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# Trinkgeld ohne Abzüge? Was der Entscheid im Nationalrat wirklich bedeutet
- URL: https://www.schweiz.blog/trinkgeld-nationalrat-steuern-ahv-motion/
- Published: 2026-09-15T09:01:35.000Z
- Updated: 2026-09-16T13:30:29.000Z
- Description: Der Nationalrat unterstützt neue Regeln für freiwilliges Trinkgeld. Was verlangt wird, warum Kartenzahlungen wichtig sind und was heute noch nicht gilt.
- Author: schweizblog
- Tags: Arbeit, Finanzen, Politik

Du rundest die Restaurantrechnung auf und möchtest, dass der zusätzliche Betrag beim Personal ankommt. Was einfach klingt, führt bei Steuern und Sozialversicherungen zu komplizierten Abgrenzungen. Der Nationalrat hat nun Vorstösse unterstützt, die freiwilliges Trinkgeld in bestimmten Branchen klarer vom Lohn trennen sollen.

Der Schweizerische Gewerbeverband meldete den Entscheid am 14\. September. Für Beschäftigte und Betriebe ist dabei ein Punkt besonders wichtig: Ein überwiesener parlamentarischer Auftrag ist noch keine bereits wirksame Gesetzesänderung. Niemand sollte allein aufgrund dieser Meldung seine Abrechnung umstellen.

## Was die Vorstösse verlangen

Die Motionen betreffen freiwillige Trinkgelder in Branchen, in denen der Service bereits im Preis enthalten ist. Der Bundesrat soll eine Vorlage vorlegen, die solche Beträge aus dem massgebenden Lohn und dem steuerbaren Einkommen ausnimmt. Genannt werden insbesondere Gastronomie und Coiffeurgewerbe.

Der Ansatz unterscheidet zwischen dem Preis einer Dienstleistung und einem freiwilligen zusätzlichen Betrag. Genau diese Grenze müsste eine spätere Regelung rechtssicher ziehen. Nicht jede Zahlung lässt sich allein durch eine andere Bezeichnung aus dem Lohn herauslösen.

## Warum die digitale Zahlung die Diskussion verschärft

Auf einem Kartenterminal kann ein Trinkgeld als eigener Betrag sichtbar werden. Das macht seine Erfassung im Betrieb anders als bei einzelnen Münzen auf dem Tisch. Politisch steht deshalb auch die Frage im Raum, ob unterschiedliche Zahlungswege zu unterschiedlich gehandhabten Abzügen führen.

Aus Sicht der Gäste bleibt die Absicht häufig gleich: eine freiwillige Anerkennung für den Service. Für Buchhaltung und Sozialversicherungen muss aber zusätzlich klar sein, wem der Betrag zufliesst, wie er verteilt wird und welche rechtlichen Regeln anzuwenden sind.

Ein digital sichtbarer Betrag ist weder automatisch gewöhnlicher Lohn noch automatisch von allen Pflichten befreit. Diese Abgrenzung lässt sich nicht aus dem Knopf «Trinkgeld» auf dem Terminal ablesen.

## Weshalb der Bundesrat Vorbehalte hat

In seiner Stellungnahme zur Motion verweist der Bundesrat darauf, dass Trinkgelder bereits nach geltendem Recht beitragspflichtig sein können, wenn sie einen wesentlichen Teil des Entgelts ausmachen. Er sieht bei einer pauschalen Ausnahme auch die Gefahr von Missbrauch und verweist auf die soziale Absicherung der Beschäftigten.

Damit stehen zwei Anliegen nebeneinander: möglichst viel vom freiwilligen Betrag direkt auszahlen und Erwerbseinkommen angemessen in der Sozialversicherung berücksichtigen. Eine tragfähige Regelung muss diese Spannung lösen, statt nur eine der beiden Seiten zu nennen.

## Was Beschäftigte jetzt prüfen können

Unabhängig vom weiteren Gesetzgebungsprozess lohnt sich Transparenz im eigenen Betrieb. Wie werden bar und elektronisch erhaltene Trinkgelder erfasst? Gibt es einen gemeinsamen Topf? Nach welchen Regeln wird verteilt, und wo ist das für das Personal nachvollziehbar dokumentiert?

Diese Fragen lassen sich stellen, ohne eine neue steuerliche Behandlung vorwegzunehmen. Bei Unsicherheit über die konkrete Abrechnung sind die zuständige Ausgleichskasse beziehungsweise eine fachkundige Lohn- oder Steuerberatung die geeigneten Stellen.

## Und was heisst das für Gäste?

Du musst wegen des Vorstosses nicht auf eine bestimmte Zahlungsart wechseln. Wer sicherstellen möchte, wie ein zusätzlicher Betrag verteilt wird, kann im Betrieb nachfragen. Die politische Debatte beantwortet diese betriebliche Frage nicht automatisch.

Als Nächstes kommt es auf die konkrete Umsetzung an: den Geltungsbereich, die Abgrenzung zum regulären Lohn und einen möglichen Zeitpunkt des Inkrafttretens. Bis diese Punkte feststehen, ist «Trinkgeld neu generell abgabenfrei» die falsche Kurzfassung.

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## Quellen und Stand

Stand: 15\. September 2026.

- [Schweizerischer Gewerbeverband – Medienmitteilungen RSS: Nationalrat schafft Klarheit beim Trinkgeld](https://www.sgv-usam.ch/de/news-medien/medienmitteilungen/nationalrat-schafft-klarheit-beim-trinkgeld/?ref=schweiz.blog)
- [Schweizer Parlament: Motion 25.4578 und Stellungnahme des Bundesrats](https://www.parlament.ch/de/ratsbetrieb/suche-curia-vista/geschaeft?AffairId=20254578&ref=schweiz.blog)