Bastian Baker: Zwischen Weltbühne, Eishockey und echter Publikumsnähe
Von Montreux zur Tour mit Shania Twain: Bastian Bakers Weg zwischen Musik und Eishockey, seine akustischen Konzerte und sein Engagement für UNICEF.

Ein Konzert, dessen Reihenfolge das Publikum mitbestimmt: Für seine akustische Tour beschrieb Bastian Baker 2024 ein ebenso einfaches wie anspruchsvolles Verfahren. Die Gäste schrieben Musikwünsche auf kleine Zettel, die er während des Abends aus einer Schale zog. Nur der erste und der letzte Song standen vorher fest. Dazwischen musste er reagieren.
Dieser Einblick aus einem Interview mit dem Westschweizer OFF Magazine passt gut zu seiner Laufbahn. Der Musiker aus der Waadt hat grosse internationale Bühnen erlebt und sucht trotzdem Situationen, in denen Nähe und Spontaneität zählen. Von Montreux über die Tour mit Shania Twain bis zu seinem Engagement für UNICEF verbindet ihn eine Frage: Was lässt sich mit der eigenen Stimme anfangen, wenn man bereit ist, sie in unterschiedlichen Umgebungen einzusetzen?
Montreux als wiederkehrender Bezugspunkt
Das Montreux Jazz Festival führt Bastian Baker als Künstler zwischen Pop und Folk-Rock. Die eigene Festivalbiografie erinnert an seinen Auftritt im Auditorium Stravinski 2012 und die Rückkehr im Zusammenhang mit dem Album «Stories of the XXI». Montreux ist damit mehr als eine dekorative Station auf einer langen Liste.
Wer aus der Region kommt und auf einer solchen Bühne spielt, begegnet internationaler Musik im eigenen Umfeld. Für Baker wurde das Festival zu einem wiederkehrenden Bezugspunkt. Die verschiedenen Auftritte verbinden den lokalen Ausgangspunkt mit der Entwicklung seiner Arbeit.
Das lässt sich auch beim Hören nachvollziehen: Seine englischsprachigen Songs öffnen sich einem Publikum über die Romandie hinaus, während der Weg dorthin eng mit der Westschweiz verbunden bleibt. Eine internationale Ausrichtung verlangt also nicht, den eigenen Ursprung aus der Geschichte zu streichen.
Eine Begegnung wird zum Anfang
Im OFF-Interview erinnerte sich Baker an eine Begegnung mit Claude Nobs in einer Bar in Zermatt. Nobs habe ihn auf der Mundharmonika begleitet und anschliessend einen Auftritt in Montreux angekündigt. Baker trat 2011 zunächst auf der frei zugänglichen Festivalbühne auf.
Die Geschichte ist als seine persönliche Erinnerung überliefert. Ihr interessanter Kern ist der kleine Rahmen: Ein Auftritt vor Ort konnte jemanden erreichen, der eine weitere Tür öffnete. Entscheidend war, dass dort bereits ein Musiker stand, der spielen und auf eine spontane gemeinsame Situation eingehen konnte.
Solche Begegnungen lassen sich nicht verlässlich planen. Was sich vorbereiten lässt, ist die eigene Arbeit. Deshalb ist die Episode mehr als eine Geschichte vom glücklichen Entdecktwerden. Sie erinnert daran, dass Gelegenheiten und Können zusammenkommen müssen. Der sichtbare Durchbruch ist häufig der Moment, in dem andere eine längst begonnene Entwicklung bemerken.
Auf grossen Bühnen und im kleinen Raum
2018 begleitete Baker Shania Twain auf ihrer «Now»-Welttournee. SRF nahm diese Erfahrung später als einen Ausgangspunkt für ein ausführliches Gespräch bei «Gredig direkt». Die Sendung stellte ihr zugleich sein Eishockey-Comeback und die Zeit beim Zirkus Knie gegenüber. Schon diese Kombination zeigt, wie wenig sich sein Weg auf eine einzige Auftrittsform beschränkt.
Ein grosses Konzert und ein kleiner akustischer Abend stellen unterschiedliche Anforderungen. In einer Arena muss die Musik auch Menschen erreichen, die noch nicht wegen des Vorprogramms gekommen sind. In einem überschaubaren Saal werden Zwischentöne und direkte Reaktionen wichtiger. Wer beide Situationen kennt, verfügt über verschiedene Möglichkeiten, Kontakt zum Publikum herzustellen.
Die Wunschzettel-Idee ist dafür ein schönes Beispiel. Sie gibt den Gästen einen Anteil am Verlauf und macht jeden Abend ein Stück unvorhersehbar. Dass Baker laut eigener Schilderung bewusst kleinere Räume wählte, lässt sich als künstlerische Entscheidung verstehen: Nähe ist eine eigene Qualität eines Konzerts und kein Ersatzpreis für eine grosse Bühne.
Eishockey bleibt Teil seiner Geschichte
Die Verbindung zum Sport ist bei Baker besonders konkret. Der internationale Eishockeyverband IIHF stellte ihn 2020 als früheren Eishockeyspieler und Interpreten des offiziellen Songs für die geplante Weltmeisterschaft in Zürich und Lausanne vor. «Here We Go» schrieb er gemeinsam mit Yves Larock.
In der damaligen Mitteilung erklärte Baker, er habe die Energie eines entscheidenden sportlichen Moments musikalisch aufgreifen wollen: die lange Vorbereitung und den Augenblick, in dem die Leistung zählen soll. Die Weltmeisterschaft wurde später abgesagt; der Song gehört deshalb zur Vorbereitung auf das geplante Turnier, nicht zur Erinnerung an ein tatsächlich ausgetragenes Schweizer WM-Fest.
Gerade diese Verbindung von Musik und Sport macht einen Teil seines Profils aus. Er nähert sich dem Thema aus eigener Erfahrung und übersetzt es in eine andere Form. Dass ein Eishockeyfan später bei einem Popsong landet, ist hier kein zufälliger Werbeeinfall, sondern eine nachvollziehbare Begegnung zweier Interessen.
Die eigene Stimme bekommt eine weitere Aufgabe
Am 25. Mai 2024 ernannte UNICEF Schweiz und Liechtenstein Baker zum Botschafter. Die Organisation bezeichnete ihn als erste öffentlich bekannte Persönlichkeit aus der Romandie in dieser Funktion. Sein erster Auftritt in der neuen Rolle war eine Laudatio bei der Sternenwochen-Auszeichnung im Zürcher Schauspielhaus, mit der engagierte Kinder gewürdigt wurden.
Bei der Ernennung erklärte Baker, seine Bekanntheit auch für Kinderrechte einsetzen zu wollen. Das eröffnet eine weitere Perspektive auf das Wort «Stimme»: Neben dem Gesang geht es darum, Aufmerksamkeit auf Anliegen zu lenken, die sonst im täglichen Nachrichtenstrom untergehen können.
Der konkrete Rahmen der ersten Aufgabe passt dazu. Im Mittelpunkt standen Kinder, die sich selbst engagiert hatten. Ein prominenter Musiker konnte ihren Einsatz würdigen und sichtbar machen. Die Botschafterrolle bedeutet dabei nicht, dass er die Facharbeit einer Hilfsorganisation ersetzt. Sie bietet ihm eine Möglichkeit, die eigene Öffentlichkeit mit deren Anliegen zu verbinden.
Ein Einstieg über die Musik
Wer Baker bislang nur vom Namen her kennt, muss nicht mit seiner gesamten Biografie beginnen. Das offizielle Video zu «Call Me in L.A.», das auch das Montreux Jazz Festival auf seiner Künstlerseite einbindet, liefert einen unmittelbaren Zugang.
Danach lohnt sich der Vergleich mit «Lucky», dem frühen Song aus seiner Durchbruchsphase, und mit einem akustischen Auftritt. Beim Wechsel der Formate lässt sich darauf achten, wie viel ein Lied bereits mit Stimme und Gitarre trägt und was eine umfangreichere Produktion ergänzt. So wird die Vielseitigkeit seiner Arbeit hörbar.
Bastian Bakers Geschichte gewinnt, wenn man ihre unterschiedlichen Orte nebeneinanderstellt: den kleinen Auftritt, die Festivalbühne, die internationale Tour, das Eisfeld und die Kinderrechtsveranstaltung. Zwischen ihnen liegt kein geradliniger Karriereplan, den man nachträglich erfinden müsste. Es sind verschiedene Möglichkeiten, vorhandene Fähigkeiten weiterzuentwickeln.
Die Schale mit den Musikwünschen fasst diesen Zugang besonders anschaulich zusammen. Das Publikum bringt etwas mit, der Musiker antwortet darauf. Aus Vorbereitung und Offenheit entsteht ein gemeinsamer Abend. Für eine Laufbahn, die so viele verschiedene Umgebungen berührt, ist das ein passendes Bild.
Quellen und Stand
Stand: 15. September 2026.
- OFF Magazine: ausführliches Interview über Musik und akustische Tour, Juni 2024
- Montreux Jazz Festival: Künstlerporträt und Festivalstationen
- SRF, Gredig direkt: Gespräch mit Bastian Baker
- IIHF: Here We Go als Song der geplanten WM, 6. März 2020
- UNICEF Schweiz und Liechtenstein: Ernennung zum Botschafter, 25. Mai 2024