Luca Hänni: Warum seine Geschichte nach DSDS erst richtig interessant wird
DSDS, ESC und neue Herausforderungen: Luca Hännis Entwicklung als Künstler und sein konkretes Engagement für die Schmetterlingskinder von DEBRA.

Luca Hännis Karriere beginnt in vielen Rückblicken mit einem Siegerfoto aus dem Jahr 2012. Das ist verständlich: Mit 17 gewann er «Deutschland sucht den Superstar». Doch wer dort stehen bleibt, übersieht die interessanteste Frage. Wie wird aus einem frühen Fernseherfolg eine Arbeit, die auch viele Jahre später noch neue Formen annimmt?
Bei Hänni lässt sich diese Entwicklung an unterschiedlichen Aufgaben verfolgen. Er hat Tanzwettbewerbe angenommen, die Schweiz beim Eurovision Song Contest vertreten und bei «The Masked Singer» unter einer Verkleidung gesungen. Dazu kommt ein Engagement, das abseits von Platzierungen liegt: seine Unterstützung für DEBRA Schweiz und Menschen, die mit Epidermolysis Bullosa leben. Zusammen ergibt das ein Porträt über Lernbereitschaft und darüber, wofür Bekanntheit eingesetzt werden kann.
Der Anfang war musikalischer, als das Casting-Etikett vermuten lässt
Die offizielle Eurovision-Biografie beschreibt einen frühen Zugang zur Musik: Hänni begann als Kind mit dem Schlagzeug und beschäftigte sich später mit Klavier, Gitarre und Gesang. Nach der Schule trat er zunächst eine Maurerlehre an. Der Erfolg im Fernsehen traf damit auf einen Alltag, der nicht einfach nur auf eine einzige Show ausgerichtet war.
2012 gewann er DSDS als erster Sieger ohne deutsche Staatsangehörigkeit. Für einen 17-Jährigen war das eine enorme Beschleunigung. Aus einem Wettbewerb wurde Öffentlichkeit, aus einem Talent eine berufliche Erwartung. Das erklärt, weshalb die Frage nach dem Weiterarbeiten mindestens so interessant ist wie die nach dem Gewinnen.
Das Wort Castingstar kann dabei den Blick verengen. Es beschreibt den Ort, an dem ein Publikum jemanden entdeckt hat. Es sagt wenig darüber aus, welche Fähigkeiten danach hinzukommen. Eine erste Chance ist eine Tür; was dahinter entsteht, braucht weitere Entscheidungen.
Bei Hänni lohnt es sich, genau diese Entscheidungen anzusehen. Der gemeinsame Nenner liegt weniger in einer einzigen Stilrichtung als in der Bereitschaft, sich mit einer neuen Aufgabe vor Publikum zu zeigen. Das ist keineswegs selbstverständlich, wenn man bereits für etwas Bestimmtes bekannt ist.
Tanzen als neue Aufgabe
Vor «Dance Dance Dance» berichtete RTL 2017 über Hännis Vorbereitung mit Prince Damien. Hänni erklärte damals, zuvor nicht getanzt zu haben. Für den Wettbewerb bedeutete das: Choreografien erarbeiten, Bewegungsabläufe verinnerlichen und gemeinsam mit einem Partner funktionieren.
Im Oktober gewannen die beiden das Finale. Der Sender dokumentierte auch, dass sie dort eine frühere, schwächere Darbietung nochmals aufgriffen. Das macht den Erfolg anschaulicher als die blosse Platzierung. Eine Leistung war nicht beim ersten Versuch fertig; sie wurde erneut bearbeitet.
Für Menschen, die selbst etwas Neues lernen, ist daran ein ermutigender Gedanke: Bekanntheit nimmt einem die Anfängerrolle nicht ab. Man kann in einem Bereich erfolgreich sein und in einem anderen wieder üben müssen. Dies öffentlich zu tun, verlangt zusätzlich die Bereitschaft, sich bewerten zu lassen.
Eine Tanzshow ist natürlich eine besondere Situation mit professioneller Unterstützung. Sie lässt sich nicht eins zu eins auf jeden Alltag übertragen. Der grundlegende Vorgang bleibt aber verständlich: eine konkrete Schwierigkeit erkennen, daran arbeiten und später überprüfen, was besser geworden ist.
Der ESC machte mehrere Fähigkeiten gleichzeitig sichtbar
2019 vertrat Hänni die Schweiz in Tel Aviv mit «She Got Me» und erreichte den vierten Platz. Die offizielle Eurovision-Seite führt ihn auch als einen der Songautoren auf. Damit gehört zu dieser Station neben dem Auftritt die Beteiligung an der musikalischen Arbeit.
Ein ESC-Beitrag verdichtet viele Anforderungen in wenige Minuten. Stimme, Bewegung, Kamera und Dramaturgie müssen zusammenpassen. Für das Publikum wirkt das im besten Fall wie eine einzige Darbietung; in der Herstellung sind es verschiedene Aufgaben, die gleichzeitig gelöst werden müssen.
Der offizielle Mitschnitt des Finalauftritts bietet deshalb einen guten Zugang zu Hännis Arbeit. Er zeigt das konkrete Ergebnis, über das gesprochen wird, und lässt Raum für einen eigenen Eindruck.
Luca Hänni – She Got Me. Offizieller Mitschnitt des ESC-Finals 2019.
Der vierte Platz bleibt eine wichtige Schweizer ESC-Station. Für dieses Porträt ist jedoch ebenso interessant, dass hier Fähigkeiten zusammenkommen, die zuvor an unterschiedlichen Orten gewachsen waren. Musikalische Ausbildung, Fernseherfahrung und die Beschäftigung mit Bewegung stehen plötzlich in einem gemeinsamen Format.
Noch einmal anders klingen
2023 folgte eine weitere Aufgabe: Hänni gewann die achte Staffel von «The Masked Singer» als Schuhschnabel. ProSieben bestätigte das Ergebnis nach dem Finale. In seinem Rückblick auf die Teilnahme beschrieb Hänni die Möglichkeit, eine neue Seite zu zeigen, als besonders erfreulich.
Das Format dreht einen Teil der üblichen Prominentenlogik um. Das bekannte Gesicht wird verborgen, während Stimme und Darbietung Hinweise geben. Für jemanden, der seit Jahren öffentlich wahrgenommen wird, eröffnet das einen anderen Spielraum.
Darin liegt auch für das Publikum ein reizvoller Moment. Ein vertrauter Name kann Erwartungen auslösen, bevor ein Ton gesungen ist. Unter einer Maske verschiebt sich die Aufmerksamkeit. Die Frage lautet zunächst, was zu hören und zu sehen ist, und erst danach, wer dahintersteckt.
Was sein Engagement für DEBRA konkret bedeutet
Besonders greifbar wird eine andere Seite bei DEBRA Schweiz. Die Patientenorganisation besteht seit 1998 und unterstützt Betroffene sowie Angehörige im Alltag. Sie nennt Hänni ausdrücklich als Botschafter, der das Anliegen der Schmetterlingskinder in die Öffentlichkeit trägt.
Es bleibt dabei nicht bei einer allgemeinen Unterstützungsformel. DEBRA beschreibt, dass Hänni Betroffene kostenlos zu seinen Konzerten einlädt. Interessierte sollen sich wegen der Organisation an DEBRA wenden. Eine solche Möglichkeit verbindet Bekanntheit mit einer konkreten Begegnung.
Die Organisation selbst leistet Beratung, ermöglicht Austausch und hilft nach eigenen Angaben in bestimmten Situationen auch finanziell, wenn Sozialversicherungen Kosten nicht übernehmen. Dieses Netzwerk wird von Betroffenen, Angehörigen und Fachpersonen mitgetragen.
Ein prominenter Botschafter ersetzt diese Arbeit nicht. Er kann ihr jedoch zusätzliche Aufmerksamkeit geben und Menschen erreichen, die sich sonst kaum mit dem Thema beschäftigt hätten. Gerade die Verbindung von öffentlicher Sichtbarkeit und einem praktischen Angebot macht Hännis Beitrag nachvollziehbar.
Eine Karriere, die weiter Aufgaben annimmt
Auch der nächste angekündigte Schritt passt zu diesem Bild. Auf seiner Website kündigt Hänni Moderationsaufgaben beim WinterVarieté NOCK in Zofingen ab dem 10. Dezember 2026 an. Zum Stand dieses Porträts liegt das noch in der Zukunft. Es ist eine weitere Gelegenheit, sich in einer anderen Rolle zu erproben.
Die Stärke dieser Laufbahn besteht nicht darin, dass jeder Schritt schon beim ersten Erfolg festgestanden hätte. Interessant ist, wie sich aus verschiedenen Aufgaben ein breiteres Können entwickelt. Singen, tanzen, auftreten und moderieren haben Berührungspunkte, verlangen aber jeweils eigene Aufmerksamkeit.
Luca Hänni bleibt deshalb auch lange nach DSDS eine Schweizer Persönlichkeit, bei der sich ein genauer Blick lohnt. Seine Geschichte erzählt vom Weiterlernen nach einem frühen Durchbruch. Und das Engagement für DEBRA zeigt, dass eine Bühne mehr sein kann als der Ort der eigenen Leistung: Sie kann auch eine Tür öffnen, durch die andere Menschen dazugehören.
Quellen und Stand
Stand: 15. September 2026.
- Eurovision: Biografie, Songautoren und Ergebnis 2019
- RTL: Luca Hänni vor Dance Dance Dance, 1. September 2017
- RTL: Sieg bei Dance Dance Dance, 13. Oktober 2017
- ProSieben: Sieg bei The Masked Singer, 7. Mai 2023
- DEBRA Schweiz: Organisation, Botschafter und Konzerteinladungen
- Luca Hänni: offizielle Website und angekündigte Auftritte
- Eurovision: She Got Me, Finalauftritt 2019