Schweiz

39 Tage Haft in Cherson: Pawlo Schmulewitsch erzählt von seinem Überleben

Pawlo Schmulewitsch berichtet bei SRF über 39 Tage russische Gefangenschaft. Heute lebt er in Zürich und fordert eine rechtsstaatliche Aufarbeitung.

Pawlo Schmulewitsch in der SRF-Reportage. Redaktionelle Bildmontage von SRF.
Pawlo Schmulewitsch in der SRF-Reportage. Redaktionelle Bildmontage von SRF. Bildquelle: SRF.

Pawlo Schmulewitsch lebt heute in Zürich. In einer neuen SRF-Reportage schildert der ukrainische Ökonom, wie er 2022 im besetzten Cherson verschleppt wurde und 39 Tage in russischer Gefangenschaft überlebte. Seine Geschichte handelt von schwerer Gewalt, von einer Flucht und vom Versuch, in der Schweiz wieder einen Alltag aufzubauen.

Was Schmulewitsch gegenüber SRF berichtet

Nach seiner Darstellung drangen am 6. Juli 2022 bewaffnete Männer in seine Wohnung ein und brachten ihn in ein Untersuchungsgefängnis. Er beschreibt Misshandlungen und sexualisierte Gewalt während der Haft. Weshalb er festgenommen wurde, sei ihm bis heute nicht vollständig erklärt worden.

Nach seiner Freilassung gelangte er mit seiner Mutter über die Krim, Russland und Georgien aus dem besetzten Gebiet. Später kam er in die Schweiz. In Zürich arbeitet er unter anderem als Ökonom und als Gabbai, also als Laienfunktionsträger in einer Synagoge. Gegenüber SRF erzählt er auch von einer längeren Psychotherapie und seinem Wunsch, die Verantwortlichen vor Gericht zu sehen.

Eine Stimme aus der Gefangenschaft

Im Mittelpunkt der SRF-Reportage steht Schmulewitschs eigene Schilderung. Er spricht sowohl über die Gefangenschaft als auch über sein heutiges Leben. Damit setzt er der Anonymität abstrakter Opferzahlen eine persönliche Erfahrung entgegen. Seine Aussagen sind als Zeugnis eines Betroffenen zu verstehen, nicht als bereits abgeschlossenes Gerichtsurteil.

Wer den Fall genauer verstehen möchte, findet die ausführliche Darstellung in der unten verlinkten Originalreportage. Die dort dokumentierte persönliche Perspektive lässt sich nicht durch eine Liste besonders erschütternder Einzelheiten ersetzen.

Weshalb die Geschichte auch die Schweiz betrifft

Mit der Ankunft in einem sicheren Land endet die unmittelbare Gefahr. Die Verarbeitung von Gewalt hat jedoch keinen vergleichbaren, klaren Endpunkt. Schmulewitschs Bericht macht diese zeitliche Differenz sichtbar: Beruf, Gemeinschaft und Alltag können wieder Platz bekommen, während das Erlebte weiterhin Teil des Lebens bleibt.

Daraus sollte keine Erwartung entstehen, dass andere Betroffene denselben Weg gehen oder öffentlich über ihre Erfahrungen sprechen müssen. Eine veröffentlichte Biografie ist ein einzelner Lebensweg, kein Massstab für gelungene Integration oder Genesung.

Aufarbeitung braucht rechtsstaatliche Verfahren

Schmulewitsch wünscht sich eine gerichtliche Aufarbeitung. Für eine solche Aufarbeitung kommt es auf gesicherte Beweise, nachvollziehbare Verantwortlichkeiten und faire Verfahren an. Öffentlichkeit kann auf das Anliegen aufmerksam machen; sie ersetzt kein Gericht.

Seine Entscheidung, darüber zu sprechen, verdient eine Berichterstattung, die ihn als Person ernst nimmt. Dazu gehört, seine heutige Arbeit und sein Leben sichtbar zu machen und die Gewalterfahrung nicht zum einzigen Merkmal seiner Geschichte werden zu lassen.

Quellen und Stand

Stand: 16. September 2026.