Schweiz

Der unterschätzte Thurgau: Was du verpasst, wenn du nur durchfährst

Arenenberg, Kartause Ittingen, MoMö und Seeufer: Vier Ausflugsziele im Thurgau und zwei konkrete Ideen für einen entspannten Tagesausflug.

Schloss Arenenberg in Salenstein über einem herbstlichen Weinberg
Schloss Arenenberg in Salenstein, aufgenommen im Herbst 2019. Foto: JoachimKohler-HB · CC BY-SA 4.0. Auf 16:9 zugeschnitten.

Manche Kantone haben ein Bild, das sofort auftaucht: hohe Gipfel, eine bekannte Stadt oder ein berühmtes Bauwerk. Beim Thurgau denken viele zuerst an Äpfel und an die Strecke zwischen zwei anderen Zielen. Genau daran knüpfte eine Reddit-Diskussion über vermeintlich «vergessene» Kantone an.

Dabei eignet sich der Thurgau besonders für einen Ausflug ohne grosses Spektakel: Seeufer, kleine Orte, Gärten und Kulturgeschichte liegen hier nahe beieinander. Wer nur durchfährt, übersieht nicht unbedingt die eine weltberühmte Sehenswürdigkeit. Er übersieht die Möglichkeit, einen abwechslungsreichen Tag zusammenzustellen, ohne von Attraktion zu Attraktion hetzen zu müssen.

Hier sind vier konkret recherchierte Anlaufstellen und zwei Vorschläge, wie du daraus einen sinnvollen Ausflug machst. Öffnungszeiten und Verbindungen solltest du für deinen Reisetag prüfen; insbesondere ein Museumstag und eine Schifffahrt lassen sich nicht unabhängig von Saison und Fahrplan planen.

Arenenberg: Napoleon mit Blick auf den Untersee

Schloss Arenenberg in Salenstein verbindet eine besondere Familiengeschichte mit einer markanten Lage über dem Untersee. Hier lebten Hortense de Beauharnais und ihr Sohn Louis Napoléon, der spätere französische Kaiser Napoleon III. Das Napoleonmuseum erschliesst diese Geschichte am historischen Ort.

Der Besuch ist deshalb interessant, wenn du Kultur gern mit einer Landschaft verbindest. Statt nach einer Museumstür sofort wieder ins Auto zu steigen, kannst du auch die Gartenwelt in die Planung aufnehmen. Die touristischen Informationen beschreiben die Gärten als Teil der historischen Anlage; der Blick über den See ist ein eigener Grund, Zeit einzuplanen.

Wichtig ist die richtige Erwartung: Arenenberg ist kein Ausflug zum Schlachtfeld Napoleons I. Der Reiz liegt in einem anderen Kapitel der napoleonischen Geschichte, in einem Wohnort und dessen Umgebung. Wer das vorher weiss, schaut auf Räume und Biografien aufmerksamer als jemand, der lediglich ein berühmtes Schlagwort erwartet.

Für die Anreise mit dem öffentlichen Verkehr lohnt sich ein Blick auf Mannenbach-Salenstein beziehungsweise die aktuellen Verbindungen nach Arenenberg. Plane den Weg zwischen Seeufer und Schloss bewusst mit ein. Die Lage oberhalb des Wassers bedeutet, dass «am Untersee» nicht automatisch einen ebenen Spaziergang bis zur Eingangstür bezeichnet.

Kartause Ittingen: Ein Ort für einen langsameren Nachmittag

Die Kartause Ittingen bei Warth-Weiningen ist eine ehemalige Klosteranlage mit Museen, Gärten und gastronomischen Angeboten. Ihr Vorteil als Ausflugsziel ist die Kombination: Du kannst dich mit der Geschichte des Ortes beschäftigen und danach draussen weitergehen, ohne den Tag vollständig neu organisieren zu müssen.

Gerade bei wechselhaftem Wetter ist ein Ziel mit Innen- und Aussenbereichen praktisch. Entscheide vorab, ob du vor allem einen Museumsbesuch oder einen Aufenthalt in der Anlage möchtest. Wer alles zugleich erwartet, unterschätzt schnell, wie viel Zeit schon ein konzentrierter Rundgang beanspruchen kann.

Die Umgebung lädt dazu ein, den Museumsbesuch mit Bewegung zu verbinden. Thurgau Tourismus führt die Kartause auch in seinen Wanderangeboten. Wähle dafür aber eine konkrete Route mit passender Länge, anstatt aus einer schönen Luftaufnahme auf einen beliebig kurzen Rundweg zu schliessen.

Die Kartause passt besonders gut zu einem Tag, an dem du Ruhe suchst und trotzdem mehr mitnehmen willst als einen Kaffee an einem schönen Ort. Kultur und Landschaft stehen hier nicht in Konkurrenz. Du kannst selbst bestimmen, welcher Teil mehr Raum bekommt.

Arbon und das MoMö: Was hinter dem Apfelbild steckt

Äpfel sind beim Thurgau ein naheliegendes Motiv. Im MoMö, dem Schweizer Mosterei- und Brennereimuseum von Möhl in Arbon, bekommt dieses Motiv einen konkreten Inhalt. Das Museum widmet sich der Verarbeitung von Obst und der Geschichte des Mostens und Brennens.

Hier wird aus dem vertrauten Klischee von «Mostindien» ein greifbares Stück Regionalgeschichte. Ein regionales Produkt wird nachvollziehbar, wenn man erfährt, wie es hergestellt wird und welche Arbeit dahintersteht. Der Museumsbesuch lässt sich ausserdem mit einem Aufenthalt am Bodensee verbinden.

Das MoMö nennt auch ein Spielangebot für Kinder. Für Familien kann das ein guter Baustein sein, ersetzt aber nicht die Prüfung, welche Bereiche geöffnet und für das jeweilige Alter geeignet sind. Ein entspannter Familientag braucht nicht möglichst viele Stationen, sondern genug Zeit zwischen ihnen.

In Arbon lohnt es sich, zusätzlich das Seeufer als eigenen Teil des Ausflugs einzuplanen. Die regionalen Wanderinformationen beschreiben auch Abschnitte entlang des Bodensees in Richtung Romanshorn. Für einen kurzen Besuch genügt ein bewusst ausgewählter Teil; du musst nicht aus jeder Uferpromenade eine Tageswanderung machen.

Kreuzlingen: Seeufer statt bloss Grenzübergang

Kreuzlingen wird von Auswärtigen oft zusammen mit dem benachbarten Konstanz gedacht. Für einen Ausflug lohnt sich jedoch der Blick auf die Schweizer Seeseite selbst. Der Seeburgpark ist ein konkretes Ziel für einen Spaziergang und wird von Thurgau Tourismus auch bei den familienfreundlichen Erlebnisorten vorgestellt.

Das ist vor allem dann eine gute Option, wenn du keine langen Anfahrten zwischen einzelnen Sehenswürdigkeiten möchtest. Ein Tag am Wasser kann auch ohne Eintrittsprogramm funktionieren. Wetter, Wind und die Bedürfnisse der Mitreisenden entscheiden dabei mehr über den gelungenen Ausflug als eine möglichst umfangreiche Liste.

Kombiniere den Park deshalb lieber mit einer überschaubaren weiteren Station als mit drei Museen an verschiedenen Enden des Kantons. Der Thurgau belohnt gerade die Art von Planung, bei der noch Platz bleibt, an einem schönen Ort länger zu sitzen.

Vorschlag eins: Untersee und Arenenberg

Für einen Kultur- und Landschaftstag setzt du Arenenberg als Hauptziel. Prüfe zuerst den Museumsbetrieb und die Anreise, danach ergänze einen Aufenthalt am Untersee, etwa im Raum Mannenbach oder Ermatingen. So passt das zusätzliche Programm geografisch zum Schwerpunkt.

Bei gutem Wetter gibst du Garten und Ufer mehr Zeit. Bei unsicherem Wetter bleibt das Museum der verlässliche Mittelpunkt. Falls du ein Schiff einbauen möchtest, beginne die Planung mit dessen tatsächlichem Fahrplan und nicht mit der Annahme, irgendwann werde schon eines fahren.

Dieser Vorschlag eignet sich besonders für Menschen, die Geschichte mögen, aber keinen ganzen Tag in Innenräumen verbringen wollen. Wähle Schuhe für die Wege und Höhenunterschiede und plane eine Pause ein. Das klingt unspektakulär, verbessert einen Ausflug aber oft stärker als eine zusätzliche Sehenswürdigkeit.

Vorschlag zwei: Arbon, MoMö und Bodensee

Für einen stärker alltags- und familienbezogenen Ausflug bietet sich Arbon mit MoMö und Seeufer an. Kläre die Museumszeiten, entscheide dich für einen passenden Abschnitt am Wasser und halte den Rest flexibel. Bei Kindern sind Spiel- und Essenspausen Teil des Plans, keine Störung davon.

Kartause Ittingen würde ich nicht noch automatisch an denselben Tag anhängen. Sie verdient einen eigenen Schwerpunkt, etwa zusammen mit einer passenden Wanderung in ihrer Umgebung. So entstehen mehrere gute Ausflüge aus dem Thurgau, statt ein einziger Tag, der hauptsächlich aus Ortswechseln besteht.

Und ein geografischer Hinweis verhindert eine häufige Verwechslung: Stein am Rhein gehört zum Kanton Schaffhausen. Der Ort kann natürlich Teil einer Reise am Untersee sein, sollte aber nicht als thurgauische Sehenswürdigkeit verkauft werden.

Der Thurgau muss keine Kopie eines Bergkantons sein, um einen Besuch zu verdienen. Sein Angebot liegt in einer anderen Art von Ausflug: überschaubare Distanzen innerhalb eines gewählten Gebiets, regionale Geschichten und Zeit am Wasser. Wer dafür einen Tag reserviert, hat einen guten Grund, beim nächsten Mal nicht einfach durchzufahren.


Quellen und Stand

Stand: 15. September 2026.