Schweizer Militärnachrichtendienst: Wachsamkeit statt einfacher Prognosen
Stefano Trojani spricht über internationale Spannungen. Was seine Lageeinschätzung bedeutet – und weshalb Warnsignale keine sichere Vorhersage sind.

Stefano Trojani, Chef des Schweizer Militärischen Nachrichtendienstes, beschreibt die internationale Sicherheitslage in einem Interview mit RSI als zunehmend angespannt. Swissinfo veröffentlicht eine deutschsprachige Aufbereitung des Gesprächs. Im Zentrum stehen mehrere gleichzeitig zu beobachtende Konflikte und ihre möglichen Verbindungen.
Die Aussagen sind eine Lageeinschätzung. Sie sollten nicht als Ankündigung eines unmittelbar bevorstehenden Angriffs auf die Schweiz gelesen werden.
Risiken wirken über Grenzen hinweg
Trojani betrachtet unter anderem den Krieg in der Ukraine, mögliche Sabotage und Spannungen zwischen Grossmächten. Sein wesentlicher Punkt ist die Verbindung dieser Entwicklungen: Ressourcen, Verkehrswege und politische Entscheidungen in einer Region können die Möglichkeiten in einer anderen beeinflussen.
Für ein kleines Land bedeutet das, internationale Sicherheit nicht allein durch die eigene Landesgrenze zu betrachten. Daraus folgt jedoch nicht, dass jeder Konflikt dieselbe Bedeutung für die Schweiz besitzt oder jede befürchtete Entwicklung eintreten wird.
Nachrichtendienstliche Einschätzung ist keine Gewissheit
Der Wert einer Analyse liegt auch darin, Unsicherheit sichtbar zu machen. Ein beobachtetes Signal kann mehrere Erklärungen haben. Die Zuordnung einer mutmasslichen Sabotagehandlung ist beispielsweise etwas anderes als der blosse Nachweis, dass eine Störung stattgefunden hat.
Wer aus einem Interview nur die alarmierendste Formulierung herausgreift, verliert diese Unterscheidung. Für die öffentliche Einordnung zählen deshalb sowohl die beschriebenen Risiken als auch die Grenzen dessen, was sich sicher sagen lässt.
Weshalb mehrere Krisen gleichzeitig anspruchsvoll sind
Eine einzelne Herausforderung lässt sich unter Umständen mit vorhandenen Reserven bearbeiten. Mehrere parallele Entwicklungen können dieselben Kapazitäten beanspruchen. Das ist ein Problem der Vorbereitung, selbst wenn nicht jedes ungünstige Szenario eintritt.
Eine solche Betrachtung erklärt Wachsamkeit ohne die Behauptung, der schlimmste Fall sei unausweichlich. Vorbereitung und Prognose sind verschiedene Aufgaben: Man kann sich auf ein Risiko einstellen, ohne dessen Eintritt als sicher darzustellen.
Was Leserinnen und Leser aus dem Interview mitnehmen können
Achte bei Sicherheitsmeldungen darauf, wer eine Aussage macht und welche Art von Aussage vorliegt: bestätigtes Ereignis, behördliche Zuschreibung, analytische Einschätzung oder mögliches Szenario. Diese Kategorien helfen, Übertreibung und Verharmlosung zugleich zu vermeiden.
Das Interview liefert einen Einblick in die Perspektive des Militärischen Nachrichtendienstes. Es ersetzt keine vollständige öffentliche Lageanalyse aller beteiligten Stellen. Sein Kern ist die Notwendigkeit, mehrere Entwicklungen aufmerksam zusammen zu betrachten – nicht die Zusage einer einfachen Vorhersage.
Quellen und Stand
Recherchestand: 16. September 2026. Zahlen und Verfahrensstände beziehen sich auf die jeweils genannten Erhebungs- und Meldedaten.