Wohnen

Lebensdauertabelle verstehen: Wie Alter und Zeitwert deine Auszugsrechnung verändern

Neu streichen oder einen Boden ersetzen: Wer zahlt wie viel? So prüfst du Haftung, Alter, notwendige Arbeiten und Restwert vor der Zustimmung zur Schlussrechnung.

Flache Illustration mit Farbroller, Kalender und Bodenbelag zur Lebensdauertabelle.

Nach der Wohnungsabgabe kommt eine Rechnung: neue Farbe, ein neuer Boden oder der Ersatz eines Geräts. Bevor du den Betrag akzeptierst, lohnt sich die Frage nach dem Alter. Die Lebensdauertabelle hilft, den verbleibenden Wert einzuordnen. Sie beantwortet aber nicht allein, ob du überhaupt für den Schaden haftest.

Die richtige Reihenfolge lautet: Zustand und Verantwortlichkeit prüfen, notwendige Massnahme klären, Alter und Material belegen und erst dann den Restwert berechnen. Normale Abnützung wird nicht dadurch kostenpflichtig, dass ein Gegenstand noch jung ist.

Was ist die paritätische Lebensdauertabelle?

Die paritätische Lebensdauertabelle wurde gemeinsam vom Hauseigentümerverband und vom Mieterinnen- und Mieterverband erarbeitet. Sie enthält Richtwerte für Einrichtungen und Bauteile bei üblicher Beanspruchung und mittlerer Qualität. Damit lässt sich die altersbedingte Entwertung nachvollziehbar diskutieren.

Sie ist eine Orientierungshilfe, kein pauschaler gerichtlicher Entscheid über jede Rechnung. Material, Qualität, tatsächliches Alter und notwendige Arbeiten bleiben wichtig. Die im Angebot des Mieterverbandes ergänzten Richtpreise sind ausserdem nicht mit den gemeinsam vereinbarten Lebensdauerwerten gleichzusetzen.

Den offiziellen Onlineauszug der Lebensdauertabelle kannst du ohne eigene Berechnungssoftware öffnen. Suche den konkreten Gegenstand. «Boden» ist zu ungenau: Belag, Material und Oberflächenbehandlung können unterschiedliche Positionen sein.

Normale Abnützung oder ersatzpflichtiger Schaden?

Die normale Nutzung einer Wohnung hinterlässt Spuren. Dafür wird Miete bezahlt. Eine Ersatzforderung setzt mehr voraus als den Wunsch, die Wohnung für die nächste Mietpartei wieder neuwertig aussehen zu lassen. Bei vertragswidriger oder übermässiger Abnützung kann dagegen eine Haftung entstehen.

SituationWas zuerst geprüft wird
Übliche GebrauchsspurenNormale Abnützung ist grundsätzlich Sache der Vermietung
Schon beim Einzug vorhandenEinzugsprotokoll und frühere Fotos vergleichen
Konkrete Beschädigung während der MietzeitUrsache, Verantwortlichkeit und notwendige Behebung prüfen
Gewünschte ModernisierungVerbesserung vom tatsächlich verursachten Schaden trennen
Kleine UnterhaltsarbeitGesondert prüfen; nicht jede Position folgt einer Ersatzwertrechnung

Ein Fleck oder Kratzer wird dabei nicht nur benannt, sondern beschrieben: in welchem Raum, an welcher Stelle, wie gross und seit wann? Gute Fotos zeigen zunächst die ganze Fläche und danach das Detail mit Grössenbezug. So lässt sich später beurteilen, ob eine ganze Erneuerung nötig war oder eine kleinere Massnahme genügt hätte.

So berechnest du den Restwert

Wenn ein ersatzpflichtiger Schaden vorliegt und ein Ersatz tatsächlich erforderlich ist, lässt sich die altersbedingte Beteiligung vereinfacht so darstellen:

Restwertanteil = verbleibende Lebensdauer ÷ gesamte Lebensdauer.
Kostenanteil = notwendige vergleichbare Ersatzkosten × Restwertanteil.

Die verbleibende Lebensdauer ergibt sich aus Richtwert minus tatsächlichem Alter, mindestens null. Massgeblich ist das Alter seit Einbau oder der betreffenden Erneuerung, nicht die Anzahl Jahre, die du selbst in der Wohnung gewohnt hast. Ein beim Einzug bereits fünfjähriger Gegenstand wird nach drei Mietjahren nicht als erst dreijährig gerechnet.

Drei Rechnungen mit offengelegten Annahmen

Die folgenden Beträge und Lebensdauern sind Rechenannahmen. Sie ersetzen nicht die Auswahl des richtigen Materials in der Originaltabelle. In den ersten beiden Fällen wird unterstellt, dass die Haftung und die Notwendigkeit des Ersatzes feststehen.

FallBerechnungAnteil
Angenommene Lebensdauer 8 Jahre, Alter 6 Jahre, notwendige Kosten 1’200 Fr.(8 − 6) ÷ 8 × 1’200300 Fr.
Angenommene Lebensdauer 10 Jahre, Alter 8 Jahre, notwendige Kosten 1’800 Fr.(10 − 8) ÷ 10 × 1’800360 Fr.
Gleicher Gegenstand, aber nur normale AbnützungKeine Ersatzhaftung aus normalem Gebrauch0 Fr.

Im ersten Fall verbleiben zwei von acht Jahren, also 25 Prozent. Nicht korrekt wäre, die Rechnung durch deine eigene dreijährige Mietdauer zu teilen. Ebenso wenig darf eine hochwertige Neuanschaffung ohne Weiteres die Grundlage bilden, wenn damit ein deutlich einfacherer Gegenstand ersetzt und die Wohnung verbessert wird.

Ist die angenommene Lebensdauer vollständig verbraucht, ergibt die Ersatzwertrechnung null. Das ist keine allgemeine Erlaubnis, Einrichtungen zu beschädigen. Andere selbst verursachte Schäden, notwendige Reinigung oder gesondert zu prüfender kleiner Unterhalt werden dadurch nicht automatisch erledigt.

Warum Reparatur und kompletter Ersatz verschieden sind

Ein kleiner Schaden rechtfertigt nicht zwangsläufig ein vollständig neues Bauteil. Frage, ob eine fachgerechte Reparatur möglich ist und ob die Offerte tatsächlich die beschädigte Fläche betrifft. Manchmal kommt statt einer unverhältnismässigen Erneuerung eine Minderwertentschädigung infrage.

Rechne nicht automatisch jede Reparaturrechnung mit derselben Ersatzformel herunter. Die notwendige Massnahme und die Entwertung müssen zusammenpassen. Beim Boden kann beispielsweise die Erneuerung einer Oberfläche etwas anderes sein als der Austausch des gesamten Belags. Verlange eine nachvollziehbare Trennung, wenn die Rechnung beides vermischt.

Welche Unterlagen du von der Verwaltung brauchst

  • Genaue Bezeichnung des beanstandeten Schadens und der betroffenen Fläche
  • Einzugs- und Auszugsprotokoll samt vorhandenen Fotos
  • Nachweis des Einbau- oder letzten Erneuerungsdatums
  • Material und Qualität sowie die verwendete Tabellenposition
  • Offerte oder Rechnung mit einzeln ausgewiesenen Arbeiten
  • Berechnung deines Anteils und Begründung der Haftung

«Die Küche ist ungefähr zehn Jahre alt» reicht für eine konkrete Rechnung oft nicht. Ein Gerät könnte später ersetzt worden sein; ein Anstrich könnte älter sein als dein Mietvertrag. Frage deshalb nach dem Datum genau jener Einrichtung, deren Kosten dir belastet werden.

Lege eine eigene Prüfliste an: Rechnungsposition, verlangter Betrag, belegtes Alter, Tabellenwert, notwendige Massnahme, berechneter Anteil und offene Frage. So lässt sich eine umfangreiche Schlussrechnung Position für Position besprechen, ohne entweder alles pauschal zu akzeptieren oder alles pauschal abzulehnen.

Beim Übergabeprotokoll genau lesen

Ein Protokoll kann den Zustand dokumentieren und gleichzeitig eine Anerkennung von Kosten enthalten. Lies deshalb auch die Erklärung oberhalb der Unterschrift. Wenn du eine Position bestreitest, halte den konkreten Vorbehalt fest und sichere dir eine Kopie. Unterschreibe keine unverständliche Kostenpauschale in der Annahme, die Versicherung werde schon zahlen.

Die Vermietung muss den Zustand bei Rückgabe prüfen und Mängel, für die sie dich verantwortlich machen will, grundsätzlich sofort rügen. Für bei üblicher Prüfung nicht erkennbare Mängel gelten Besonderheiten. Die spätere Handwerkerrechnung und die rechtzeitige Mängelrüge sind unterschiedliche Dinge: Eine Rechnung kann später eintreffen, obwohl der Schaden bereits rechtzeitig beanstandet wurde.

Sachlich um eine nachvollziehbare Abrechnung bitten

Zur Position [Bezeichnung] Ihrer Schlussabrechnung vom [Datum] bitte ich um den Nachweis des Einbau- beziehungsweise Erneuerungsdatums, die verwendete Position der Lebensdauertabelle und die detaillierte Kostenberechnung. Bitte erläutern Sie auch, weshalb die verlangte Massnahme zur Behebung des konkret beanstandeten Schadens notwendig ist. Die Kostenübernahme für diese Position ist bis zur Klärung bestritten.

Ergänze konkrete Abweichungen, etwa einen bereits im Einzugsprotokoll vermerkten Schaden. Bei einem eigenen Missgeschick informierst du die Privathaftpflichtversicherung frühzeitig und reichst die Unterlagen ein. Versicherungsschutz und Selbstbehalt richten sich nach deinem Vertrag; eine Deckungszusage sollte nicht einfach vorausgesetzt werden.

Die häufigsten Missverständnisse

«Nach Ablauf muss alles neu gemacht werden.» Nein. Eine rechnerisch verbrauchte Lebensdauer begründet für sich allein keinen Anspruch auf eine neue Einrichtung. Entscheidend ist, ob die Wohnung weiterhin vertragsgemäss nutzbar ist oder ein zu behebender Mangel besteht.

«Wenn ich schuld bin, bezahle ich immer den Neupreis.» Ebenfalls nein. Bei einem notwendigen Ersatz gehört die Altersentwertung in die Prüfung. Umgekehrt bedeutet eine alte Einrichtung nicht automatisch, dass jede damit zusammenhängende Rechnungsposition ausgeschlossen ist.

«Ein Tabellenwert genügt als Beweis.» Nein. Ohne Material, Alter, Schadensbeschreibung und Kostenumfang bleibt die Rechnung unvollständig. Genau diese Unterlagen machen aus einem Bauchgefühl einen begründeten Einwand.

Die Vorbereitung des Termins und die Dokumentation erklärt auch unser Beitrag zur Wohnungsübergabe beim Auszug. Zur gesonderten Frage des Depots siehe Mietkaution in der Schweiz.

Quellen und Originaltabelle

Geprüft am 15. September 2026. Die Beispiele dienen der Rechenmethode; die konkrete Haftung wird anhand des Einzelfalls beurteilt.