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Zürcher Flughafen testet Shuttlebusse ohne Sicherheitsperson an Bord

Am Flughafen Zürich fahren zwei automatisierte Busse neu ohne Begleitperson. Warum der Test zunächst ohne Fahrgäste läuft und was Level 4 hier bedeutet.

WeRide-Robobus auf der Biotech-Insel in Guangzhou, Januar 2023. Vergleichsbild der Fahrzeugmarke, nicht der Zürcher Testbus.
WeRide-Robobus auf der Biotech-Insel in Guangzhou, Januar 2023. Vergleichsbild der Fahrzeugmarke, nicht der Zürcher Testbus. Foto: Tim Wu · CC BY-SA 4.0.

Am Flughafen Zürich erreicht ein Test mit automatisierten Shuttlebussen die nächste Stufe. Zwei Fahrzeuge von WeRide fahren seit Anfang September ohne Sicherheitsperson an Bord. Zunächst sind allerdings auch keine Fahrgäste dabei.

Die am 9. September veröffentlichte Mitteilung beschreibt einen klar begrenzten Versuch im Flughafenbetrieb. Es geht um eine definierte Strecke für den Mitarbeitendentransport, nicht um ein frei verfügbares Angebot für Reisende oder fahrerlose Busse auf beliebigen Schweizer Strassen.

Was sich gegenüber dem bisherigen Test ändert

Das Projekt läuft seit März 2025. Nach Angaben des Flughafens haben die Fahrzeuge in dieser Zeit mehr als 15’000 Kilometer zurückgelegt. Neu entfällt die bisher mitfahrende Sicherheitsperson. Die Überwachung erfolgt über ein entferntes Kontrollzentrum.

Für die neue Phase ist zuerst ein etwa vierwöchiger Betrieb ohne Passagiere vorgesehen. Anschliessend sollen unter den vorgesehenen Bedingungen wieder Mitarbeitende befördert werden. Der Projektzeitraum läuft zunächst bis Ende 2026; eine Verlängerung wird geprüft.

Aus «ohne Sicherheitsperson an Bord» folgt also nicht «ohne menschliche Aufsicht». Die Mitteilung beschreibt vielmehr eine andere Organisation der Überwachung.

Warum die Strecke entscheidend ist

Die Busse verkehren auf einer festgelegten Route, die keine Rollwege für Flugzeuge kreuzt. Diese Begrenzung ist wesentlich für die Aussage des Tests. Ein Fahrzeug muss hier nicht jede denkbare Situation in einem offenen Strassennetz beherrschen.

Automatisierung lässt sich sinnvoll nur zusammen mit ihren Einsatzbedingungen beurteilen. Dazu gehören etwa das Gebiet, die zugelassenen Abläufe und die vorgesehene Reaktion auf Störungen. Ein erfolgreicher Betrieb in einem kontrollierten Umfeld beweist daher nicht automatisch, dass dasselbe System überall gleich eingesetzt werden könnte.

Das macht den Versuch nicht unbedeutend. Gerade klar umrissene Aufgaben können ein sinnvoller Ort sein, um Technik im täglichen Betrieb zu erproben und Erfahrungen zu sammeln.

Was «Level 4» in diesem Zusammenhang sagt

Der Flughafen ordnet den Betrieb der Automatisierungsstufe Level 4 zu. Für diesen konkreten Fall ist die praktische Information wichtiger als das Schlagwort: Die Fahrzeuge sollen innerhalb des definierten Einsatzbereichs ohne mitfahrende Sicherheitsperson auskommen.

Wer die Entwicklung verfolgt, sollte deshalb nach dem erlaubten Einsatzbereich fragen und nicht nur nach der Zahl der Automatisierungsstufe. Auch die Art der Fernüberwachung und das Vorgehen bei Unterbrechungen gehören zur Beurteilung.

Eine schöne Testfahrt und ein verlässlicher Alltagsbetrieb sind unterschiedliche Nachweise. Relevant wird, wie sich das System über viele Fahrten unter den tatsächlich vorgesehenen Bedingungen verhält.

Weshalb zuerst leere Busse fahren

Der stufenweise Übergang macht die Veränderung überprüfbar, bevor wieder Menschen mitfahren. Dass es zunächst keine Fahrgäste gibt, ist deshalb ein wichtiger Teil der Nachricht und kein nebensächlicher Zusatz.

Für die spätere Bewertung wären Angaben zu Betriebsunterbrüchen, Verfügbarkeit und notwendigen Eingriffen besonders aufschlussreich. Die bisher gemeldete Kilometerleistung zeigt Erfahrung im Projekt, beantwortet aber nicht allein, wie zuverlässig jede einzelne Fahrt verlief.

Was Reisende heute davon haben

Für Passagiere ändert diese Testphase vorerst nicht die eigene Anreise zum Flughafen. Es handelt sich um ein internes Mitarbeitendenangebot. Wer den Begriff «Shuttlebus» liest, sollte ihn deshalb nicht mit einem neuen Transfer zwischen Bahnhof, Terminal oder Hotel gleichsetzen.

Interessant ist der Versuch als konkreter Schritt bei automatisiertem Verkehr: ein abgegrenzter Einsatz, eine neue Betriebsphase und anschliessend eine Entscheidung über die Fortsetzung. Ob daraus ein dauerhaftes Angebot wird, muss der weitere Verlauf zeigen. Genau daran lässt sich der Fortschritt besser messen als an der pauschalen Behauptung, der Flughafen fahre jetzt autonom.


Quellen und Stand

Stand: 15. September 2026.