur in Richtung Ostschweiz. Entscheidend seien funktionierende Anschlussknoten.
Warum das im Alltag wichtig ist, lässt sich an einem einfachen Beispiel erklären: Eine etwas schnellere Fahrt nützt wenig, wenn am Umsteigebahnhof der Anschluss knapp verpasst wird und eine lange Wartezeit folgt. Reisende erleben die gesamte Verbindung. Eine Infrastrukturplanung muss deshalb nicht nur einzelne Strecken, sondern auch das Zusammenspiel im Fahrplan betrachten.
Kleine Massnahmen können eine grosse Rolle spielen
Die Kantone fordern, Ergänzungen wie das Schliessen von Doppelspurlücken, Kreuzungsstellen und Weichen stärker zu berücksichtigen. Das bedeutet nicht, dass jede kleine Massnahme automatisch besser ist als ein Grossprojekt. Es verlangt einen Vergleich des konkreten Nutzens.
Für die Bewertung wären beispielsweise zusätzliche verlässliche Verbindungen, weniger Konflikte zwischen Zügen und bessere Anschlüsse aussagekräftiger als die Grösse eines Bauwerks allein. Ob eine bestimmte Massnahme diesen Nutzen erreicht, muss die Planung zeigen.
Auch Strassenprojekte werden genannt
Die Stellungnahme fordert unter anderem eine höhere Priorität für den Fäsenstaubtunnel in Schaffhausen, den Rosenbergtunnel mit Zubringer Güterbahnhof in St. Gallen sowie mehrere Umfahrungen. Die vollständige Projektliste steht in der offiziellen Mitteilung.
Diese Wünsche stehen im Zusammenhang mit der übergeordneten Überprüfung des Investitionsbedarfs. Die Kantone begründen ihre Position mit einer verlässlichen Anbindung der Ostschweiz. Daraus folgt jedoch weder eine abschliessende Finanzierung noch ein neuer Baubeginn.
Was der nächste politische Schritt ist
Eine Vernehmlassung sammelt Rückmeldungen zu einer Vorlage. Der Bund muss die unterschiedlichen regionalen und sachlichen Interessen anschliessend gewichten. Erst danach wird sichtbar, welche Forderungen in die weitere Vorlage einfliessen.
Für die Ostschweiz geht es damit um eine klare Prioritätensetzung: Welche Verbesserungen lösen im bestehenden Netz die grössten Probleme? Genau diese Frage unterscheidet eine nützliche Verkehrsplanung von einer blossen Wunschliste neuer Infrastruktur.
Quellen und Stand
Recherchestand: 16. September 2026. Zahlen und Verfahrensstände beziehen sich auf die jeweils genannten Erhebungs- und Meldedaten.