Energie

Gurtnellen bekommt einen Grossbatteriespeicher: Was 50 Megawatt wirklich bedeuten

In Gurtnellen sind zwei Grossbatteriespeicher eröffnet worden. Wie sie dem Stromnetz helfen und warum Leistung und gespeicherte Energie nicht dasselbe sind.

Batteriespeicher in Plattischachen bei Gurtnellen, offizielle Aufnahme zur Eröffnung 2026.
Batteriespeicher in Plattischachen bei Gurtnellen, offizielle Aufnahme zur Eröffnung 2026. Foto: Axpo · Pressefoto: redaktionelle Nutzung mit Axpo-Bezug.

In Gurtnellen ist am 9. September ein neuer Standort für grosse Batteriespeicher eröffnet worden. Axpo und energieUri betreiben dort zwei Anlagen mit 50 beziehungsweise 8,4 Megawatt Leistung. Axpo bezeichnet das Projekt als aktuell grösste Batteriespeicheranlage der Schweiz.

Die Grössenordnung klingt eindrucksvoll. Was sie für das Stromsystem bedeutet, lässt sich aber erst verstehen, wenn man Leistung und Energiemenge auseinanderhält. Eine hohe Megawattzahl sagt für sich allein noch nicht, wie lange ein Speicher Strom liefern kann.

Zwei Anlagen mit unterschiedlichen Aufgaben

Die Speicher stehen im Gebiet Plattischachen in unmittelbarer Nähe zueinander. Laut der Mitteilung hat die Axpo-Anlage einen nationalen Fokus, während energieUri ihren Speicher für die Bedürfnisse des Kantons bewirtschaftet.

Für das 50-Megawatt-Projekt hatte Axpo eine Speicherkapazität von 100 Megawattstunden angegeben. Diese beiden Werte beschreiben unterschiedliche Eigenschaften: wie viel Leistung abgegeben werden kann und welche Energiemenge gespeichert werden kann.

Die aktuelle Eröffnungsmeldung nennt für energieUri 8,4 Megawatt. Frühere Projektunterlagen enthielten noch 8,6 Megawatt. Für den Stand zur Eröffnung ist deshalb die neuere Angabe massgebend.

Der Unterschied zwischen MW und MWh

Megawatt sind eine Einheit der Leistung. Megawattstunden beschreiben eine Energiemenge. Ein vereinfachter Vergleich ist ein Wasserbehälter: Die Grösse des Behälters und die maximale Durchflussmenge am Auslass sind zwei verschiedene Angaben.

Rechnerisch entsprechen 100 Megawattstunden bei einer konstanten Abgabe von 50 Megawatt zwei Stunden. Das ist eine vereinfachte Rechnung aus den Nennwerten. Im tatsächlichen Betrieb spielen unter anderem der nutzbare Ladezustand, Verluste und die jeweilige Betriebsstrategie eine Rolle.

Deshalb wäre es irreführend, aus 50 Megawatt allein abzuleiten, wie viele Haushalte der Speicher über einen ganzen Winter versorgen könnte. Ohne Zeitraum ist eine solche Haushaltszahl ohnehin wenig aussagekräftig.

Wofür ein solcher Speicher nützlich ist

Die Anlagen können Strom aufnehmen und später wieder abgeben. Das schafft Flexibilität zwischen Zeitpunkten mit unterschiedlicher Erzeugung und Nachfrage. Axpo und energieUri nennen insbesondere die Integration erneuerbarer Energien sowie die Stabilität des Stromsystems als Ziele.

Ein Speicher erzeugt dabei keine zusätzliche Energie. Er verschiebt ihre Nutzung, und beim Speichern sowie Zurückspeisen entstehen Verluste. Sein Wert liegt darin, Strom zu einem geeigneteren Zeitpunkt verfügbar zu machen und auf bestimmte Anforderungen des Netzes reagieren zu können.

Das ergänzt andere Bausteine der Versorgung. Es ersetzt weder jede Form von Stromproduktion noch automatisch den Netzausbau. Welche Aufgabe ein konkreter Speicher übernimmt, hängt von seiner technischen Auslegung und seiner Bewirtschaftung ab.

Warum die Stromrechnung nicht automatisch sinkt

Aus der Eröffnung folgt kein fester Rabatt für Haushalte in Uri oder anderswo. Zwischen einem Grossspeicher und dem Endkundentarif liegen mehrere wirtschaftliche und regulatorische Ebenen. Ein Projekt kann dem System Flexibilität geben, ohne dass sich sein Effekt als eigene Position auf deiner Rechnung zeigt.

Auch die Bezeichnung «grösster Speicher» sollte man als zeitgebundene Einordnung lesen. Andere Projekte können später grösser ausfallen. Für die Bewertung sind deshalb nutzbare Kapazität, Betrieb und tatsächlich erbrachte Leistungen interessanter als ein Rekordtitel allein.

Gurtnellen zeigt, wie die Schweizer Stromversorgung um neue Flexibilität ergänzt wird. Wer die Nachricht beurteilen möchte, sollte sich vor allem zwei Zahlen merken: 50 Megawatt Leistung und 100 Megawattstunden angegebene Kapazität für die Axpo-Anlage. Erst zusammen erzählen sie, welche Art von Speicher hier entstanden ist.


Quellen und Stand

Stand: 15. September 2026.