Patientenverfügung ausfüllen: So bereitest du Entscheidungen und das Arztgespräch vor
Patientenverfügung vorbereiten: kurze und ausführliche FMH-Vorlagen vergleichen, Wünsche besprechen sowie Unterschrift, Vertretung und Aufbewahrung klären.

Wer eine Patientenverfügung ausfüllt, muss nicht heute jede denkbare Behandlung für später entscheiden. Es geht darum, dem Behandlungsteam und einer vertrauten Person verständlich zu machen, was dir wichtig ist, falls du selbst nicht mehr entscheiden kannst. Ein gutes Formular hilft dabei. Es ersetzt aber nicht das Gespräch über die Bedeutung seiner Auswahlfelder.
Für den Einstieg: Wähle eine seriöse Originalvorlage, bestimme eine Vertretungsperson und besprich offene medizinische Fragen mit deiner Ärztin oder deinem Arzt. Fülle die Verfügung aus, datiere und unterschreibe sie eigenhändig. Sorge anschliessend dafür, dass die aktuelle Version im Bedarfsfall auffindbar ist. Die Originalformulare weiter unten sind frei zugänglich.
Stand: 15. September 2026. Die medizinischen Entscheidungen bleiben persönlich; dieser Leitfaden hilft bei Vorbereitung, Form und Organisation.
Wann wird eine Patientenverfügung gebraucht?
Eine Patientenverfügung ist für medizinische Entscheidungen bei Urteilsunfähigkeit gedacht. Solange du die konkrete Behandlungssituation verstehen, abwägen und deinen Willen bilden kannst, entscheidest du selbst. Ein hohes Alter, eine Diagnose oder Schwierigkeiten beim Sprechen bedeuten für sich allein noch nicht, dass deine Verfügung an die Stelle deiner aktuellen Entscheidung tritt.
Du kannst darin festhalten, welchen medizinischen Massnahmen du zustimmst oder welche du ablehnst. Zusätzlich kannst du eine Person bezeichnen, die deine Interessen gegenüber dem Behandlungsteam vertritt. Diese Person soll sich an deinem Willen orientieren. Sie erhält damit keinen Auftrag, im Ernstfall einfach ihre eigenen Vorstellungen durchzusetzen.
Kurz oder ausführlich: Welche Originalvorlage passt?
Für einen nachvollziehbaren Vergleich eignen sich die beiden deutschsprachigen FMH-Versionen. Sie stammen vom selben Herausgeber, unterscheiden sich aber im Umfang und in der Detaillierung. Die Seitenzahlen umfassen auch Hinweise und weitere Bestandteile; «kurz» bedeutet hier nicht ein einziges Blatt.
| Vorlage | Stärken und sinnvoller Einsatz |
|---|---|
| FMH-Kurzversion, PDF 8 Seiten in der geprüften Fassung | Kompakter Einstieg mit persönlichen Angaben, Vertretung, Werten und Behandlungszielen. Gut, um eine erste strukturierte Verfügung gemeinsam zu besprechen. |
| FMH-Ausführliche Version, PDF 14 Seiten in der geprüften Fassung | Mehr Raum für differenzierte Festlegungen. Modular aufgebaut; besonders hilfreich, wenn du einzelne Themen genauer klären möchtest. |
| FMH-Übersicht mit Wegleitung | Ausgangspunkt für die jeweils verfügbaren Originalfassungen und ergänzende Erklärungen. |
Wähle nicht allein nach der Seitenzahl. Eine ausführliche Verfügung mit unverstandenen Antworten hilft weniger als eine kürzere, die du sorgfältig durchgesprochen hast. Umgekehrt kann bei einer bekannten Erkrankung gerade die zusätzliche Differenzierung wichtig sein. Nimm in diesem Fall das Formular zum nächsten Behandlungsgespräch mit.
Vor dem Ankreuzen: Was bedeutet Lebensqualität für dich?
Allgemeine Sätze wie «Ich will nicht leiden» sind nachvollziehbar, beantworten aber selten eine konkrete Behandlungssituation. Eine persönliche Beschreibung kann deinem Umfeld helfen, Entscheidungen einzuordnen. Du musst dafür keine medizinische Fachsprache verwenden und auch keine vermeintlich richtige Haltung übernehmen.
Schreibe zunächst auf einem separaten Blatt kurze Antworten auf diese selbst zusammengestellten Gesprächsfragen:
- Welche Fähigkeiten oder Begegnungen geben meinem Alltag besonders viel Bedeutung?
- Was würde ich vorübergehend in Kauf nehmen, wenn eine realistische Aussicht auf Erholung besteht?
- Welche Erfahrungen mit Krankheit oder Pflege prägen meine Wünsche?
- Welche Begriffe im Formular verstehe ich noch nicht gut genug?
- Was soll meine Vertretung über meine Prioritäten wissen, auch wenn der konkrete Fall nicht beschrieben ist?
Diese Notizen sind eine Vorbereitung, kein Ersatz für eine datierte und unterschriebene Verfügung. Übertrage die Aussagen, die tatsächlich zu dir passen, in das dafür vorgesehene Feld. Prüfe anschliessend, ob sie mit deinen angekreuzten Behandlungswünschen zusammenpassen.
Drei Situationen, die du nicht gleichsetzen solltest
Die FMH-Formulare unterscheiden unter anderem einen plötzlichen Notfall, eine schwere Krankheit mit länger dauernder Urteilsunfähigkeit und eine voraussichtlich bleibende Urteilsunfähigkeit. Diese Unterscheidung ist wichtig: Was du bei realistischer Erholungsaussicht möchtest, muss nicht dasselbe sein wie bei einer Situation ohne vergleichbare Perspektive.
Eine Antwort zu Wiederbelebung beantwortet zudem nicht automatisch jede andere Behandlungsfrage. Verzicht auf eine bestimmte lebensverlängernde Massnahme bedeutet nicht, dass keine Betreuung oder Linderung belastender Symptome mehr erfolgen soll. Besprich die jeweiligen Kombinationen im Originalformular, statt aus einem einzelnen Kreuz eine pauschale Aussage über sämtliche Behandlungen abzuleiten.
So bereitest du das Arztgespräch vor
Bitte bei der Terminvereinbarung ausdrücklich um Zeit für die Patientenverfügung. Sende nicht kommentarlos ein langes Formular und erwarte eine Unterschrift als reine Formalität. Markiere vorher die Fragen, bei denen du die Folgen einer Entscheidung nicht beurteilen kannst.
| Deine Frage | Was das Gespräch klären soll |
|---|---|
| Welche Situationen sind bei meiner gesundheitlichen Ausgangslage besonders relevant? | Die Verfügung mit der persönlichen Situation verbinden, ohne sämtliche denkbaren Notfälle durchzuspielen. |
| Was würde diese Auswahl medizinisch bedeuten? | Behandlungsziel und konkrete Massnahme auseinanderhalten. |
| Passen meine freien Aussagen zu den angekreuzten Feldern? | Widersprüche erkennen, bevor jemand unter Zeitdruck interpretieren muss. |
| Welche offenen Fragen soll ich mit meiner Vertretung besprechen? | Medizinische Information und persönliche Wertvorstellungen zusammenführen. |
Bei einer ernsthaften Erkrankung kann eine weitergehende gesundheitliche Vorausplanung sinnvoll sein. Lass dir erläutern, welche Unterstützung in deiner Behandlungssituation verfügbar ist. Eine allgemeine Internetvorlage kann die individuelle Prognose nicht bewerten.
Die Vertretungsperson: Zustimmung und Erreichbarkeit klären
Frage die gewünschte Person, ob sie diese Aufgabe übernehmen möchte. Sprich auch darüber, ob sie deine Wünsche vertreten könnte, wenn andere Angehörige eine andere Meinung haben. Entscheidend sind Vertrauen, Verständnis und die Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen – nicht nur die verwandtschaftliche Nähe.
Kontrolliert gemeinsam Namen, Telefonnummern und weitere Kontaktdaten. Wenn du eine Ersatzperson festhältst, muss die Reihenfolge eindeutig sein. Gib deiner Vertretung eine Kopie und erläutere deine wichtigsten Überlegungen. Ein unterschriebenes Dokument, von dem die eingetragene Person nichts weiss, ist organisatorisch schlecht vorbereitet.
Ausfüllen und unterschreiben: die Formprüfung
Eine Patientenverfügung muss nicht vollständig handschriftlich verfasst werden. Du kannst eine Vorlage am Computer ausfüllen, ausdrucken und anschliessend datieren und eigenhändig unterschreiben. Das unterscheidet sie vom eigenhändigen Vorsorgeauftrag. Beim Erstellen musst du urteilsfähig sein; eine andere Person kann die persönlichen Entscheidungen nicht einfach für dich treffen.
- Sind Personalien und Geburtsdatum eindeutig?
- Ist die Vertretung mit aktuellen Kontaktdaten bezeichnet?
- Sind Auswahlfelder widerspruchsfrei ausgefüllt?
- Sind freie Ergänzungen verständlich zugeordnet?
- Sind die vorgesehenen Datums- und Unterschriftsfelder ausgefüllt?
Bei der modularen ausführlichen FMH-Version beachtest du die Unterschriftsfelder der verwendeten Teile. Verlasse dich nicht darauf, dass eine einzelne Unterschrift auf einem losen Zusatzblatt den gesamten Dokumentensatz zweifelsfrei abdeckt. Halte zusammengehörige Seiten in einer vollständigen Fassung bereit.
Wo aufbewahren – und wann aktualisieren?
Bestimme einen bekannten, zugänglichen Aufbewahrungsort. Eine Kopie kann bei deiner behandelnden Praxis und deiner Vertretung liegen; bei vorhandenem elektronischem Patientendossier kannst du auch dort eine Kopie hinterlegen. Eine Hinweiskarte im Portemonnaie erleichtert es, die Verfügung und die Kontaktperson zu finden.
Führe eine kleine Verteilliste: Wer hat welche Fassung erhalten? Bei einer Änderung ersetzt du die Kopien und kennzeichnest alte Versionen eindeutig als überholt. So vermeidest du, dass im Spital ein anderer Stand vorliegt als bei der Familie.
Die FMH empfiehlt eine Überprüfung ungefähr alle zwei Jahre mit erneuter Datierung und Unterschrift. Das ist keine automatische gesetzliche Zweijahres-Verfallsfrist. Prüfe die Verfügung zusätzlich bei einer wichtigen Diagnose, nach einer veränderten persönlichen Haltung oder wenn deine Vertretung nicht mehr verfügbar ist.
Häufige Fragen
Ist ein Notartermin nötig?
Für die beschriebene schriftliche Patientenverfügung grundsätzlich nicht. Wichtig sind Urteilsfähigkeit, Datum und eigenhändige Unterschrift. Bei einer Kombination mit anderen Vorsorgedokumenten sind deren jeweilige Formvorgaben separat zu beachten.
Kann ich meine Meinung ändern?
Ja. Eine Patientenverfügung kann geändert oder widerrufen werden. Sorge dabei für einen eindeutigen aktuellen Stand und informiere die Personen, die eine ältere Fassung haben.
Muss ich jedes Feld sofort entscheiden?
Du solltest nichts ankreuzen, dessen Bedeutung dir unklar ist. Notiere die offene Frage und bespreche sie. Unklare oder widersprüchliche Festlegungen werden nicht dadurch besser, dass das Formular lückenlos aussieht.