Schweiz

Dos Santos läuft in Zürich 45,80 Sekunden – neuer Weltrekord

Alison dos Santos hat bei Weltklasse Zürich die 400 Meter Hürden in 45,80 Sekunden gewonnen. Der Brasilianer unterbot Karsten Warholms bisherige Bestmarke um 14 Hundertstel. Der Weltrekord steht noch unter Ratifikationsvorbehalt.

Der brasilianische Hürdenläufer Alison dos Santos beim Bauhaus-Galan 2022 in Stockholm
Anass Sedrati (Archivbild aus dem Jahr 2022) · CC BY-SA 4.0 · Lizenz

Ein historischer Abend im Letzigrund: Alison dos Santos ist die 400 Meter Hürden schneller gelaufen als jeder Mann vor ihm. Seine 45,80 Sekunden müssen nun noch offiziell ratifiziert werden.

Das Wichtigste

  • Alison dos Santos gewann die 400 Meter Hürden in 45,80 Sekunden.
  • Er war 0,14 Sekunden schneller als Karsten Warholm bei Olympia 2021.
  • Warholm wurde in Zürich mit 46,69 Sekunden Zweiter, Ezekiel Nathaniel mit 47,50 Dritter.
  • Die Bestmarke gilt vorbehaltlich der üblichen Ratifikation durch World Athletics.

Die Uhr stoppt bei 45,80 Sekunden

Alison dos Santos hat bei Weltklasse Zürich für den sportlichen Höhepunkt des Abends gesorgt. Der 26-jährige Brasilianer überquerte im Letzigrund nach 45,80 Sekunden die Ziellinie. Damit unterbot er die bisherige Weltbestmarke von Karsten Warholm um 14 Hundertstelsekunden. Der Norweger war bei den Olympischen Spielen in Tokio am 3. August 2021 in 45,94 Sekunden zum damaligen Weltrekord gelaufen.

Warholm war in Zürich selbst im Feld und lief in 46,69 Sekunden auf Rang zwei. Er blieb damit knapp unter seinem bisherigen Meetingrekord von 46,70 Sekunden, konnte dos Santos auf der Zielgeraden aber nicht mehr stellen. Dritter wurde der Nigerianer Ezekiel Nathaniel in 47,50 Sekunden. Der Schweizer Dany Brand belegte in persönlicher Bestzeit von 48,92 Sekunden Rang sieben.

Für das Publikum war es ein seltener Moment. Laut SRF war im Letzigrund zuletzt 2009 ein Weltrekord gefallen, damals durch die russische Stabhochspringerin Jelena Issinbajewa. Nun trägt ausgerechnet das traditionsreiche Zürcher Meeting wieder eine globale Bestmarke in seiner Chronik – sofern der Lauf die formale Prüfung besteht.

Warum der Rekord noch ratifiziert werden muss

World Athletics kennzeichnet die 45,80 Sekunden ausdrücklich als vorbehaltlich der üblichen Ratifikation. Erst nach dieser Bestätigung wird die Leistung endgültig in der Rekordliste geführt.

An der sportlichen Dimension ändert der Vorbehalt wenig. Auf 400 Metern Hürden müssen Athleten Sprinttempo, Schrittrhythmus und zehn Hürdenübergänge verbinden. Ein kleiner Fehler wirkt bis zur Zielgeraden nach. Dass dos Santos die alte Marke um 0,14 Sekunden senkte, ist in einer Disziplin bemerkenswert, in der die Zeiten an der Weltspitze bereits extrem dicht an der Leistungsgrenze liegen.

Der neue Wert verschiebt auch die historische Rangordnung. Warholms Lauf von Tokio galt als eine der herausragenden Leistungen der Olympischen Spiele 2021. Dos Santos war damals Dritter geworden, entwickelte sich danach weiter und gewann 2022 in Eugene den Weltmeistertitel. Zwei olympische Bronzemedaillen und jahrelange Duelle mit Warholm hatten ihn längst in der Weltspitze etabliert. In Zürich gelang ihm nun der vorläufige Höhepunkt.

Zürich wird zur Bühne eines langen Duells

Das direkte Aufeinandertreffen war im Vorfeld als Duell zweier Hürden-Giganten angekündigt worden. Warholm brachte den Weltrekord und mehrere grosse Titel mit, dos Santos seine Schnelligkeit und den Weltmeistertitel von 2022. Das Rennen lieferte mehr als einen knappen Zieleinlauf: Es markierte einen Wechsel an der Spitze der ewigen Bestenliste.

Auch aus Schweizer Sicht gab es ein positives Resultat. Dany Brand verbesserte seine persönliche Bestzeit von 48,96 auf 48,92 Sekunden. Der Abstand zur Weltspitze bleibt gross, doch eine Bestleistung in einem solchen Rennen ist ein wichtiger persönlicher Schritt. Sie erhält zusätzlich Aufmerksamkeit, weil sie im selben Lauf wie die globale Bestmarke erzielt wurde.

Für Weltklasse Zürich ist der Lauf auch über den Abend hinaus bedeutsam. Das Meeting gehört zur Diamond League und zieht regelmässig die stärksten Felder der Saison an. Ein Weltrekord entsteht dennoch nicht allein aus grossen Namen: Zeitplan, Bahn, Wetter, Konkurrenz und die Tagesform müssen zusammenpassen. Im Letzigrund bot die direkte Jagd zwischen dem bisherigen Rekordhalter und seinem Herausforderer genau diese Konstellation. Dass Warholm ebenfalls schneller als der alte Zürcher Meetingrekord lief, unterstreicht das Niveau des Rennens.

Dos Santos erhielt nach Angaben von SRF für seinen Rekordlauf einen Check über 80’000 US-Dollar. Wichtiger für seine Karriere ist der sportliche Status: Sollte World Athletics die 45,80 Sekunden ratifizieren, wäre er offiziell der schnellste 400-Meter-Hürdenläufer der Geschichte. Bis dahin bleibt die Zeit das klare Resultat des Abends – und der Rekord formal noch unter Vorbehalt.

Quellen