Cyberrisiken bei Solaranlagen: Warum der Wechselrichter zum Sicherheitsthema wird
Vernetzte Wechselrichter können zum gemeinsamen Angriffspunkt werden. Was die Warnung bedeutet und welche Fragen Anlagenbesitzer stellen sollten.

Eine Solaranlage besteht nicht nur aus Modulen auf dem Dach. Ihr Wechselrichter wandelt den erzeugten Gleichstrom in netztauglichen Wechselstrom um; über Kommunikationsfunktionen können Geräte zudem überwacht und teilweise ferngesteuert werden. Genau diese Vernetzung steht im Zentrum einer neuen Warnung: SRF berichtet am 16. September über Cyberrisiken, die das Nationale Testinstitut für Cybersicherheit NTC bei Solar-Wechselrichtern untersucht hat.
Der zugrunde liegende neue Bericht war zum Zeitpunkt der SRF-Meldung noch nicht öffentlich verfügbar. Einzelne Testbefunde und ihre Reichweite lassen sich deshalb noch nicht vollständig anhand einer veröffentlichten Studie nachvollziehen. Die Meldung beschreibt ein mögliches Angriffsszenario. Sie belegt keinen bereits erfolgten flächendeckenden Angriff auf Schweizer Solaranlagen.
Das Problem entsteht durch gemeinsame Abhängigkeiten
Schon in einer öffentlichen Einordnung vom September 2025 beschrieb das NTC den kritischen Mechanismus: Viele kleine Stromerzeuger sind über Herstellerplattformen und Fernzugriffe miteinander verbunden. Würden zahlreiche Anlagen gleichzeitig manipuliert oder abgeschaltet, könnte das Netz stärker betroffen sein als beim Ausfall eines einzelnen Hausdachs.
Das Institut untersucht deshalb Wechselrichter und Energiemanagementsysteme. Es unterscheidet technische Schwachstellen, die Konzentration auf wenige Anbieter und die möglichen Folgen koordinierter Eingriffe für die Netzstabilität. Ein gemeinsamer Dienst kann praktisch sein, schafft aber auch eine gemeinsame Abhängigkeit.
Fernzugriff ist nicht automatisch eine Sicherheitslücke
Fernwartung und Ertragsüberwachung haben einen legitimen Nutzen. Entscheidend ist, wer Zugriff erhält, welche Befehle möglich sind und wie Systeme abgesichert werden. Ein Gerät mit Internetverbindung ist nicht allein dadurch nachweislich kompromittiert.
Nach SRF verwies Huawei auf verschlüsselte Verbindungen und die Möglichkeit eines Offline-Betriebs. Swissolar fordert dem Bericht zufolge verbindliche Cyberstandards und eine bessere Übersicht über fernsteuerbare Leistung. Diese Positionen betreffen unterschiedliche Ebenen: den Schutz eines Produkts einerseits und die Abhängigkeiten des gesamten Stromsystems andererseits.
Was Eigentümer jetzt sinnvoll abklären können
Statt eine Anlage aus Sorge eigenmächtig abzuschalten, lohnt sich ein geordnetes Gespräch mit dem Installationsbetrieb. Die folgende Fragenliste hilft, die eigene technische Ausgangslage zu erfassen:
- Gerätebestand: Welcher Wechselrichter und welches Energiemanagementsystem sind installiert? Wo stehen Modell, Seriennummer und Softwarestand?
- Zugriff: Welche Personen und Firmen haben ein Konto oder einen Wartungszugang? Wer entfernt nicht mehr benötigte Berechtigungen?
- Aktualisierung: Wer überwacht Sicherheitsmeldungen und übernimmt freigegebene Updates?
- Cloud-Abhängigkeit: Welche Funktionen benötigen die Herstellerplattform? Was passiert bei einer Störung dieses Dienstes?
- Zuständigkeit: Wen rufe ich bei ungewöhnlichem Verhalten an, und wo sind die Unterlagen dazu hinterlegt?
Arbeiten an elektrischen Komponenten und Änderungen an netzrelevanten Einstellungen gehören zu Fachpersonen. Auch ein vermeintlich einfacher Eingriff in die Verbindung kann Überwachung oder vereinbarte Steuerungsfunktionen beeinflussen. Die passende Lösung hängt von der konkreten Installation ab.
Beim Neukauf gehört Sicherheit ins Angebot
Wer Angebote vergleicht, kann neben Leistung, Preis und Garantie schriftlich nach dem vorgesehenen Software-Support fragen. Ebenso wichtig sind klar geregelte Verantwortlichkeiten nach der Inbetriebnahme: Ist Wartung enthalten, wie werden Kunden über notwendige Massnahmen informiert und wer hilft, wenn der ursprüngliche Installationsbetrieb nicht mehr verfügbar ist?
Ein günstiges Gerät ohne nachvollziehbaren Betreuungsweg kann später organisatorischen Aufwand verursachen. Umgekehrt ist ein bestimmtes Herkunftsland allein kein vollständiger technischer Sicherheitsnachweis. Für einen belastbaren Vergleich braucht es konkrete Produkteigenschaften, Zugriffskonzepte und überprüfbare Zusagen.
Was die Warnung noch nicht beantwortet
Aus dem möglichen Schadensausmass lässt sich keine genaue Eintrittswahrscheinlichkeit ableiten. Für die weitere Beurteilung sind die veröffentlichten Testmethoden, die betroffenen Konfigurationen und die Reaktionen der Hersteller entscheidend. Ebenso ist zu prüfen, welche Befunde bereits behoben wurden.
Der relevante Schluss für Anlagenbesitzer ist deshalb kein pauschaler Verzicht auf Solarenergie. Die digitale Betreuung sollte genauso nachvollziehbar organisiert sein wie die elektrische Installation. Eine kurze Geräteliste mit Zuständigkeiten ist dafür ein brauchbarer Anfang.
Quellen und Stand
Stand: 16. September 2026.