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# Bund zieht Cell Broadcast vor: Warnungen sollen schneller aufs Handy kommen
- URL: https://www.schweiz.blog/bund-zieht-cell-broadcast-vor-warnungen-aufs-handy/
- Published: 2026-08-28T08:28:15.000Z
- Updated: 2026-09-14T19:34:35.000Z
- Description: Der Bundesrat beantragt 15,8 Millionen Franken für den Aufbau von Cell Broadcast. Die ortsbezogenen Handywarnungen sollen Sirenen, Radio und Alertswiss ergänzen. Ein Starttermin steht noch nicht fest; zuerst entscheidet das Parlament.
- Author: schweizblog
- Tags: Digital, Schweiz, #Import 2026-09-14 17:38

Bei Naturkatastrophen und anderen akuten Gefahren soll die Bevölkerung künftig zusätzlich direkt über das Mobilfunknetz gewarnt werden. Der Bundesrat zieht die Finanzierung von Cell Broadcast vor und will damit den Aufbau der nötigen Infrastruktur beschleunigen.

## Das Wichtigste

- Der Bundesrat beantragt einen Verpflichtungskredit von 15,8 Millionen Franken.
- Cell Broadcast sendet kurze Warnmeldungen an Mobiltelefone in einem betroffenen Gebiet.
- Das System ergänzt Sirenen, Radio sowie die Alertswiss-App und -Website.
- Einen verbindlichen Einführungstermin nennt der Bund noch nicht.

## Warum der Bundesrat das Projekt vorzieht

Der Bund will bei der Einführung von Cell Broadcast schneller vorankommen. An seiner Sitzung vom 26\. August 2026 beschloss der Bundesrat, den dafür nötigen Verpflichtungskredit bereits mit dem Nachtrag II zum Voranschlag 2026 zu beantragen. Ursprünglich sollte das Geld zusammen mit weiteren Massnahmen der sogenannten Multikanalstrategie in einer späteren Botschaft beantragt werden.

Für das Vorziehen gibt es politischen Druck: In der Vernehmlassung sprachen sich die Kantone und zahlreiche weitere Teilnehmende für eine rasche Einführung aus. Auch das Parlament hatte mit der Motion 21.4152 verlangt, Cell Broadcast für den Katastrophenfall einzuführen. Mit dem Kredit sollen Mobilfunkanbieter ihre Broadcast-Infrastruktur aufbauen; zudem sollen die notwendigen Systemverbindungen entwickelt werden. Dazu gehören Schnittstellen zum bestehenden Alarmierungssystem Polyalert.

Der beantragte Verpflichtungskredit beträgt 15,8 Millionen Franken. Für Aufbau und Betrieb des gesamten Vorhabens in den Jahren 2027 bis 2035 rechnet der Bund mit 67,7 Millionen Franken. Davon benötigen laut Bundesrat 51,9 Millionen keinen Verpflichtungskredit. Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz hat Vorarbeiten bereits aufgenommen. Bevor das Geld verbindlich gesprochen ist, muss jedoch das Parlament entscheiden.

## Was Cell Broadcast im Ernstfall anders macht

Cell Broadcast ist keine gewöhnliche SMS und keine App-Mitteilung. Eine Warnung wird über ausgewählte Mobilfunkzellen ausgesendet und erreicht dadurch kompatible Geräte, die sich gerade im definierten Gefahrengebiet befinden. Behörden können so beispielsweise Menschen in einem Überschwemmungsgebiet, bei einem Chemieunfall oder rund um einen grossen Brand ansprechen, ohne deren Telefonnummern einzeln zu kennen.

Technisch handelt es sich um eine Aussendung an alle erreichbaren Geräte in ausgewählten Funkzellen, nicht um eine Liste einzeln adressierter Empfängerinnen und Empfänger. Das unterscheidet den Kanal von SMS-Verteilern. Für die Warnbehörden ist vor allem entscheidend, dass eine Nachricht auch bei sehr vielen Menschen gleichzeitig ankommen kann. Trotzdem braucht es klare Vorgaben für Auslöseberechtigungen, Gebietsgrenzen, Meldungstexte und Entwarnungen. Fehlalarme könnten Vertrauen beschädigen, zu eng gezogene Gebiete Menschen übersehen. Darum gehören realistische Tests, verständliche Hinweise und abgestimmte Abläufe zwischen Bund, Kantonen und Netzbetreibern zum Projekt. Auch Reisende und Grenzregionen müssen mitgedacht werden, weil Geräte unterschiedliche Spracheinstellungen haben und sich Mobilfunkzellen nicht exakt an politische Grenzen halten.

Der entscheidende Vorteil ist die Reichweite: Für eine solche Meldung muss niemand vorher eine App installiert oder ein Benutzerkonto angelegt haben. Gleichzeitig kann eine Warnung geografisch begrenzt werden. Wer sich ausserhalb der ausgewählten Funkzellen befindet, soll die Meldung nicht erhalten. Welche Geräte und Netze zum Start vollständig unterstützt werden, muss im technischen Aufbau und in späteren Tests geklärt werden.

Cell Broadcast ersetzt die bestehenden Alarmkanäle ausdrücklich nicht. Sirenen bleiben wichtig, weil sie auch Personen erreichen, die kein eingeschaltetes oder kompatibles Mobiltelefon bei sich haben. Verbreitungspflichtige Radiomeldungen liefern zusätzliche Informationen. Alertswiss wiederum kann ausführlichere Hinweise und Verhaltensempfehlungen anzeigen. Der Bund setzt deshalb auf mehrere Kanäle, die sich gegenseitig absichern.

## Was jetzt noch offen ist

Die beschleunigte Finanzierung ist ein wichtiger Schritt, aber noch keine Ankündigung eines konkreten Startdatums. Nach dem parlamentarischen Entscheid müssen technische Schnittstellen, Prozesse zwischen Bund, Kantonen und Mobilfunkanbietern sowie Tests aufgebaut werden. Auch die Frage, wie Warnmeldungen auf unterschiedlichen Geräten dargestellt und in mehreren Sprachen ausgeliefert werden, gehört zur praktischen Umsetzung.

Für die Bevölkerung ändert sich deshalb vorerst nichts: Bei einem Alarm bleiben die Sirenen, Radio und Alertswiss die massgeblichen Informationskanäle. Erst wenn der Bund einen Betriebsstart und die technischen Voraussetzungen bekannt gibt, lässt sich zuverlässig sagen, ab wann Cell Broadcast im Alltag verfügbar ist. Die Richtung ist nun aber klar: Dringliche Warnungen sollen künftig schneller und ohne vorgängige Registrierung auf möglichst vielen Handys erscheinen.

## Quellen

- [Bundesrat / Bundesamt für Bevölkerungsschutz: Alarmierung der Bevölkerung: Bundesrat beschleunigt Einführung von Cell Broadcast](https://www.geo.admin.ch/de/newnsb/wr3dPx9UizGyBGsWyzBr7?ref=schweiz.blog)
- [Bundesrat: Bundesrat modernisiert Alarmierung der Bevölkerung](https://www.agov.admin.ch/de/newnsb/UfE6l3mKShSW%5FOtNTso1g?ref=schweiz.blog)
- [Bundesamt für Bevölkerungsschutz: Faktenblatt Multikanalstrategie für Information, Warnung und Alarmierung](https://www.babs.admin.ch/dam/de/sd-web/oEId0r-7IIUW/2026-03-31-Faktenblatt%20Multikanalstrategie%20f%C3%BCr%20die%20Information%2C%20Warnung%20und%20Alarmierung%20der%20Bev%C3%B6lkerung.pdf?ref=schweiz.blog)