Wirtschaft

Schweizer Scale-ups: Wachstum hier, immer mehr Kapital aus dem Ausland

265 Wachstumsfirmen und 26.6 Milliarden Franken Wert: Ein neuer Bericht zeigt Stärken der Schweiz – und eine Lücke bei der Wachstumsfinanzierung.

Joanne Sieber, CEO von Deep Tech Nation Switzerland.
Joanne Sieber, CEO von Deep Tech Nation Switzerland. Bildquelle: Deep Tech Nation / Moneycab.

Die Schweiz bringt nicht nur Start-ups hervor, sondern auch zunehmend bedeutende Wachstumsunternehmen. Der «Swiss Scale-Up Report 2026» identifiziert 265 solcher Firmen mit einer geschätzten gemeinsamen Bewertung von 26.6 Milliarden Franken. Zugleich zeigt er, dass ein sinkender Teil ihres Wachstumskapitals aus der Schweiz stammt.

Schweizer Investoren stellten 2025 laut Bericht 13 Prozent des Kapitals in späteren Finanzierungsrunden bereit. Im Durchschnitt der Jahre 2019 bis 2022 waren es 27 Prozent. Diese Anteile beschreiben die Herkunft der Finanzierung, nicht den Standort sämtlicher Arbeitsplätze.

Die Untersuchung richtig lesen

Der Bericht unterscheidet zwischen 265 identifizierten Unternehmen und 75 vertieft befragten Firmen. Nicht jede Prozentangabe beruht damit auf derselben Gruppe. Die Autoren schätzen die gesamte Schweizer Scale-up-Population zudem grösser ein als die identifizierte Auswahl.

Für die Interpretation bedeutet das: Ein Befragungsergebnis ist nicht automatisch eine vollständige Volkszählung aller Wachstumsunternehmen. Ebenso ist eine Unternehmensbewertung weder Jahresumsatz noch verfügbares Geld auf einem Bankkonto.

Weshalb ausländisches Kapital nicht automatisch ein Problem ist

Wachstum braucht häufig mehr Mittel, als die ersten Investoren bereitstellen können. Internationale Geldgeber können Finanzierung, Kontakte und Marktzugang ermöglichen. Eine Firma kann dadurch in der Schweiz zusätzliche Tätigkeiten aufbauen und gleichzeitig mehr ausländische Eigentümer bekommen.

Die wirtschaftspolitische Frage ist deshalb genauer: Wie kann die Schweiz am finanziellen Erfolg der hier entstehenden Unternehmen beteiligt bleiben, ohne notwendiges internationales Kapital abzuschneiden? Arbeitsplätze, Steuerbasis und Eigentumsrendite sind miteinander verbunden, aber nicht identisch.

Die nächste Hürde liegt oft im Verkauf

In der vertieften Befragung nennt eine Mehrheit Vertrieb und Kundengewinnung als operative Herausforderung. Das passt zur Phase eines Scale-ups: Ein funktionierendes Produkt muss wiederholbar neue Kundschaft erreichen, statt nur in einzelnen Pilotprojekten zu überzeugen.

Dafür reichen technologische Stärke und Forschungsnähe allein nicht. Unternehmen brauchen tragfähige Verkaufsprozesse, eine passende Organisation und genügend finanzielle Zeit, um neue Märkte zu erschliessen.

Was der Bericht nicht verspricht

Aus einer hohen Gesamtbewertung folgt keine sichere Rendite für eine einzelne Anlage. Auch eine schnell wachsende Firma kann an Finanzierung, Konkurrenz oder Umsetzung scheitern. Der Bericht ist daher eine Bestandsaufnahme des Ökosystems, keine Kaufempfehlung.

Seine wichtigste Erkenntnis ist die Trennung zweier Fähigkeiten: Die Schweiz kann gute Unternehmen hervorbringen. Ob sie deren spätere Wachstumsphase ebenso stark mitfinanziert und mitgestaltet, ist eine zusätzliche Aufgabe.

Quellen und Stand

Recherchestand: 16. September 2026. Zahlen und Verfahrensstände beziehen sich auf die jeweils genannten Erhebungs- und Meldedaten.