Kultur

Michelle Hunziker: Was hinter ihrer Leichtigkeit auf der Bühne steckt

Von Ostermundigen über Sanremo bis zum ESC: Wie Michelle Hunziker ihre Bühnenarbeit entwickelt hat und sich mit Doppia Difesa engagiert.

Michelle Hunziker (Mitte) mit Sandra Studer (links) und Hazel Brugger beim ESC-Finale in Basel, Mai 2025. Archivbild.
Michelle Hunziker (Mitte) mit Sandra Studer (links) und Hazel Brugger beim ESC-Finale in Basel, Mai 2025. Archivbild. Foto: Wojciech Pędzich · CC BY 4.0. Bildausschnitt: 16:9.

Ein Mikrofon, ein enger Zeitplan und ein Publikum, das in mehreren Sprachen zuhört: Für Michelle Hunziker gehört diese Kombination zum Beruf. Beim Eurovision-Finale in Basel am 17. Mai 2025 wurde daraus ein besonderer Moment. Die in Ostermundigen aufgewachsene Moderatorin stand gemeinsam mit Hazel Brugger und Sandra Studer auf einer Schweizer Bühne, nachdem sie über Jahre vor allem im deutschen und italienischen Fernsehen gearbeitet hatte. Ihre internationale Laufbahn führte für einen Abend sichtbar nach Hause.

Wer Hunziker nur als vertrautes Gesicht aus Unterhaltungssendungen kennt, übersieht leicht, welche Fähigkeiten hinter dieser Vertrautheit stecken. Zwischen Sanremo, «Wetten, dass..?» und Eurovision liegen unterschiedliche Sprachen, Abläufe und Erwartungen. Ihr Weg zeigt, wie vielseitig Moderation sein kann – und wie sich eine grosse Öffentlichkeit auch für ein Anliegen ausserhalb des Showgeschäfts nutzen lässt.

Eine Schweizer Karriere mit mehreren Bühnen

Die SRG stellte Hunziker bei der Bekanntgabe des ESC-Teams ausdrücklich mit ihrer internationalen Erfahrung vor. Zu den Referenzen gehörten «Striscia la Notizia» in Italien, das Festival von Sanremo und «Wetten, dass..?». Die Aufzählung ist mehr als eine Sammlung bekannter Sendungsnamen: Sie beschreibt eine Moderatorin, die in mehreren Fernsehkulturen arbeiten kann.

Ein vertrauter Witz lässt sich nicht immer einfach übersetzen. Ebenso wenig funktioniert jeder Gesprächsrhythmus vor jedem Publikum. Wer zwischen solchen Formaten wechselt, muss zuhören, Übergänge finden und die Aufmerksamkeit im Raum einschätzen. Genau darin liegt der interessante Teil von Hunzikers Laufbahn. Ihre Herkunft wird durch die Arbeit im Ausland nicht unsichtbar; sie gehört zu einem beruflichen Profil, das sich über Landesgrenzen entwickelt hat.

Für die Schweiz ist das ein schöner Blick auf Internationalität: Eine Karriere kann weit wegführen und trotzdem erkennbar mit dem Ausgangspunkt verbunden bleiben. Beim ESC in Basel passte diese Verbindung besonders gut zu einem Gastgeberland, dessen Alltag selbst von mehreren Sprachen geprägt ist.

Sanremo: Wenn Leichtigkeit einen Zeitplan braucht

Wie konkret Hunzikers Arbeit aussehen kann, erzählte sie Radio 105 während des Sanremo-Festivals 2018. Im Gespräch mit Max Brigante ging es auch um die Aufgabe, auf der Bühne die Zeit im Blick zu behalten. Bei einem Festival mit zahlreichen Liedern, Gästen und Übergängen ist das ein wesentlicher Teil der Moderation.

Hunziker beschrieb zugleich die entspannte Atmosphäre hinter den Kulissen und die Zusammenarbeit mit Claudio Baglioni. Für ihre eigenen Gesangsauftritte nannte sie einen komischen Abschluss als wichtigen Bestandteil. Das ist eine aufschlussreiche Unterscheidung: Als Moderatorin muss sie den musikalischen Gästen den Raum nicht streitig machen. Sie kann mit Gesang und Humor eine andere Funktion innerhalb derselben Show übernehmen.

Aus diesen Schilderungen entsteht ein präziseres Bild als aus dem üblichen Lob ihrer guten Laune. Leichtigkeit ist hier eine Arbeitsaufgabe. Eine Überleitung soll angenehm wirken und gleichzeitig die Sendung voranbringen. Ein Auftritt darf überraschen, muss sich aber in den Abend einfügen. Das Publikum soll den Zeitplan möglichst wenig spüren, obwohl er ständig mitläuft.

Erfahrung schützt nicht vor Lampenfieber

Vor Sanremo 2018 sprach Hunziker auch mit dem RAI-Magazin «Radiocorriere TV» über ihre Rückkehr. Elf Jahre nach ihrer ersten Moderation des Festivals hoffte sie auf mehr Reife und berufliche Sicherheit. Gleichzeitig machte sie keinen Hehl daraus, dass eine solche Bühne Nervosität und Verantwortung mit sich bringt.

Bemerkenswert ist ihre Erinnerung an die Schweiz: Sie habe Sanremo früher mit der Familie im Fernsehen verfolgt. Das Festival war damit schon lange vor ihrer eigenen Arbeit dort Teil ihres Lebens. Der spätere Auftritt verbindet eine Kindheitserinnerung mit einem anspruchsvollen Beruf.

Solche Aussagen machen den Erfolg greifbarer. Hinter der Routine steht kein Mensch, dem jede Herausforderung automatisch leichtfällt. Erfahrung bedeutet vielmehr, mit einer bekannten Anspannung umgehen zu können. Wer selbst vor einem Vortrag, einem wichtigen Gespräch oder einem Auftritt nervös ist, kennt zumindest die kleinere Version dieses Spannungsverhältnisses.

In Basel trug ein Team den Abend

Auch vor dem Eurovision Song Contest sprach Hunziker offen über diese Spannung. Im SRF-Interview vom April 2025 verglich sie das Moderieren mit dem Moment vor einem Bungee-Sprung: Vorher komme die Frage, warum man sich darauf eingelassen habe; danach die Freude am Erlebnis. Der Vergleich war eine persönliche Beschreibung, keine Pose von Unverwundbarkeit.

Im selben Gespräch zeigte sich, wie unterschiedlich die drei Moderatorinnen auf die gemeinsame Aufgabe blickten. Studer betonte die Unterstützung durch ihre Kolleginnen, Brugger brachte ihren trockenen Humor ein. Hunziker verband die Vorfreude mit einer positiven Sicht auf die kulturelle Vielfalt des Wettbewerbs.

Das macht die Besetzung interessant: Ein grosses Format muss nicht von drei möglichst ähnlichen Personen getragen werden. Unterschiedliche Stärken können sich ergänzen. Für Hunziker war Basel eine Gelegenheit, ihre Erfahrung in ein Ensemble einzubringen. Für das Publikum entstand ein Abend, an dem verschiedene Schweizer Laufbahnen nebeneinander Platz hatten.

Doppia Difesa: Aufmerksamkeit bekommt eine Aufgabe

Ein weiterer Teil ihres öffentlichen Wirkens ist Doppia Difesa. Hunziker gründete die italienische Stiftung 2007 gemeinsam mit der Juristin Giulia Bongiorno. Nach ihrer eigenen Darstellung unterstützt die Organisation Frauen, die Diskriminierung, Missbrauch oder Gewalt erlebt haben. Sie nennt psychologische und juristische Beratung sowie die Arbeit von Fachpersonen als Bestandteile ihres Angebots.

Für ein Porträt ist diese Arbeitsteilung entscheidend. Ein prominentes Gesicht kann ein Thema sichtbar machen; die konkrete Beratung braucht qualifizierte Menschen. Die Stiftung beschreibt entsprechend ein Team aus Mitarbeitenden, Psychologinnen und Psychologen sowie Anwältinnen und Anwälten. Hunzikers Rolle als Mitgründerin steht in diesem Zusammenhang mit einer Struktur, die über einzelne Fernsehauftritte hinausgeht.

Bereits im RAI-Interview von 2018 sprach sie über die Bedeutung dieses Engagements für ihren Alltag. Eine Wirkung in Zahlen lässt sich daraus nicht ableiten. Belegt ist aber, dass sie das Thema über viele Jahre öffentlich begleitet hat und es als festen Teil ihrer Arbeit versteht.

Der Wert einer vielseitigen Laufbahn

Michelle Hunzikers Karriere wird verständlicher, wenn man auf die einzelnen Tätigkeiten schaut: Gespräche führen, Zeit halten, singen, einen komischen Moment setzen, mit Kolleginnen einen Abend tragen und ein gesellschaftliches Anliegen vertreten. Hinter dem bekannten Namen steckt ein Bündel unterschiedlicher Aufgaben.

Darin liegt auch die Stärke ihrer Verbindung zur Schweiz. Sie steht für einen Weg, auf dem Herkunft und Offenheit zusammenpassen. Basel war ein sichtbarer Höhepunkt dieser Verbindung. Die Grundlagen dafür entstanden über Jahre – in Proben, Live-Sendungen, Zusammenarbeit und der Bereitschaft, sich immer wieder auf ein anderes Publikum einzulassen.


Quellen und Stand

Stand: 15. September 2026.