Alltag

5,7 Millionen Beschäftigte: Schweizer Arbeitsmarkt wächst weiter

Die Zahl der Beschäftigten ist im zweiten Quartal 2026 um zwei Prozent gestiegen. Gleichzeitig bleiben fast 100'000 Stellen offen, und mehr als ein Drittel der Unternehmen meldet Mühe bei der Fachkräftesuche.

Arbeitende auf einer Baustelle an der Esplanade Théodelinde in Genf
MHM55 (Symbolbild aus der Schweiz; zeigt den zweiten Sektor, während der grösste Stellenzuwachs bei Dienstleistungen lag.) · CC BY-SA 4.0 · Lizenz

Der Schweizer Arbeitsmarkt wächst weiter. Im zweiten Quartal 2026 zählte das Bundesamt für Statistik (BFS) ohne Landwirtschaft 5,698 Millionen Beschäftigte. Das sind 111'800 oder zwei Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Der Zuwachs verteilt sich auf Industrie, Bau und Dienstleistungen, ist im Dienstleistungssektor aber deutlich stärker. Gleichzeitig waren 98'700 Stellen offen. Die neuen Zahlen zeigen damit zwei Entwicklungen nebeneinander: mehr Arbeitsplätze und eine weiterhin anspruchsvolle Suche nach qualifiziertem Personal.

Das Wichtigste

  • Im zweiten Quartal gab es 5,698 Millionen Beschäftigte, zwei Prozent mehr als vor einem Jahr.
  • Das Arbeitsvolumen entsprach 4,435 Millionen Vollzeitäquivalenten.
  • 98'700 Stellen waren offen; besonders stark stieg die Zahl der Vakanzen im zweiten Sektor.
  • 33,9 Prozent der Unternehmen meldeten Schwierigkeiten bei der Suche nach qualifizierten Arbeitskräften.

Dienstleistungen treiben den Zuwachs

Von den insgesamt 5,698 Millionen Beschäftigten arbeiteten 4,550 Millionen im Dienstleistungssektor. Gegenüber dem zweiten Quartal 2025 kamen dort 98'700 Stellen hinzu, ein Plus von 2,2 Prozent. In Industrie und Bau stieg die Zahl um 13'100 auf 1,148 Millionen, was einem Wachstum von 1,2 Prozent entspricht. Der grösste Teil des absoluten Zuwachses entstand somit bei den Dienstleistungen.

Auch gegenüber dem Vorquartal setzte sich die Aufwärtsbewegung fort. Saisonbereinigt erhöhte sich die Gesamtbeschäftigung um 30'700 Stellen oder 0,5 Prozent. Im zweiten Sektor betrug das Plus 3'000 Stellen, im dritten Sektor 29'400. Kleine Abweichungen zwischen der Summe der Sektoren und dem Total können durch Rundungen und die saisonale Bereinigung entstehen.

Die Zahl der Beschäftigten ist nicht dasselbe wie die Zahl der Erwerbstätigen. Eine Person kann mehrere Stellen haben, während die Beschäftigungsstatistik Arbeitsplätze in Unternehmen erfasst. Für die tatsächliche Arbeitsleistung ist deshalb auch die Umrechnung in Vollzeitäquivalente wichtig. Diese stieg innert Jahresfrist um 82'700 beziehungsweise 1,9 Prozent auf 4,435 Millionen.

Teilzeit bleibt ein zentraler Faktor

2,388 Millionen Beschäftigte arbeiteten Teilzeit. Frauen stellten 68,2 Prozent dieser Gruppe und insgesamt 46,5 Prozent aller Beschäftigten. Die Zahlen machen sichtbar, weshalb reine Kopfzahlen die Struktur des Arbeitsmarkts nur teilweise abbilden. Zwei Teilzeitstellen können zusammen weniger als eine Vollzeitstelle ausmachen, zugleich aber zwei Beschäftigungsverhältnisse darstellen.

Für die Einordnung von Wachstum und Personalbedarf lohnt sich deshalb der Blick auf beide Messgrössen. Sowohl die Zahl der Beschäftigten als auch die Vollzeitäquivalente legten zu. Das spricht dafür, dass der Anstieg nicht allein durch eine Verschiebung zu kleineren Pensen entstanden ist. Wie sich die Entwicklung auf einzelne Branchen, Berufe und Regionen verteilt, muss jedoch anhand der detaillierten BFS-Tabellen beurteilt werden.

Fast 100'000 offene Stellen

Im zweiten Quartal meldeten die Unternehmen 98'700 offene Stellen. Das waren 2'600 oder 2,7 Prozent mehr als im Vorjahresquartal. Hinter dem Gesamtwert stehen gegenläufige Bewegungen: In Industrie und Bau nahm die Zahl der Vakanzen um 21,8 Prozent zu, im Dienstleistungssektor sank sie um 2,4 Prozent. Die gesamtwirtschaftliche Quote offener Stellen lag bei 1,7 Prozent. Im zweiten Sektor betrug sie 2,1 Prozent, im dritten 1,6 Prozent.

Der Fachkräftemangel bleibt spürbar. Gewichtet nach Beschäftigung gaben 33,9 Prozent der Unternehmen an, Schwierigkeiten bei der Rekrutierung qualifizierter Arbeitskräfte zu haben. Gegenüber dem Vorquartal war das ein Anstieg um 0,4 Prozentpunkte. Die Zahl ist kein Beleg dafür, dass überall gleichermassen Personal fehlt: Je nach Branche, Qualifikation und Region kann die Lage sehr unterschiedlich sein.

Für die kommenden Monate überwiegt bei den Betrieben dennoch vorsichtiger Optimismus. 11,3 Prozent planten einen Personalaufbau, 3,9 Prozent einen Abbau. Der BFS-Beschäftigungsaussichtsindikator lag bei 1,04 und damit 0,6 Prozent über dem Vorquartal. Ein Wert oberhalb von eins signalisiert insgesamt positive Erwartungen, garantiert aber noch kein entsprechendes Wachstum. Konjunktur, Exportnachfrage und Finanzierungskosten können die Pläne rasch verändern.

Bei den offenen Stellen handelt es sich um eine Stichprobenschätzung, nicht um eine vollständige Zählung sämtlicher Inserate. Mehrfach ausgeschriebene Stellen und Rekrutierung über verschiedene Kanäle lassen sich deshalb nicht direkt mit Stellenportalen vergleichen. Das BFS verwendet eine einheitliche Erhebungsmethode, damit Zeitvergleiche möglich bleiben.

Die Zahlen zeigen per 27. August ein robustes zweites Quartal. Sie sagen jedoch wenig über Löhne, Arbeitsplatzqualität oder die Verteilung des Wachstums aus. Für Haushalte und Unternehmen bleibt deshalb entscheidend, welche Berufe tatsächlich gesucht werden und ob Qualifikationen, Arbeitsort und Pensum zusammenpassen.

Quellen