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# Bündner Stauseen bei 58,4 Prozent: Was der tiefe Stand bedeutet
- URL: https://www.schweiz.blog/buendner-stauseen-58-prozent-trockenheit-einordnung/
- Published: 2026-08-28T08:28:26.000Z
- Updated: 2026-09-14T19:34:27.000Z
- Description: Die Bündner Speicherseen enthielten am 24. August Energie für 1157 Gigawattstunden und waren zu 58,4 Prozent gefüllt. Der Wert liegt unter dem Schweizer Durchschnitt. Eine akute Strommangellage leitet der Bund daraus nicht ab.
- Author: schweizblog
- Tags: Schweiz, Klima, #Import 2026-09-14 17:38

Graubündens Speicherseen füllen sich, aber langsamer als in durchschnittlichen Jahren. Die neusten Bundesdaten zeigen 58,4 Prozent – ein Wert, der wegen Trockenheit und wenig Schmelzwasser genau beobachtet wird.

## Das Wichtigste

- Graubündens Speicherinhalt lag am 24\. August bei 1157 Gigawattstunden oder 58,4 Prozent.
- Schweizweit waren die erfassten Speicherseen zu 68,4 Prozent gefüllt.
- Die Zahl beschreibt den nutzbaren Energieinhalt einer ganzen Region, nicht jeden einzelnen See.
- Der Bund sieht derzeit keine akute Gefahr für die Stromversorgung, beobachtet den Aufbau der Winterreserve aber genau.

## Was die 58,4 Prozent genau aussagen

Das Bundesamt für Energie veröffentlicht wöchentlich den Energieinhalt der Schweizer Speicherseen. Für Graubünden weist der Bericht am Montag, 24\. August 2026, 1157 Gigawattstunden aus. Das entspricht 58,4 Prozent der erfassten regionalen Speicherkapazität von 1980 Gigawattstunden. Eine Woche zuvor waren es 55,4 Prozent.

Der Wert ist kein einfacher Wasserpegel. Das BFE rechnet den Speicherinhalt in jene elektrische Energie um, die mit dem vorhandenen Wasser in den erfassten Kraftwerksketten produziert werden kann. Je nach Fallhöhe und Anlage kann dieselbe Wassermenge unterschiedlich viel Strom liefern. Zudem handelt es sich um einen regionalen Sammelwert: Einzelne Bündner Seen können deutlich voller oder leerer sein.

Im schweizweiten Vergleich liegt Graubünden weiterhin unter dem Durchschnitt. Am selben Stichtag lag der nationale Füllungsgrad bei 68,4 Prozent oder 6083 Gigawattstunden. Das Wallis erreichte 78,2 Prozent, das Tessin 48,4 Prozent und die übrige Schweiz 71,4 Prozent. Diese Unterschiede hängen unter anderem von Niederschlag, Schneereserven, Gletscherschmelze, Zuflüssen und der Bewirtschaftung der Kraftwerke ab.

## Trockenheit bremst den Aufbau der Reserven

Der Sommer 2026 ist hydrologisch aussergewöhnlich. Laut dem Trockenheitsbulletin des Bundes lagen die August-Niederschläge am Nordrand der Schweiz sowie in Teilen der zentralen und östlichen Alpen 20 bis 50 Prozent unter der Norm. Über 90 Tage waren die Defizite regional unterschiedlich; im Engadin lagen die Summen ungefähr im normalen Bereich. Der Bündner Sammelwert darf deshalb nicht allein mit einer einzigen Wetterzahl erklärt werden.

Auch der Vergleich von Woche zu Woche verlangt Vorsicht. Der Anstieg von 55,4 auf 58,4 Prozent zeigt, dass netto Wasser eingelagert wurde; er sagt aber nicht, wie viel gleichzeitig zufloss, turbiniert oder für betriebliche Zwecke abgegeben wurde. Kraftwerksbetreiber steuern ihre Anlagen nach Wasserverfügbarkeit, Strompreisen, Netzbedarf und Konzessionen. Zudem kann das BFE Messwerte nachträglich präzisieren. Für die öffentliche Einordnung ist deshalb die mehrwöchige Kurve aussagekräftiger als ein einzelner Stichtag. Ebenso wenig lässt sich aus dem Abstand zum Wallis ableiten, Bündner Anlagen würden schlechter geführt: Kapazitäten, Einzugsgebiete und saisonale Zuflüsse unterscheiden sich. Belastbar ist vor allem der Befund, dass die Bündner Reserve Ende August unter dem nationalen Durchschnitt lag.

Hinzu kommt ein schneearmer Winter. Weniger Schnee bedeutet im Frühling und Frühsommer weniger Schmelzwasser, das die alpinen Speicher füllt. Hohe Temperaturen können zeitweise zusätzliche Gletscherschmelze bringen, doch dieser Effekt ist weder gleichmässig noch eine nachhaltige Reserve. Der Bund hält fest, dass sich die alpinen Speicherseen 2026 langsamer als üblich füllen.

Die jüngsten Regenfälle entspannten die Trockenheit vor allem auf der Alpensüdseite. In alpinen, östlichen und nördlichen Regionen blieben Abflussdefizite teilweise mässig bis extrem. Das zeigt, weshalb einzelne Gewitterwochen den langfristigen Wassermangel nicht sofort ausgleichen.

## Warum der Wert für den Winter wichtig ist

Speicherkraftwerke verschieben Energie vom Sommer in den Winter. Sie halten Wasser zurück und produzieren besonders dann, wenn die Nachfrage hoch ist oder Solar- und Windstrom weniger liefern. Entscheidend ist daher nicht nur der aktuelle Prozentwert, sondern die Entwicklung bis zum Beginn der kalten Jahreszeit.

Eine unmittelbare Strommangellage ergibt sich aus den 58,4 Prozent nicht. In seinen Antworten zur Trockenheit schreibt der Bund, es gebe derzeit keine akuten Anzeichen für eine kritische Versorgungslage. Der starke Ausbau der Photovoltaik hilft an sonnigen Tagen und entlastet die Wasserkraft. In den Abend- und Nachtstunden bleibt Speicherwasser jedoch besonders wertvoll.

Für eine seriöse Beurteilung müssen deshalb mehrere Faktoren zusammen betrachtet werden: weitere Niederschläge, Stromimporte, Verfügbarkeit der Kernkraftwerke, Verbrauch und die Füllstände in allen Regionen. Der Bündner Wert ist ein Warnsignal für einen schwachen Zufluss, aber keine Prognose eines Blackouts. Relevant wird, ob die Speicher in den kommenden Wochen weiter zulegen können.

## Quellen

- [Bundesamt für Energie: Wochenbericht Speicherinhalt – Füllungsgrad der Speicherseen 2026](https://pubdb.bfe.admin.ch/de/publication/download/12445?ref=schweiz.blog)
- [Bundesamt für Umwelt: Trockenheitsbulletin vom 27\. August 2026](https://www.hydrodaten.admin.ch/de/bulletin?ref=schweiz.blog)
- [Bundesverwaltung: Trockenheit 2026: Häufige Fragen und Antworten](https://www.kbob.admin.ch/de/newnsb/CTIPoahA7zY3qOIUUZZZq?ref=schweiz.blog)