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# 0,8 Milliarden Überschuss: Warum der Bundeshaushalt 2026 noch kein Steuerboom ist
- URL: https://www.schweiz.blog/bundeshaushalt-2026-ueberschuss-gewinnsteuern/
- Published: 2026-08-21T10:10:00.000Z
- Updated: 2026-09-14T19:37:31.000Z
- Description: Statt Defizit erwartet der Bund 2026 knapp 0,8 Milliarden Franken Überschuss. Der Sprung hängt stark an wenigen grossen Gewinnsteuerzahlern und mehreren Sondereffekten.
- Author: schweizblog
- Tags: Alltag, Wirtschaft, Bundesfinanzen, Nachgerechnet, #Import 2026-09-14 17:38

Die erste Hochrechnung verbessert den Bundessaldo um rund 1,5 Milliarden Franken. Doch höhere Ausgaben, eine ausserordentliche SNB-Ausschüttung und konzentrierte Unternehmenssteuern machen das Plus weniger robust, als die Schlagzeile vermuten lässt.

Der Bund rechnet für 2026 plötzlich mit einem Überschuss. Die erste Hochrechnung vom 19\. August erwartet knapp 0,8 Milliarden Franken Plus, obwohl im Budget ein Defizit von gut 0,7 Milliarden vorgesehen war. Das ist eine Verbesserung um rund 1,5 Milliarden Franken. Die Zahl wirkt wie eine breite Erholung der Bundesfinanzen. Ein genauer Blick zeigt jedoch: Der wichtigste Treiber sind höhere Gewinnsteuern von wenigen grossen Unternehmen. Gleichzeitig steigen die Ausgaben, und ein Teil des Ergebnisses ist ausserordentlich. Der Überschuss ist deshalb erfreulich, aber kein frei verfügbares Geschenk.

## Wie aus minus 0,7 plötzlich plus 0,8 Milliarden wird

Die Eidgenössische Finanzverwaltung schätzt die ordentlichen Einnahmen um 1,9 Milliarden Franken höher als budgetiert. Davon entfallen 1,4 Milliarden auf die direkte Bundessteuer der Unternehmen. Hinzu kommen weitere Abweichungen, unter anderem bei der Mineralölsteuer. Gleichzeitig dürften die ordentlichen Ausgaben rund 0,8 Milliarden über dem Budget liegen. Ein wesentlicher Grund ist der vom Bundesrat beantragte Nachtragskredit von 970 Millionen Franken für die bodengestützte Luftverteidigung.

Ausserhalb des ordentlichen Haushalts verbessert eine zusätzliche Ausschüttung der Schweizerischen Nationalbank das Ergebnis um rund 0,3 Milliarden Franken. Eine SNB-Ausschüttung ist jedoch keine normale, jährlich verlässlich wachsende Steuereinnahme. Sie hängt von den Ergebnissen und Ausschüttungsregeln der Nationalbank ab. Für die Beurteilung der strukturellen Lage muss sie daher von wiederkehrenden Einnahmen und Ausgaben getrennt betrachtet werden.

| Position              | Abweichung zur Planung | Einordnung                                                  |
| --------------------- | ---------------------- | ----------------------------------------------------------- |
| Ordentliche Einnahmen | rund +1,9 Mrd. Fr.     | Hauptsächlich höhere Unternehmensgewinnsteuern              |
| Davon Gewinnsteuer    | rund +1,4 Mrd. Fr.     | Auf wenige Unternehmen und Kantone konzentriert             |
| Ordentliche Ausgaben  | rund +0,8 Mrd. Fr.     | Unter anderem 970-Millionen-Nachtragskredit für Rüstung     |
| SNB-Ausschüttung      | rund +0,3 Mrd. Fr.     | Ausserordentlicher, nicht garantiert wiederkehrender Effekt |
| Gesamterwartung       | knapp +0,8 Mrd. Fr.    | Erste Hochrechnung, noch keine Staatsrechnung               |

## Der Gewinnsteuerboom ist sehr schmal

Die zusätzlichen Gewinnsteuereinnahmen stammen laut Bund vor allem von wenigen Firmen in Luzern, Zürich und Basel-Stadt sowie von temporären Effekten in Genf. Das ist wichtig, weil eine konzentrierte Einnahmequelle anders zu bewerten ist als ein breit abgestützter Anstieg bei tausenden Unternehmen. Ändert sich der Gewinn einzelner Konzerne, eine steuerliche Sondersituation oder die Zuordnung zwischen Kantonen, kann sich das Ergebnis deutlich bewegen.

Wie konzentriert die direkte Bundessteuer auf Unternehmensgewinnen ist, zeigt eine Angabe aus dem Voranschlag 2027: Rund 0,5 Prozent der Unternehmen trugen gemäss den zuletzt verfügbaren Daten für 2022 etwa drei Viertel dieser Einnahmen. Die Kennzahl ist kein Beweis, dass genau dieselben Firmen die Abweichung von 2026 verursachen. Sie zeigt aber das Grundrisiko. Ein grosser Teil der Einnahmen hängt von einem kleinen Kreis sehr profitabler Steuerzahler ab.

Das bedeutet nicht, dass die Mehreinnahmen unwirklich wären. Sie fliessen dem Bund zu und verbessern den Abschluss. Doch sie sollten nicht automatisch als dauerhaftes Wachstum fortgeschrieben werden. Für neue, wiederkehrende Ausgaben ist entscheidend, welche Einnahmen auch in schwächeren Jahren bestehen bleiben.

## Warum auch die Mineralölsteuer höher ausfällt

Die Hochrechnung erwartet bei der Mineralölsteuer rund 0,3 Milliarden Franken mehr als budgetiert. Als Grund nennt der Bund, dass der Anteil der Elektrofahrzeuge langsamer zunimmt als angenommen. Mehr Fahrzeuge mit Benzin- oder Dieselmotor bedeuten kurzfristig höhere Einnahmen aus Treibstoffabgaben. Finanzpolitisch ist das ein Plus; verkehrs- und klimapolitisch signalisiert es zugleich, dass der geplante Technologiewechsel weniger schnell vorankommt.

Dieser Effekt eignet sich ebenfalls nicht als dauerhafte Wachstumsquelle. Wenn der Elektroanteil später stärker steigt, sinkt die heutige Steuerbasis. Der Bund diskutiert deshalb seit längerem, wie Strasseninfrastruktur in einer elektrifizierten Fahrzeugflotte finanziert werden kann. Die Hochrechnung 2026 löst dieses strukturelle Problem nicht; sie verschiebt den Einnahmenrückgang lediglich.

## Was der Überschuss nicht bedeutet

- **Keine fertige Rechnung:** Die erste Hochrechnung basiert auf dem Datenstand zur Jahresmitte. Einnahmen und Ausgaben können sich bis zum Abschluss ändern.
- **Kein Geldtopf ohne Regeln:** Schuldenbremse, Nachtragskredite und gesetzlich gebundene Aufgaben bestimmen, wie finanzpolitischer Spielraum entsteht.
- **Kein breiter Konjunkturbeweis:** Konzentrierte Gewinnsteuern sagen wenig über die Lage aller KMU und Haushalte aus.
- **Keine Garantie für Folgejahre:** Temporäre Unternehmens- und SNB-Effekte können auslaufen.

Wer aus dem Plus sofort neue Daueraufgaben finanzieren will, muss deshalb zwei Fragen beantworten: Wie gross ist der strukturelle, wiederkehrende Anteil? Und bleibt das Ergebnis auch bestehen, wenn einzelne grosse Gewinnsteuerzahlungen normalisieren? Ohne diese Trennung kann ein einmalig gutes Jahr zu langfristigen Verpflichtungen führen.

## Die Ausgabenseite wächst ebenfalls

Die höheren Einnahmen verdecken, dass die ordentlichen Ausgaben über dem Budget liegen dürften. Der 970-Millionen-Kredit für Luftverteidigung ist dabei besonders sichtbar. Er soll Anzahlungen ermöglichen und knappe Produktions- und Lieferfenster sichern. Das Parlament muss den Kredit noch bewilligen. Weitere Budgetabweichungen können im Jahresverlauf hinzukommen.

Für die politische Bewertung genügt es deshalb nicht, nur den Saldo zu betrachten. Ein Haushalt kann besser abschliessen, obwohl die Ausgaben stärker steigen, solange die Einnahmen noch stärker zulegen. Umgekehrt kann ein späterer Rückgang bei wenigen Steuerzahlern das Bild schnell drehen, auch wenn die laufenden Ausgaben unverändert bleiben.

## Worauf es bei der zweiten Hochrechnung ankommt

Die nächste belastbare Prüfung ist nicht die Schlagzeile «Überschuss», sondern die Zusammensetzung der Entwicklung. Relevant sind vier Punkte: Bleibt die Gewinnsteuerprognose stabil? Welche Anteile sind einmalig oder temporär? Werden die Nachtragskredite vollständig ausgeschöpft? Und wie entwickeln sich gebundene Ausgaben, die kurzfristig kaum steuerbar sind?

1. Ordentliche und ausserordentliche Effekte getrennt ausweisen.
2. Einmalige Gewinnsteuerzahlungen nicht als Dauertrend behandeln.
3. Abweichungen bei Einnahmen und Ausgaben einzeln verfolgen.
4. Erste und zweite Hochrechnung später mit der Staatsrechnung vergleichen.

Die Verbesserung um 1,5 Milliarden Franken ist real und entlastet die kurzfristige Lage. Sie beweist aber keinen flächendeckenden Steuerboom. Gerade weil ein kleiner Kreis von Unternehmen einen grossen Teil der Gewinnsteuer trägt, bleibt Vorsicht angebracht. Eine solide Finanzpolitik nutzt gute Jahre, ohne jede positive Abweichung dauerhaft zu verplanen – und legt offen, wie viel des Überschusses auch dann bestehen würde, wenn Sonderfaktoren verschwinden.

## Ein einfacher Stresstest für die politische Debatte

Um den Spielraum nicht zu überschätzen, lässt sich die Hochrechnung gedanklich in drei Körbe teilen. Im ersten liegen breit abgestützte, wiederkehrende Einnahmen. Im zweiten stehen volatile oder auf wenige Zahler konzentrierte Positionen. Im dritten befinden sich ausserordentliche Effekte wie die zusätzliche SNB-Ausschüttung. Neue dauerhafte Ausgaben sollten vor allem durch den ersten Korb gedeckt sein. Der zweite kann Reserven stärken oder Schulden reduzieren; der dritte sollte nicht wie ein verlässlicher Jahresertrag behandelt werden.

Dieser Stresstest verlangt keine geheime Firmenliste. Die Finanzverwaltung kann Konzentration, Einmaleffekte und Bandbreiten darstellen, ohne Steuergeheimnisse zu verletzen. Hilfreich wäre etwa ein Szenario, in dem die grösste Gewinnsteuerabweichung ausläuft und die Mineralölsteuer dem längerfristigen Rückgang folgt. Bleibt der Haushalt dann ausgeglichen, ist die Verbesserung robust. Kippt er deutlich ins Minus, ist das aktuelle Plus vor allem ein günstiger Zwischenstand.

## Passend dazu weiterlesen

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- [0,4 Prozent Inflation – warum der persönliche Warenkorb trotzdem deutlich teurer sein kann](https://www.schweiz.blog/inflation-schweiz-juli-2026-warenkorb/)
- [970 Millionen als Anzahlung: Was die Schweiz für ihre Luftverteidigung wirklich bekommt](https://www.schweiz.blog/luftverteidigung-970-millionen-was-schweiz-bekommt/)

## Quellen

- [Der Bundesrat: Erste Hochrechnung 2026 des Bundes](https://www.admin.ch/de/newnsb/3Ab4JynimECsw5rGOkNMH?ref=schweiz.blog)
- [Eidgenössische Finanzverwaltung EFV: Erste Hochrechnung für das laufende Rechnungsjahr 2026](https://www.efv.admin.ch/de/erste-hochrechnung-2026?ref=schweiz.blog)
- [Eidgenössische Finanzverwaltung EFV: Voranschlag 2027 mit integriertem Aufgaben- und Finanzplan](https://www.efv.admin.ch/de/newnsb/h9563GBCVpMvRVED%5FWRqm?ref=schweiz.blog)