Beatrice Egli: Warum ihr Weg weit über DSDS hinausgeht
Von der Coiffeurlehre zur eigenen Show: Beatrice Eglis musikalischer Weg, ihre Schweizer Wurzeln und die neuen Schwerpunkte im Jahr 2026.

Beatrice Egli hat im Frühjahr 2026 eine Entscheidung getroffen, die viel über ihre heutige Karriere erzählt. Nach acht Ausgaben wird ihre eigene Fernsehshow vorerst nicht fortgeführt. Der SWR begründete das im April mit ihrem Wunsch, sich auf die anstehende Tour und neue Projekte zu konzentrieren. Nach vier Jahren als Gastgeberin eines grossen Musikformats setzt sie damit einen neuen Schwerpunkt.
Der Schritt passt zu einer Laufbahn, die längst mehr umfasst als den Sieg bei «Deutschland sucht den Superstar». Egli arbeitet als Sängerin, war Fernsehmoderatorin und sucht immer wieder neue Formen für ihre Musik. Gerade weil ihr Name so eng mit guter Laune verbunden ist, lohnt sich der Blick auf die Entscheidungen dahinter: Was hat sie gelernt, wie hält sie die Verbindung zur Schweiz und wie entwickelt sie ihr Angebot weiter?
Vor dem Durchbruch kam eine Ausbildung
Im Gespräch mit Radio Salzburg erzählte Egli 2021 von ihrer Lehre als Coiffeuse und der anschliessenden Zeit in diesem Beruf. Danach zog es sie nach Hamburg an eine Schauspielschule. Die Ausbildung sollte ihr nach der Darstellung des ORF vor allem helfen, sich persönlich zu entwickeln; eine Schauspielkarriere war nicht das eigentliche Ziel.
Diese Vorgeschichte verändert den Blick auf den späteren Fernseherfolg. Eine Castingshow macht eine Person innerhalb kurzer Zeit weithin bekannt. Die Arbeit an Stimme, Auftreten und Selbstvertrauen beginnt häufig wesentlich früher. Bei Egli gehört dazu auch die Erfahrung, zunächst einen Beruf ausserhalb der Bühne gelernt zu haben.
2013 gewann sie DSDS. Für viele Zuschauerinnen und Zuschauer war das der Anfang ihrer Geschichte. Für die Sängerin war es bereits eine neue Etappe auf einem eingeschlagenen Weg. Das ist besonders für junge Menschen ein hilfreicher Unterschied: Öffentliche Aufmerksamkeit und beruflicher Beginn sind selten dasselbe.
Schlager als bewusste musikalische Heimat
Dass Egli Schlagersängerin werden wollte, war nach ihrer Schilderung bei SRF schon als Kind klar. Sie musste dieses Genre also nicht erst nach einem Fernseherfolg für sich entdecken. Die Musik stand früh im Zentrum ihrer Vorstellungen vom späteren Beruf.
Damit lässt sich auch ihre Wiedererkennbarkeit erklären. Ihr Publikum begegnet einer Sängerin, deren musikalischer Ausgangspunkt über die Jahre erkennbar geblieben ist. Ein vertrauter Stil kann dabei Sicherheit geben, während neue Lieder, Arrangements oder Auftrittsformen Bewegung hineinbringen.
Wer ihre Arbeit näher kennenlernen möchte, kann deshalb bei den Songs beginnen und auf deren unterschiedliche Funktionen achten: Ein Titel trägt einen gemeinsamen Konzertmoment, ein anderer lädt zum ruhigeren Zuhören ein. Die Erwartung an Schlager ist oft unmittelbar – eine verständliche Geschichte, eine Melodie, ein Gefühl. Diese Direktheit überzeugend zu gestalten, ist eine eigene künstlerische Aufgabe.
Als die Schweiz wieder stärker in die Musik rückte
2020 berichtete Egli bei SRF über «Mini Schwiiz – mini Heimat». Das Projekt entstand in einer Zeit abgesagter Konzerte. Sie schilderte, wie sie zunächst mit dem Stillstand rang und wieder stärker in der Musik Halt fand. Auf dem Album kamen Schweizerdeutsch, Französisch und Italienisch zusammen.
Für eine Künstlerin mit einem grossen Publikum im deutschsprachigen Ausland ist das eine bemerkenswerte Entscheidung. Die sprachliche Nähe zur Heimat wird zum hörbaren Teil des Angebots. Wer aus der Schweiz zuhört, entdeckt Vertrautes; wer von ausserhalb kommt, bekommt einen Zugang zu einer anderen Seite der Sängerin.
Das Projekt zeigt zugleich, dass Heimat in der Musik verschieden klingen kann. Es muss nicht bei einem einzigen Dialekt oder einem festgelegten Bild der Schweiz bleiben. Mehrere Landessprachen in einem Album machen Vielfalt ganz praktisch erfahrbar. Für das Verständnis von Eglis Laufbahn ist diese Phase deshalb aufschlussreicher als eine weitere Aufzählung von Auszeichnungen.
Motivation mit einem realistischen Blick auf den Weg
Ein anderes Vorhaben beschäftigte Egli 2021: Sie bereitete sich auf eine Besteigung des Matterhorns vor. SRF berichtete im August über monatelanges Training im Fitnessstudio und an der Kletterwand. Die geplante Tour musste zu diesem Zeitpunkt wegen des Wetters verschoben werden.
Gerade dieser Zwischenstand ist interessant. Er enthält alles, was in einer schnellen Erfolgserzählung leicht verschwindet: fehlende Erfahrung am Anfang, längere Vorbereitung und Umstände, die sich nicht mit Willenskraft ändern lassen. Der Berg richtete sich nicht nach einem Terminkalender.
In derselben Phase stellte Egli «Alles was du brauchst» vor. SRF beschrieb neben motivierenden Liedern auch die Auseinandersetzung mit Bodyshaming und häuslicher Gewalt. Damit bekommt das Bild der fröhlichen Sängerin zusätzliche Facetten. Zuversicht kann Platz für schwierige Erfahrungen lassen. Sie wirkt glaubwürdiger, wenn sie nicht voraussetzt, dass jeder Tag problemlos verläuft.
Eine eigene Show – und die Freiheit, neu zu gewichten
Mit «Die Beatrice Egli Show» übernahm Egli über vier Jahre eine weitere Rolle. Wer eine Musiksendung moderiert, präsentiert nicht nur eigene Titel. Gäste, Gespräche und Übergänge müssen ebenfalls ihren Platz finden. Der eigene Auftritt wird Teil eines grösseren Abends.
Die Mitteilung des SWR vom 9. April 2026 spricht von acht Ausgaben und einer erfolgreichen Zusammenarbeit. Egli bedankte sich darin ausdrücklich bei Publikum, Team und Sender. Als Grund für die vorerst ausbleibende Fortsetzung nannte sie den Wunsch, der Tour und neuen Vorhaben Raum zu geben.
Daraus sollte man keine dramatische Geschichte über ein Scheitern konstruieren. Die veröffentlichte Erklärung beschreibt eine bewusste Schwerpunktsetzung. Zu einer langen Laufbahn gehört auch, nicht jede einmal übernommene Aufgabe unbegrenzt fortzuführen. Manchmal entsteht ein nächster Schritt dadurch, dass für ihn Zeit frei wird.
Was 2026 musikalisch ansteht
Am 24. April 2026 erschien «Hör nie auf damit 2.0». Die Veröffentlichung umfasst 22 Titel und erweitert das bereits bekannte Album. Das offizielle Musikvideo zum Titelsong bietet einen direkten Einstieg in diese aktuelle Werkphase.
Für den Herbst ist die Tour «Tanzen – Lachen – Leben» angekündigt. Im veröffentlichten Terminplan steht auch das Hallenstadion Zürich am 10. Oktober 2026. Damit wird die Verbindung zwischen dem grossen deutschsprachigen Markt und dem Schweizer Publikum erneut konkret. Wer einen Besuch plant, sollte die jeweiligen Veranstalterangaben vor der Buchung prüfen.
Die drei Stationen «Mein Herz», «Mini Schwiiz – mini Heimat» und «Hör nie auf damit» eignen sich als kleiner musikalischer Rundgang: vom frühen Durchbruch über die mehrsprachige Hinwendung zur Schweiz bis zur jüngeren Veröffentlichung. So lässt sich eine Entwicklung hören, statt sie nur anhand von Karrierejahren nachzulesen.
Eglis Geschichte hat ihren Reiz gerade in dieser Bewegung. Sie hält an einer erkennbaren musikalischen Heimat fest und entscheidet zugleich immer wieder, wie viel Raum neue Aufgaben bekommen sollen. Die gute Laune auf der Bühne ist der sichtbare Teil. Dahinter stehen Ausbildung, Vorbereitung und die Fähigkeit, den eigenen Weg weiterzuentwickeln.
Quellen und Stand
Stand: 15. September 2026.
- ORF Radio Salzburg: Gespräch über Ausbildung und DSDS, 12. Februar 2021
- SRF Musikwelle: Interview über Musik und die Schweiz, 10. August 2020
- SRF: Matterhorn-Vorbereitung und Albumthemen, 6. August 2021
- SWR: Keine Fortsetzung der Beatrice Egli Show geplant, 9. April 2026
- Apple Music / Ariola: Veröffentlichung von Hör nie auf damit 2.0
- Universal Music: veröffentlichter Tourkalender
- Beatrice Egli: offizielle Website und aktuelle Projekte