Wohnen

Schimmel in der Mietwohnung: Was du dokumentieren, melden und abklären solltest

Erst dokumentieren, dann gezielt handeln: mit BAG-Einordnung, Foto- und Feuchtigkeitsprotokoll sowie einer Vorlage für die Meldung an die Verwaltung.

Flache 2D-Illustration eines Fensters mit Schimmelspuren, Feuchtigkeitsanzeige und Checkliste.

Schwarze Punkte am Fenster, ein muffiger Geruch hinter dem Schrank oder ein Fleck, der nach dem Wegwischen zurückkommt: Wer Schimmel entfernen möchte, sucht meist zuerst nach einem Mittel. In einer Mietwohnung ist aber ein anderer Anfang sinnvoller: Ausmass festhalten, die Verwaltung informieren und klären, woher die Feuchtigkeit kommt.

Die kurze Antwort: Einzelne kleine, oberflächliche Schimmelspuren können ein Bagatellfall sein. Grösserer, dichter, wiederkehrender oder verdeckter Befall braucht eine Abklärung. Fotografiere vor der Reinigung, melde das Problem rasch und beginne keine umfangreiche Eigensanierung. Ein Feuchtigkeitsprotokoll kann die Untersuchung unterstützen, ersetzt sie aber nicht.

Schimmel entfernen: Was du selbst machen kannst – und wann nicht

Das Bundesamt für Gesundheit unterscheidet ausdrücklich zwischen blossen Spuren und stärkerem Bewuchs. Die häufig im Internet genannte Grenze von einem halben Quadratmeter ist deshalb keine pauschale Freigabe für eine Reinigung in Eigenregie. Auch ein viel kleinerer Fleck kann bei dichtem Bewuchs anders zu beurteilen sein.

Was du beobachtestSinnvoller erster Schritt
Einzelne oberflächliche Spuren bis etwa 10 × 10 cm, nur an einer Stelle in einem Raum, ohne Hinweise auf ein grösseres ProblemFotografieren und melden. Solche Bagatellspuren lassen sich laut BAG mit Wasser und gewöhnlichem Haushaltreiniger entfernen.
Dichter Bewuchs, wiederkehrender Fleck, mehrere betroffene Stellen oder feuchtes MaterialVerwaltung umgehend informieren und fachliche Abklärung veranlassen lassen. Die Ursache muss mitbehandelt werden.
Starker Befall, tief betroffene Materialien oder auffälliger Geruch ohne sichtbare UrsacheKeine Eigensanierung. Ausmass und Ursache fachlich untersuchen lassen; stark betroffene Räume vorsorglich nicht nutzen.

Die Tabelle dient der ersten Orientierung. Wenn du unsicher bist, ob du oberflächliche Spuren oder dichten Bewuchs siehst, wähle die Abklärung. Die Farbe allein beantwortet weder die Frage nach der Ursache noch nach einer sicheren Reinigungsmethode.

Bei geschwächtem Immunsystem oder schweren Atemwegserkrankungen gelten besondere Vorsichtsmassnahmen. Betroffene sollten die Situation mit ihrer behandelnden Fachperson besprechen und nicht selbst sanieren. Bei gesundheitlichen Beschwerden ist eine medizinische Abklärung sinnvoll; ein Foto der Wand erlaubt keine Diagnose.

Die ersten Schritte, bevor du putzt

  1. Übersicht schaffen. Welche Räume und Materialien sind betroffen? Gibt es sichtbares Wasser, einen frischen Wasserschaden oder einen auffälligen Geruch?
  2. Belege sichern. Fotografiere den Zustand vor jeder Reinigung. Notiere Datum, Ort und ungefähres Ausmass.
  3. Verwaltung informieren. Beschreibe die Beobachtung sachlich. Bei einem akuten Wasseraustritt zusätzlich sofort den zuständigen Notfallkontakt nutzen.
  4. Vorgehen abstimmen. Kläre, wer besichtigt, wer die Sanierung beauftragt und welche Massnahmen bis dahin vorgesehen sind.

Überstreichen löst kein Feuchtigkeitsproblem. Ebenso wenig ist ein Raumduft eine Antwort auf Schimmelgeruch. Vermeide trockenes Abbürsten oder Abschleifen, bei dem Material verteilt wird. Reinigungsmittel nie miteinander mischen; insbesondere chlorhaltige Produkte dürfen nicht mit Säuren wie Essig kombiniert werden.

Eine kleine geeignete Oberfläche zu reinigen ist etwas anderes als Tapeten abzureissen, Fugen vollständig auszubauen oder eine Wand zu öffnen. Solche Eingriffe können Spuren beseitigen, Material verteilen und die spätere Klärung erschweren. Stimme sie in einer Mietwohnung zuerst ab.

Ein Fotoprotokoll, das wirklich hilft

Ein einzelnes Nahfoto zeigt oft nur einen dunklen Ausschnitt. Für eine Besichtigung sind drei Ansichten hilfreicher: der Raum, die betroffene Wand und die konkrete Stelle. So bleibt nachvollziehbar, ob der Fleck am Fenster, an einer Aussenwand, hinter Möbeln oder nahe einer Leitung liegt.

Lege für jede Stelle einen kurzen Eintrag an. Zum Beispiel:

Stelle S1 – Schlafzimmer, Aussenwand links vom Fenster
Erstmals gesehen: [Datum]
Ausdehnung: etwa [Breite] × [Höhe] cm
Oberfläche: [Tapete / Anstrich / Fuge / anderes]
Beobachtung: [Punkte / zusammenhängender Belag / Verfärbung / Feuchtigkeit / Geruch]
Fotos: [Raumübersicht], [Wand], [Detail mit Massstab]
Bisherige Massnahmen: [keine / genaue Beschreibung mit Datum]
Meldung an Verwaltung: [Datum, Kontakt, Antwort]

Ein daneben gehaltener Massstab hilft beim Grössenvergleich. Berühre oder kratze die Stelle dafür nicht auf. Fotografiere bei ähnlichem Licht aus derselben Richtung, wenn du später eine Veränderung dokumentierst. Bewahre die Originaldateien auf und verwende keine Filter, die Farbe oder Kontrast verändern.

Auch scheinbar unauffällige Informationen können nützlich sein: War die Wand schon beim Einzug verfärbt? Trat das Problem nach einem Wasserereignis auf? Wurden Fenster ersetzt? Steht ein grosses Möbel dicht davor? Notiere Beobachtungen, ohne daraus schon eine Schuldzuweisung abzuleiten.

So führst du ein Feuchtigkeitsprotokoll

Ein einfaches Thermo-Hygrometer erfasst Temperatur und relative Luftfeuchtigkeit. Damit kannst du den Verlauf im Raum dokumentieren. Es misst jedoch nicht zuverlässig, wie feucht das Innere einer Wand ist, und beweist weder falsches Lüften noch einen Baumangel.

Für eine erste Übersicht kannst du etwa eine Woche lang morgens und abends am gleichen geeigneten Ort messen. Stelle das Gerät nicht direkt über die Heizung, in die Sonne, an das geöffnete Fenster oder unmittelbar in den Dampf einer Dusche. Halte die Bedingungen möglichst vergleichbar und beachte die Geräteanleitung.

Wichtig: Warte nicht mit der Meldung an die Verwaltung, bis diese Woche vorbei ist. Das Protokoll läuft ergänzend zur Abklärung. Eine laufende Undichtigkeit oder stark betroffene Räume verlangen sofortiges Handeln.

FeldWas du einträgst
Datum und UhrzeitJe Messung ein Eintrag.
Raum und MessortZum Beispiel Schlafzimmer, Regal gegenüber der Tür.
Temperatur / LuftfeuchteAbgelesene °C und % relative Feuchtigkeit.
LüftenWann, wie lange und welche Fenster geöffnet waren.
NutzungDuschen, Kochen, Wäschetrocknen, viele Personen oder längere Abwesenheit.
BeobachtungBeschlagene Scheibe, Geruch oder Veränderung an Stelle S1.

Fiktiver Beispieleintrag: 3. Oktober, 07:10 Uhr; Schlafzimmer, Regal; 19 °C, 61 %; vor dem Lüften; Fenster innen leicht beschlagen. Zweiter Eintrag um 07:30 Uhr: nach fünf Minuten Querlüften und anschliessender Wartezeit, 19 °C, 47 %. Diese Zahlen illustrieren nur die Dokumentation. Sie sind keine Messwerte einer untersuchten Wohnung.

Zeige den Verlauf, statt einen einzelnen günstigen Wert auszuwählen. Ein kurz nach dem Lüften aufgenommenes Foto des Displays kann die nächtliche Situation verdecken. Umgekehrt sagt ein kurzzeitiger hoher Wert nach dem Duschen noch nicht, wie sich der Raum über Stunden verhält.

Welche Luftfeuchtigkeit ist sinnvoll?

Das BAG empfiehlt für die Heizperiode als Orientierung 30 bis 50 Prozent relative Luftfeuchtigkeit, etwa 20 bis 21 °C in Wohnräumen und 18 °C im Schlafzimmer. Sehr kalte Aussenwände können allerdings auch bei scheinbar unauffälliger Raumluft problematisch sein. Eine grüne Anzeige am Hygrometer ist daher keine Garantie gegen Schimmel.

Bei Fensterlüftung ist kurzes, vollständiges Öffnen mit Luftaustausch sinnvoller als dauerhaft gekippte Fenster im Winter. In einer Wohnung mit mechanischer Lüftung müssen deren Betrieb und Wartung zur Abklärung passen. Verändere eine solche Anlage nicht einfach auf Verdacht.

Lass feuchte Luft aus Küche und Bad gezielt abziehen und vermeide stark ausgekühlte Räume. Welche Temperaturen und Abstände zu Aussenwänden nötig sind, hängt auch vom Gebäude ab. Die Aufforderung «mehr lüften» ersetzt deshalb keine Untersuchung einer undichten Leitung, einer Wärmebrücke oder eines anderen Bauproblems.

Die Mängelmeldung an die Verwaltung

Der Mieterverband empfiehlt, Mängel rasch und beweisbar zu melden. Fotos und eine schriftliche Meldung helfen. Bei einem relevanten oder strittigen Schaden ist ein eingeschriebener Brief sinnvoll; einen akuten Vorfall meldest du zusätzlich über den schnellen Kontaktweg.

Betreff: Schimmel- und Feuchtigkeitsproblem in der Wohnung [Adresse]

Guten Tag
Am [Datum] habe ich in [Raum und genaue Stelle] [Beobachtung, ungefährer Umfang] festgestellt. Zusätzlich fällt [Geruch / Feuchtigkeit / wiederkehrender Befall] auf. Fotos des aktuellen Zustands sind beigefügt.

Bitte bestätigen Sie den Eingang und teilen Sie mir mit, wann eine Besichtigung und Abklärung von Ursache und Ausmass erfolgen. Bitte informieren Sie mich auch über das vorgesehene Vorgehen zur Beseitigung und darüber, was bis dahin zu beachten ist. Für einen Termin bin ich unter [Kontakt] erreichbar.

Bewahre Meldung, Empfangsnachweis und Antworten zusammen auf. Nach einem Telefongespräch kannst du die vereinbarten Schritte kurz schriftlich festhalten: Wer kommt wann? Was wird untersucht? Wer meldet sich zurück? Das macht den weiteren Ablauf für beide Seiten überprüfbar.

Wer bezahlt – und darfst du weniger Miete überweisen?

Die Kostenfrage lässt sich nicht aus einem Schimmelfoto beantworten. Entscheidend sind unter anderem Ursache, Verantwortlichkeit und die tatsächlichen Umstände. Ein Baumangel und ein durch die Nutzung verursachtes Problem können unterschiedliche Folgen haben. Eine ungeklärte Ursache ist kein guter Zeitpunkt für ein vorschnelles Schuldanerkenntnis.

Bei einer eingeschränkten Gebrauchstauglichkeit kann eine Mietzinsherabsetzung in Betracht kommen. Kürze die Überweisung aber nicht eigenmächtig. Der Mieterverband warnt vor diesem Vorgehen. Auch eine Mietzinshinterlegung hat formelle Voraussetzungen; Geld auf dem eigenen Sparkonto zurückzuhalten ist keine korrekte Hinterlegung.

Wenn die Verwaltung nicht reagiert oder die Verantwortung strittig bleibt, wende dich mit deinen Unterlagen an den Mieterverband, eine Rechtsberatung oder die zuständige Schlichtungsbehörde. Eine geordnete Dokumentation ist dafür hilfreicher als eine lange Sammlung unzugeordneter Handybilder.

Woran erkennst du eine nachhaltige Lösung?

Frage nach der ermittelten Ursache, dem betroffenen Material, der vorgesehenen Beseitigung und der Nachkontrolle. Eine optisch saubere Wand allein zeigt nicht, dass die Feuchtigkeitsquelle behoben wurde. Halte auch den Zustand nach den Arbeiten fest und melde einen erneuten Befall zeitnah.

Verzichte darauf, ohne Anlass immer neue Schimmeltests zu kaufen. Das BAG weist auf Grenzen von Schimmelpilzmessungen hin. Für deinen Fall ist vor allem wichtig, ob Feuchtigkeit und Befall am Gebäude fachlich untersucht und dauerhaft behoben werden.

Quellen und Stand

Geprüft am 15. September 2026. Vorlagen und Beispiele sind eigene Arbeitshilfen. Die Beurteilung einer konkreten Wohnung erfordert bei unklarem oder relevantem Befall eine fachliche Untersuchung.